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Göttingen Kinderpflegedienst wird 20 – und steckt in finanziellen Schwierigkeiten
Die Region Göttingen Kinderpflegedienst wird 20 – und steckt in finanziellen Schwierigkeiten
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12:51 07.02.2018
Der häusliche Kinderkrankenpflegedienst Kimbu wird 20 Jahre alt - und steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Quelle: r
Göttingen

In enger Kooperation mit Kliniken und Ärzten versorgt das ausschließlich aus examinierten Kranken- und Kinderkrankenpflegkräften bestehende Personal die kleinen Patienten – in ihrem gewohnten Umfeld. Doch der Pflegedienst steckt in finanziellen Schwierigkeiten, da die Leistungen nur zu 40 Prozent von den Krankenkassen übernommen werden.

Ein häuslicher Pflegedienst für Kinder habe einen weiteren Einzugsradius als Pflegedienste für Erwachsene, erläutert Kerstin Mollenhauer, Kimbu-Geschäftsführerin. Deshalb betreuten die Mitarbeiter Familien in fünf Bundesländern in einem Radius von 90 Kilometern. Zur Zielgruppe gehören unter anderem an Krebs erkrankte Kinder, deren Blut abgenommen und in die Klinik gebracht wird, wie Pflegedienstleiterin Barbara Möllmann erläutert. Die Ergebnisse würden mit den behandelnden Ärzten besprochen, an die Familie weitergeleitet und je nach Befund weitere Maßnahmen ergriffen. Auch Kinder mit künstlichem Darmausgang, einer Lungenpumpe oder einer Magensonde gehören zu den Patienten, die die Mitarbeiter von Kimbu versorgen. Auch schwerstmehrfach behinderte Kinder und ihre Familien werden betreut. Für die Familien bedeute die Betreuung durch Kimbu „eine enorme Entlastung“, so Möllmann. Denn durch die Behandlung im häuslichen Umfeld könne ein gewisses Maß an Normalität einkehren; zudem könnten in einigen Fällen auch weitere Klinikaufenthalte verkürzt oder vermieden werden. Vertrauen sei die wichtigste Basis für die Arbeit mit und in den Familien – das entstehe nur durch Zeit und Kontinuität.

Die Krankenkassen bezahlten aber lediglich die Zeit, die die Mitarbeiter für die Betreuung und Versorgung der schwerkranken Kinder aufbringen, sowie eine „normale Fahrtkostenpauschale“. Die weiteren Fahrt- und Lohnkosten müsse Kimbu aus eigener Tasche finanzieren. Auch die Beratungsgespräche mit Eltern und Ärzten, der Kontakt zu Behörden und der kollegiale Austausch werde von den Kassen nicht vergütet. „Unsere Mitarbeiter sind super flexibel, und wir können das kaum honorieren“, bemängelt Mollenhauer. Bisher habe man einen Ausgleich durch Spenden finanzieren können, was nun aber nicht mehr möglich sei. So komme ein monatliches Defizit von etwa 10000 Euro zustande, so dass die Entscheidung getroffen wurde, den Radius für Kurzversorgungen unter vier Stunden pro Woche auf 30 Kilometer zu reduzieren. „Als wir das den betroffenen Familien sagen mussten, waren einige richtig verzweifelt“, berichtet Möllmann. Sowohl ihr als auch den Mitarbeitern gehe dies sehr nahe, „denn wenn wir nicht mehr kommen, bedeutet das für die kleinen Patienten und ihre Familien einen großen Verlust der Lebensqualität“, so Möllmann. Durch die Verkleinerung des Versorgungsradius erhoffe man sich nun die dringend erforderlichen Einsparungen.

„Schwerkranke Kinder haben keine Lobby“, resümiert Mollenhauer. Die Situation müsse sich dringend ändern, denn das Wohl der schwerkranken kleinen Patienten stehe an erster Stelle. Demnächst gebe es ein Schiedsverfahren mit zwei Krankenkassen. Die Verhandlungen im Vorfeld gestalteten sich aber äußerst schwierig.

Kimbu wurde vor 20 Jahren von engagierten Betroffenen und Interessierten aus dem Verein der „Elternhilfe für das krebskranke Kind“ gegründet. Die Räumlichkeiten der häuslichen Kinderkrankepflege sind direkt neben dem Elternhaus am Papenberg 9 gelegen. Wer Kimbu unterstützen möchte, kann dem gleichnamigen Verein beitreten oder mit einer Spende helfen, wie Kassenwart Otfried Gericke erläutert.

Bankverbindung: Sparkasse Göttingen, IBAN: DE 33 2605 0001 0019 0067 33. BIC: NOLADE21GOE.

Von Maren Iben

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