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Göttingen Kinderleiche aus dem Moor gibt Geheimnisse preis
Die Region Göttingen Kinderleiche aus dem Moor gibt Geheimnisse preis
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19:28 06.04.2010
Lag mindestens acht Jahrhunderte im Moor: der Schädel des „Kindes aus der Esterweger Dose“. Quelle: Hinzmann

Zwar ist die zurzeit untersuchte, schon 1939 gefundene Skelett-Moorleiche mit etwa 900 Jahren bei weitem nicht so alt wie die vor etwa 2650 Jahren gestorbene und besser erhaltene Moora, dafür liefern die tiefbraun verfärbten Knochen des Kindes aus der Esterweger Dose mindestens genau so faszinierende wissenschaftliche Ergebnisse. So ist sich Schultz fast sicher, die Todesursache des zehn- bis zwölfjährigen Kindes herausgefunden zu haben. Man könne in den alten Knochen lesen wie in einer „Zeitung aus dem Mittelalter“, sagt der Göttinger Wissenschaftler. Die Reste aus dem Moor seien „biohistorische Urkunden“, die Mitteilungen über Lebensbedingungen und Krankheiten der damaligen Zeit lieferten.

Schultz, als Fachmann auf diesem Gebiet international bekannt und gefragt, ist mit seinen Erkenntnissen immmer wieder in wissenschaftlichen Fernsehmagazinen wie „Terra X“ zu sehen. Mit Jeannine Mißbach-Güntner vom Göttinger Uni-Klinikum, Prof. Klaus Püschel vom Hamburger Institut für Rechtsmedizin, Prof. Mamoun Fansa vom Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg und weiteren Forschern ist sich Schultz so gut wie sicher: Das Kind, gefunden in der Esterweger Dose, einem Moorgebiet in den Landkreisen Emsland, Leer und Cloppenburg, starb an einer Knochenmarksentzündung.

Um das herauszufinden, mussten die Wissenschaftler den Uralt-Knochen mit hochmodernen Methoden zuleibe rücken – darunter eine Röntgen-Fluoreszenz-Spektroskopie, die grellfarbene Bilder der verborgenen Knochenstrukturen liefert. Ergebnis: Das Skelett weist Befunde auf, die bisher noch nie bei derartigen Funden beschrieben wurden. Noch heute lassen sich damit in den nach Jahrhunderten im Moor lagernden gummiweichen Knochen die Spuren des Knochenfraßes nachweisen – eine Krankheit, die ohne Antibiotika nicht ausheilt. Zu Lebzeiten war das Kind schwer gehbehindert und hatte massive Knochenfraßdefekte im rechten Bein. In seinen letzten Lebensjahren muss das Kind, wahrscheinlich ein Junge aus den Jahren 1046 bis 1164, erhebliche Schmerzen gehabt haben, sagt Schultz – auch durch Knochenformationen der linken Körperhälfte, die entstanden, weil das Kind das gesündere Bein stärker belastete, um seine Schmerzen zu mildern.

Anders als bei anderen Moorleichen weisen die Knochen des Kindes aus der Esterweger Dose keine Wachstumsstillstände auf, wie sie durch zeitweisen Nahrungsmangel ausgelöst werden. Schultz Schlussfolgerung: Das Kind stammte wahrscheinlich nicht aus der Unterschicht.

Von Matthias Heinzel

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