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Göttingen „Die Beitragsfreiheit ist nicht die Lösung“
Die Region Göttingen „Die Beitragsfreiheit ist nicht die Lösung“
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18:29 31.08.2018
Sigrid Jacobi. Quelle: Hartwig
Göttingen

Das Land Niedersachsen erreicht im Bundesvergleich einen guten dritten Platz beim Betreuungsschlüssel, der bei Kita-Kindern bei 1:8,3 liegt. „Das deckt sich jedoch nicht mit den Rückmeldungen aus der Praxis der Kinderbetreuung im Landkreis Göttingen“, so die Ausschussvorsitzende Sigrid Jacobi (CDU). Zwar seien sowohl die neu eingeführte Beitragsfreiheit im Kindergarten, als auch die Verlagerung der Sprachförderung von Grundschulen in die Kitas grundsätzlich sinnvoll, so Jacobi weiter. Doch stelle das Land die Kommunen und Einrichtungen vor große Probleme, da es weder einer Übergangsphase gegeben habe noch ausreichend Personal zur Verfügung gestellt worden sei, kritisiert die CDU-Politikerin.

Die Aufgaben der Sprachförderung sind in der Vergangenheit von etwa 500 Grundschullehrkräften übernommen worden. Fachkräfte im selben Umfang mit entsprechender Qualifikation gewinnen zu können, erscheint angesichts des Fachkräftemangels wenig wahrscheinlich. Wie angespannt die Personal- und Platzsituation in den einzelnen Gemeinden des Landkreises auch aufgrund der gestiegenen Nachfrage ist, beweist die aktuelle Kitabedarfsplanung, die ebenfalls im Ausschuss vorgestellt wurde. Im Flecken Adelebsen beispielsweise würden bei einem Betreuungsbedarf von 60 Prozent der Krippenkinder und 99 Prozent bei den Drei- bis Sechsjährigen ein Defizit von über 50 Plätzen ergeben. Die Stadt Osterode meldet gar 140 fehlende Plätze.

Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Denn zum einen definiert jede Gemeinde individuell, wie hoch ihr Bedarf an Krippen- und Kitaplätzen ist. Zum anderen können fast überall im Landkreis Tagespflegepersonen zumindest einen Teil des Bedarfs ausgleichen. Deren Position will die Kreis-CDU stärken und zeigt sich erfreut über die Pläne, einen runden Tisch mit allen Tagespflegepersonen einzurichten. „Verbesserungen bei unzureichenden Vertretungsregelungen“ und die „Berücksichtigung von Qualifizie-rungen“ seien wichtige Themenfelder.

Eine Beitragsfreiheit in der Kindertagespflege ist im Landkreis Göttingen, anders als in anderen niedersächsischen Kommunen, noch kein Thema. Die CDU setze sich für eine zeitnahe finanzielle Gleichbehandlung ein. Aber Jacobi schränkt ein: „Die Beitragsfreiheit ist nicht die Lösung zur Verbesserung der Qualität in der frühkindlichen Bildung, wenn entsprechende Rahmenbedingungen fehlen.“ Dazu muss die Frage geklärt werden, wie möglichst schnell möglichst viele gut ausgebildete Erzieher auf den Markt kommen.

Von Markus Scharf

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