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Göttingen Kassel-Calden: Fehlstart für neuen Flughafen
Die Region Göttingen Kassel-Calden: Fehlstart für neuen Flughafen
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20:03 25.03.2013
So voll muss es erst mal werden: Probebetrieb in Calden. Quelle: Pförtner
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Calden/Kassel

Den Caldener Flughafenbetreibern ist die Sache so peinlich, dass sie zu der grotesken Entwicklung keinen Kommentar abgeben.

Grund ist die geringe Zahl der Flugreisenden, die den Flug am Freitag ab Calden ins türkische Antalya gebucht haben. Medienberichten zu Folge waren es gerade sechs. Daher legte die türkische Fluggesellschaft Tailwind den Flug kurzerhand mit einer anderen Verbindung ab Paderborn zusammen – Grund für die kuriose Taxifahrt. Kommentieren möchten die Verantwortlichen den Fehlstart nicht: „Wir geben zur Zeit keine Stellungnahme ab“, heißt es beim Pressedienst C&C Contact & Creation, der die Pressearbeit für die Flughafengesellschaft übernommen hat.

Auch zu der Frage, ob die anderen Flüge von Calden von ähnlichen Schwierigkeiten betroffen sind, möchte sich der Pressedienst „derzeit“ nicht äußern. Wenigstens der Eröffnungs-Schauflug am Donnerstag, 4. April, soll ohne Wenn und Aber stattfinden.

Ein Grund für das mangelnde Interesse von Fluggästen mag darin liegen, dass die Eröffnung des neuen Flughafens auf einen nicht gerade glücklichen Zeitpunkt gelegt wurde: nicht auf den Beginn der Osterferien, sondern auf das Ende. Außerdem wurde der neue Flughafen vor seiner Eröffnung von mehreren Hiobsbotschaften heimgesucht: Erst ging die Ferienfluglinie XL Airways Germany, die von Calden aus starten wollte, pleite, dann sprang vor wenigen Tagen die polnische Luftfahrtgesellschaft Enter Air ab.

Laut Flugplan sollen wöchentlich 22 Maschinen von Calden als regelmäßige Verbindungen starten, 20 dort landen. Mit diesen knapp 2200 Flugbewegungen jährlich wäre man von den ursprünglich geplanten 7000 weit entfernt: Diese Zahl war in der Bedarfsprognose genannt worden, die Grundlage für den Planfeststellungbeschluss war, aufgrund dessen das umstrittene Projekt überhaupt umgesetzt wurde.

In die entgegengesetzte Richtung bewegt sich eine andere Zahl: die der Kosten. Ursprünglich waren 150 Millionen Euro für die Erweiterung der ursprünglichen Provinz-Piste zum Regionalflughafen vorgesehen. Mittlerweile geht das Land Hessen von 271 Millionen aus.
Wer die zu erwartenden Verluste tragen wird, ist unklar. Die geringe Zahl von Fluggästen und das mangelnde Interesse von Luftfahrtgesellschaften, Calden anzufliegen, war schon zu Beginn der Planungen vorausgesagt worden.

▶ Aufgespiesst

Kassel-Calden hat fertig: Am Donnerstag nach Ostern soll der Flughafen, der irgendwo in der Nähe von Kassel liegt, offiziell eröffnet werden. Hurra. Nun haben die Nordhessen etwas eigenes. Als Bundesland. Sie müssen nicht mehr ein paar Kilometer nach Paderborn fahren. Das ist ja schon das Nachbarbundesland. Immerhin starten dort mehr als eine Handvoll Flugzeuge pro Woche.

Anders als in Calden, wo bislang offenbar keine neue Airline Interesse an dem schicken neuen Angebot hat. Auch nicht Billig-Airlines, die ja sonst exotische Standorte am Ende der Heide sehr schätzen, möchten dort landen. Wie ungerecht. Da gibt es einen neuen, picobello funktionstüchtigen Flughafen, und keiner will hin.

Anderswo gibt es jede Menge Passagiere, nur der Flughafen will und will nicht fertig werden.  Berlin kann alles, außer Flughafen, Calden kann alles, außer Passagiere. Vielleicht sollte man das hessische Prestigeobjekt einfach BER-lin überlassen. Herr Mehdorn, üBERnehmen Sie.

Von Britta Bielefeld

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