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Göttingen Kiffen ist wieder im Trend
Die Region Göttingen Kiffen ist wieder im Trend
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00:24 09.09.2018
Jaqueline Emmermann und Christian Müller-Henke zeigen den Inhalt des Koffers mit beschlagnahmten Drogen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Bei den tatverdächtigen Minderjährigen stieg die Zahl sogar um knapp 55 Prozent. Und selbst das ist nach Einschätzung der Experten nur die Spitze des Eisbergs. Illegale Droge Nummer eins in Göttingen ist Cannabis. Grund für das Präventionsteam um Jacqueline Emmermann in diesem Bereich verstärkt aktiv zu werden. Die jüngste Maßnahmen war eine interdisziplinäre Fachtagung am Donnerstag, mit der Lehrer, Sozialpädagogen und Fachkräfte aus Jugendhilfe, Jugendarbeit und Polizei informiert werden sollten. Das Interesse war groß.

Dabei wurde das Thema von mehreren Seiten intensiv beleuchtet. Experten antworteten beispielsweise auf folgende Fragen: Wie groß sind die gesundheitlichen Risiken? Wie sieht die Göttinger Drogenszene aus? Welche Hilfsangebote gibt es? Und was passiert, wenn ich erwischt werde?

Cannabis ist nicht harmlos

Die Debatte um die Legalisierung von Cannabis und die Freigabe für medizinische Nutzung birgt ein Risiko: Die Droge erscheine harmlos . Das diese Annahme schon aus medizinischer Sicht nicht korrekt ist, zeigte der Vortrag von Prof. Ursula Havemann-Reinecke von der Universitätsmedizin Göttingen. „Das Thema Cannabis liegt mir am Herzen. Und es wird immer aktueller“, so die Leiterin des klinischen Bereichs Suchtmedizin der Psychiatrischen Klinik.

Sie warnte vor einer steigenden THC-Konzentration im weltweit gehandelten Cannabis. Dieser erreiche mittlerweile Werte von bis zu 40 Prozent. Entsprechend schwer sei es, Wirkung und Effekte einzuschätzen. So wurde die toxische Wirkung in der Forschung bisher als nicht tödlich beschrieben. Eine Aussage, die so nicht mehr lange Bestand haben dürfte. Gleichzeitig wisse man seit langem, dass körpereigene Cannabinoide eine große Rolle spielen beispielsweise bei der Stressverarbeitung oder auch dem Fettstoffwechsel. Auch gebe es Anwendungsbereiche von Cannabis in der Medizin, die wissenschaftlich anerkannt seien. „Schädliche und positive Effekte stehen sich hier gegenüber“, so Havemann-Reinecke.

Es ist nicht schwer, an Drogen zu kommen“

Von positiven Effekten konnte Carsten Langar, Leiter des Kommissariats für Rauschgiftkriminalität, hingegen kaum berichten. „75 Prozent unserer Arbeitszeit befassen wir uns mit dem Thema Cannabis.“ In Göttingen wird die Substanz derzeit für zwölf Euro pro Gramm verkauft. Der THC-Gehalt liegt bei bis zu 22 Prozent – auch hier deutlich höher als nur vor einigen Jahren. „Es ist nicht schwer, in dieser Stadt an Drogen zu kommen.“ Hotspots seien die Groner Landstraße, der Hagenweg oder auch einzelne Plätze in der Innenstadt.

Sein Kollege Christian Müller-Henke gewährte einen Einblick in den polizeilichen Alltag. Anhand des Drogenkoffers beschrieb er die Erscheinungsform von Marihuana, Hasch und Co. Auch woran der geschulte Beobachter Drogenkonsumenten erkennen kann, kam zur Sprache. Gerötete Augen, große Pupillen, Schweißausbrüche oder gräuliche Augenringe seien deutliche Indizien für regelmäßiges Kiffen. Sicherheit bringe allerdings nur der Bluttest.

„Ohne Drogen wäre ich heute ein anderer Mensch“

Ist der positiv, übernimmt die Staatsanwaltschaft. Während es bei Erwachsenen bei kleinen Mengen einen Ermessensspielraum gibt, wird bei Jugendlichen kein Verfahren eingestellt. Aus erzieherischen Gründen, so Ermittlungsrichter Oliver Jitschin. Bei Konsum führt der Weg in der Regel über die Jugendgerichtshilfe zur Drogenberatung. „Wird gedealt, landen sie bei uns“, so der Jugendrichter. In weniger als 20 Prozent der Fälle werde dann eine Jugendstrafe ausgesprochen.

Zwei, die es getroffen hat und die derzeit im offenen Vollzug ihre Strafe absitzen, erzählten abschließend aus ihren Drogenkarrieren. Eine der Erkenntnisse: „Ohne Drogen wäre ich heute ein anderer Mensch.“

Von Markus Scharf

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