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Göttingen Kinder-Uni zur Händel-Oper „Arminio“
Die Region Göttingen Kinder-Uni zur Händel-Oper „Arminio“
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15:27 18.05.2018
Prof. Dr. Lorenz Rahmstorf, Seminar für Ur- und Frühgeschichte Quelle: Christina Hinzmann
Göttignen

Es hat schon Tradition, dass die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen mit der Kinder-Uni zusammenarbeiten. Sonja Catalano, bei den Festspielen für Musikvermittlung zuständig, erklärte, was alles in einer Oper passiert, welche Beziehungen zueinander die Figuren in „Arminio“ haben und wie es Händel in seiner Musik gelingt, die Gefühle der handelnden Personen auszudrücken. Das bekamen die Hörer auch gleich praktisch vorgeführt: Der aus den USA stammende Countertenor Christopher Lowrey, Titelheld in der Händel-Festspieloper, sang zur Eröffnung seine Arie „Sì, cadro“ und zog dabei alle vokalen Register, um die wütende Erregung Arminios vorzuführen.

Für den historischen Hintergrund sorgte Prof. Lorenz Rahmstorf vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität – mit dem passenden Einstieg mit Asterix und den Galliern. Wo fand das alles statt, welche Personen der Oper hat es wirklich gegeben? Der Wissenschaftler zeigte Bilder von römischen und germanischen Siedlungen, machte klar, dass die Römer vorwiegend steinerne Gebäude errichteten, von denen manche – siehe die Porta Nigra in Trier – bis heute stehen. Die Germanen dagegen bauten hölzerne Häuser. Was davon heute übrig sei, wollte er von den Hörern wissen. Die korrekte Antwort kam prompt: „Nichts.“ Doch bei Grabungen finde man bisweilen auch germanische Siedlungsreste. Dafür hatten die jugendlichen Zuhörer ebenfalls die richtige Erklärung: „Da ist die Erde verfärbt.“

Wie dann der Expansionsdrang der herrschfreudigen Römer durch die schlauen Germanen gestoppt wurde, erläuterte Rahmstorf sehr nachvollziehbar. Der Germane Arminio – den es wirklich gegeben hat – hatte bei den Römern gelebt und dabei ihre kriegerischen Tricks kennengelernt. Daher wusste er, dass man die starken römischen Legionen nur in unwegsamem Gelände schlagen kann, in dem sie nicht ihre Formationen aufstellen können. So konnten die Germanen in sumpfigen und waldreichen Gegenden die Römer einzeln besiegen – mit dem Erfolg, dass nach der Varusschlacht die Römer auf weitere Eroberungen in Germanien verzichteten und stattdessen ihre Grenze zurücknahmen und befestigten, den Limes nämlich.

Das alles machte Rahmstorf anschaulich, führte römische und germanische Kleidung vor, Frisuren, etwa den Sueben-Knoten, berichtete von den Büchern, aus denen wir unsere Kenntnisse über diese Zeit beziehen, vor allem die „Germania“ des Tacitus. Am Ende rundete die junge belgische Sopransolistin Sophie Junker, die ebenfalls zum Team der Festspiel-Oper „Arminio“ gehört, mit der Arie des Sigismondo „Il sangue al cor favella“ diesen Streifzug durch die Welt- und Musikgeschichte virtuos ab. Ein paar Fragen aus dem Publikum konnten abschließend noch geklärt werden: etwa dass im Prinzip alle Männer mit einer hohen Stimme singen können, was Lowrey mit einem perfekten Jodler belegte. Ob denn Varus am Ende der Oper echt tot sei, wollte ein Hörer am Ende wissen. „Nein, das ist nur ein Theatertod, der lebt weiter“, beruhigte ihn Catalano.

Von Michael Schäfer

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