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Göttingen Kein Notstand auf der Kinderintensivstation
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06:00 11.10.2018
In der Hand einer Pflegekraft liegt der rechte Fuß eines fünf Tage alten und bei der Geburt 430 Gramm wiegenden Jungen in der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Weil es zu wenig Pfleger und Krankenschwestern gibt, muss die MHH Patienten für die Kinderintensivstation abweisen. An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist dies bislang nicht der Fall. Quelle: dpa
Göttingen / Hannover

An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gibt es derzeit noch genügend intensivmedizinisch geschultes Pflegepersonal. Dies bestätigte UMG-Sprecher Stefan Weller auf Tageblatt-Nachfrage. Zuletzt hatte ein Bericht über die Situation auf der Kinderintensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) für Aufsehen gesorgt. Der leitende Oberarzt Dr. Michael Sasse hatte von dort berichtet, dass die MHH allein in diesem Jahr 300 Mädchen und Jungen nicht habe aufnehmen können, darunter 100 Kinder mit lebensbedrohlichen Erkrankungen.

Als Grund dafür nannte Sasse, dass zwei Zimmer auf der Station seit einem Jahr leer stehen würden, weil Pflegekräfte fehlen. Zwar sei jedes der 18 Betten auf einer der größten Kinderintensivstationen Deutschlands mit Beatmungsgeräten ausgestattet, doch halte man sich in Hannover an einen weltweiten Standard, nach dem auf Intensivstationen eine Pflegekraft höchstens für zwei Patienten zuständig sein soll. Bei zu wenig Personal müsse die Klinik Betten leer stehen lassen.

Nahezu Vollauslastung auf der Kinderintensivstation

Die Kinderintensivstation an der UMG ist sogar noch ein bisschen größer; sie verfügt über 20 Intensivbettplätze. Im laufenden Jahr liegt die Station „nahezu bei einer Vollauslastung“, so Weller. Einschließlich des dritten Quartals seien im Jahr 2018 insgesamt 740 Kinder behandelt worden, im gesamten Jahr 2017 seien es 1023 Kinder gewesen. Betreut werden diese von 55 Kinderintensivpflegekräften sowie 16 Fach- und Assistenzärzten, darunter zwei Oberärzte. Das sind sogar vier Pflegekräfte und zwei Ärzte mehr, als bis zuletzt noch auf der Internetseite der Station nachzulesen war. In den vergangenen Jahren habe es hier also sogar einen „moderaten Stellenaufbau“ gegeben, erläutert Weller.

Allerdings komme es auch an der UMG vor, dass vereinzelt Betten auf den intensivmedizinischen Stationen nicht belegt sind – auch hier aufgrund von Personalknappheit im pflegerischen Bereich. „Das variiert, und die Zeitdauer für diese Maßnahmen ist unterschiedlich“, erklärt Weller. Größere Ausfälle gebe es an der UMG aber lediglich bei längeren Krankheitszeiten wie zum Beispiel während einer Grippewelle.

Eher ein Mangel an Betten

Die Probleme, mit denen die MHH in Hannover zu kämpfen hat, sieht Weller in der UMG derzeit noch nicht: „Auf die UMG trifft die beschriebene Situation nicht zu“, betont der Sprecher. Grundsätzlich habe die UMG ausreichend intensivmedizinisch geschultes Pflegepersonal. Es gebe allerdings keine Garantie dafür, dass dies auch in Zukunft so sein wird. „Auch die UMG wirbt aktiv um Pflegefachkräfte, um die knappe Stellensituation im Pflegedienst abfangen zu können“, sagt Weller. Aktuell sei das Problem ein anderes: „An der UMG besteht momentan eher ein Mangel an Intensivbettplätzen, denn an Personal.“

Das an der MHH beschrieben Szenario hält Weller für einen Ausdruck der bundesweiten Gesamtsituation. An der UMG sehe die Lage im Moment weniger dramatisch aus als beispielsweise in einigen Ballungszentren oder teilweise auch in ländlichen Gebieten. Als Steuerungsmechanismen kämen stärkere Aktivitäten in der Personalakquise und in der Personalbindung in Betracht. Für viele Pflegekräfte seien auch die Rahmenbedingungen entscheidend, beispielsweise in Form von Entlastung durch pflegerische Assistenzberufe.

Von Markus Riese

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