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Göttingen Keine Grippeimpfstoffe mehr in Göttingen – und darüber hinaus
Die Region Göttingen Keine Grippeimpfstoffe mehr in Göttingen – und darüber hinaus
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00:22 09.12.2018
Grippeimpfung ist derzeit im Raum Göttingen nicht möglich. Quelle: dpa
Göttingen

Günter Karsubke leitet einen großen Supermarkt in Göttingen. Er lässt sich schon seit einigen Jahren regelmäßig gegen Grippe impfen. Das wollte er auch in diesem Jahr angehen. Als Privatpatient muss er den Impfstoff selbst besorgen. Doch Ende November war da nichts mehr zu machen, berichtet er. 18 Apotheken rief Karsubke an – Fehlanzeige.

Die Universitätsmedizin Göttingen ( UMG), einer der größten Arbeitgeber in der Region, bietet ihren Mitarbeitern jedes Jahr Impfaktionen über den Betriebsärztlichen Dienst an, berichtet UMG-Sprecher Stefan Weller. Doch „die UMG hat aktuell keinen Grippeimpfstoff vorrätig. Auf dem deutschen Markt ist derzeit kein Grippeimpfstoff mehr zu bekommen. Die Klinik-Apotheke ist derzeit bemüht, aus dem Ausland über einen Importeur Grippeimpfstoff zu beziehen.“

„Seit Oktober leer gekauft“

Dass es einen Engpass bei dem Impfstoff gibt, bestätigt auch Dr. Matthias Grau, stellvertretender Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen. Laut Grau gibt es dieses Versorgungsloch in ganz Deutschland. „Die Hersteller sind seit Oktober leer gekauft.“ Großhändler und Apotheker seien jetzt im Ausland auf der Suche nach geeignetem Material. In Schweden und Polen seien sie auch fündig geworden. 100000 Einheiten des Impfstoffs sollen Deutschland bereits erreicht haben, sagt Grau. Sie würden wohl derzeit mit deutschen Etiketten und Beipackzetteln versehen.

Das Problem hatten zu allererst die Privatpatienten, die sich den Impfstoff selbst in den Apotheken besorgen mussten, bestätigt Grau. Ärzte hatten noch Vorräte für Kassenpatienten, die von den Krankenkassen bezahlt worden waren und deshalb nicht an Privatpatienten weitergegeben werden durften. Die große Nachfrage richtet sich an den vierfach wirksamen Impfstoff. Im vergangenen Jahr sorgte ein Grippeerreger, gegen den der übliche Dreifachschutz nicht half, für viele Erkrankungen – zum ersten Mal in 25 Jahren, sagt Grau. Dann sei der Vierfachschutz auch für Kassenpatienten freigegeben worden. Impfstoff mit dreifachem Schutz sei übrigens noch verfügbar.

Lange Produktionszeit

Drei Anbieter haben in Deutschland die Lizenz, Grippeimpfstoff herzustellen, erklärt Grau. 1,2 Millionen Einheiten würden benötigt, das sei sehr gut vorauszuberechnen. Warum weder die Krankenkassen noch die Hersteller im Vorfeld für ausreichende Vorräte gesorgt hätten, „ist nicht zu verstehen“, sagt Grau.

Christoph Wolf, beratender Arzt der kassenärztlichen Vereinigung Göttingen, berichtet von der Nachricht, dass der Impfstoff aus Schweden auch bereits verkauft sei. Nach weiterem werde im Ausland geforscht. Doch besonders optimistisch ist er nicht. „Das, was an Vorbestellungen Anfang des Jahres nicht bei den produzierenden Firmen angekommen ist, wird nicht hergestellt.“ Um vielleicht noch vorhandene Chargen bei Kassenärzten abzufragen und umzuverteilen, fehle die Logistik, so Wolf. Er selbst übrigens habe gerade die ersten Kontingente des Grippeimpfstoffs bestellt – für 2019/20.

Auch Prof. Helmut Eiffert, Oberarzt am Institut für Medizinische Mikrobiologie an der UMG, ist über den Versorgungsengpass informiert. „Wir wissen nicht, genau, wann es wieder welchen gibt.“ Großhändler seien im Ausland auf der Suche nach geeigneten Chargen. Eiffert: „Es kann sein, dass es nächste Woche wieder etwas gibt – aus Griechenland oder Frankreich.“ Solche Schwierigkeiten gebe es auch bei anderen Impfstoffen wie beispielsweise gegen Tollwut. Dass es keinen schnellen Nachschub an Grippeimpfstoff gibt, liegt an der langen Produktionszeit. Drei bis vier Monate dauere es, bis neues Material hergestellt sei. Zu spät für die Hauptzeit der Grippeviren. „Zwischen Weihnachten und Neujahr wird es kommen“, prognostiziert Eiffert aus seiner Erfahrung heraus. Warum gerade zu dieser Zeit, sei noch nicht endgültig geklärt. Trockene Raumluft und das Beisammensein vieler Menschen seien die wahrscheinlichsten Ursachen.

Von Peter Krüger-Lenz

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