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Göttingen Kinder horchen zum Thema Hören
Die Region Göttingen Kinder horchen zum Thema Hören
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10:34 07.06.2018
Audiologin und Kinderakustikerin Jenny Blum beantwortet Fragen. Quelle: Markus Hartwig
Göttingen

„Ich weiß, wie Schwindel entsteht“ – noch vor dem Start der Vorlesung am Mittwochabend konnten einige junge Zuhörer ihre Motivation kaum zurückhalten. Und gleich zu Beginn bewiesen sie ihr Wissen: „Im Wasser kann man nicht hören.“ Oder: „Nicht hören können – das wäre wie blind sein eine Katastrophe.“

Ausgehend vom Schall, der über das äußere Ohr, das Mittel- und Innenohr und schließlich über Nervenimpulse das Hirn erreicht, zeigte Tobias Moser, dass sich im Ohr eine Wunderwelt mit tanzenden Zellen verbirgt. Moser ist auditorischer Neurowissenschaftler, HNO-Arzt und Audiologe an der Universitätsmedizin Göttingen und beschreibt: Diese tanzenden Zellen seien Experten für mechanische Messungen und gleichzeitig das Mikrofon für unser Gehirn.

Marderschreck“ mit 20 Kiloherz

Anschaulich demonstrierte Moser per Videoübertragung, wie Zucker unter verschiedenen Schalleinflüssen auf einer Membran tanzt. „Schall schwingt“, kommentierte er den Versuchsaufbau, und erläuterte den Begriff „Marderschreck“: Eine Tonhöhe im Ultraschallbereich ab 20 Kiloherz – die mögen die Tiere gar nicht gern. Der Mensch verarbeitet Schall von 20 bis 20 000 Herz. Der Marderschreck bezeichnet also einen Ton, den wir Menschen nicht wahrnehmen.

Die Kinder-Uni startete am Mittwoch mit ihrer vierten Vorlesung im aktuellen Semester. Das Thema war Hören, Prof. Tobias Moser gibt Einblick in sein Fach. Quelle: Markus Hartwig

Wenn der Hörsinn versagt, ist miteinander sprechen oder Musik hören kaum noch möglich. Dies betreffe etwa 17 Millionen Menschen in Deutschland und 360 Millionen weltweit. Hörgeräte und Cochlea-Implantate könnten den Betroffenen helfen, wieder zu hören, so Moser: „Aber nicht so gut wie ihr das könnt. Das sind tolle Maschinen, aber unser Gehirn ist noch viel toller.“

Hörprothesen für Schwerhörige

Anhand eines leuchtenden Ohres demonstrierte Moser nun eine optische Hörprothese. Optogenetik sei hier das Stichwort. Hörnervenzellen werden durch genetische Veränderung lichtempfindlich gemacht. So könnten mehr Informationen über die Schallfrequenzen weitergegeben werden als mit bisherigen Hörhilfen, so der Audiologe. „Der Hörsinn für Schwerhörige kann so noch besser wiederhergestellt werden.“

Die Kinder waren nah am Thema dran und hatten Spaß am tanzenden Zucker und dem leuchtenden Ohr. In der Fragerunde zum Ende der Vorlesung interessierte sie unter anderem der Tinnitus, „ein Geräusch, ein Phantomgeräusch, das nicht da ist“, beschrieb Moser. Er musste zugeben, dass Tinnitus „noch immer nicht gut verstanden ist“.

Von Markus Hartwig

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