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Göttingen Klage über mangelnde Barrierefreiheit
Die Region Göttingen Klage über mangelnde Barrierefreiheit
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13:31 11.03.2018
Klinik nur erschwert zu benutzen: Schwerbehinderte sind besonders oft im Krankenhaus Quelle: epd
Göttingen/Northeim

Formulierungen wie „behindertenfreundlich“ oder „barrierearm“ machen Monika Nölting vom Behindertenbeirat des Landkreises Northeim ärgerlich: „Solche Gebäude sind nicht barrierefrei. Wir können sie nur erschwert oder nur mit fremder Hilfe nutzen.“

„Gemäß der Niedersächsischen Bauordnung müssen Kliniken barrierefrei sein“, sagt dazu Justina Leuthen vom zuständigen Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. Der entsprechende Standard des Deutschen Instituts für Normung, die DIN-Norm 18040, finde seit 2012 „mit gewissen Veränderungen“ als Technische Bauvorschrift Anwendung. Alte Häuser genössen jedoch Bestandsschutz.

Hohe Bordsteine

„Die Probleme beginnen oft bereits auf dem Weg zum Krankenhaus“, berichtet Nölting. Parkplätze für Schwerbehinderte seien zum Teil nicht ausgeschildert. Bei Schranken könnten Behinderte den Knopf vom Fahrersitz aus nur schwer erreichen. Der Fußweg zum Krankenhaus sei schmaler als die vorgeschriebenen 1,20 Meter. Sie wisse von einer neugebauten Einrichtung im Landkreis Northeim, wo der Weg nur 45 Zentimeter breit sei und zudem von einem zehn Zentimeter hohen Bordstein begrenzt werde.

Wege mit mehr als zehn Prozent Steigung

„Das Leben schwer machen uns auch Wege, die mehr als drei Prozent Steigung aufweisen“, berichtet Nölting. In einem Fall habe ein solcher Weg mehr als zehn Prozent Steigung. Rollstuhl- und Rollatorfahrer könnten stürzen. In Krankenhäusern vermissten Blinde zum Teil taktile Leitsysteme, an denen sie sich mit ihrem Blindenstock orientieren könnten, weiß Kersten Sander von Northeimer Behindertenbeirat.

Weite Wege zu behindertengerechten Toiletten

„Zu einer behindertengerechten Toilette müssen wir oft weit gehen“, ergänzt Wolfgang Peter, der Behindertenbeauftragte des Landkreises Göttingen. „Die Waschbecken sind oft nicht höhenverstellbar“, berichtet Nölting. Probleme gebe es mit Türen. Die Türöffner seien in manchen Kliniken in unterschiedlichen Abständen zur Tür angebracht, so dass Blinde ins Leere griffen. Neben den Türen sei zum Teil kein Platz. Wenn sich die Tür nach vorne öffne, stehe sich ein Rollstuhlfahrer selbst im Weg.

„In Patientenzimmern kommt es vor, dass die Betten für zwei Rollstuhlfahrer zu eng stehen“, führt Nölting aus. Der Notrufknopf befinde sich manchmal außerhalb des Bettes in einer Halterung an der Wand. Selbst für einen vergleichsweise gut beweglichen Kranken blieben sie schwer erreichbar.

Gefahr durch Duschvorhänge

„In einigen Fällen hängen in Bädern Duschvorhänge“, kritisiert Nölting. Das könne zu Unfällen führen, wenn sich Patienten, die unsicher ständen, an ihnen festzuhalten versuchten. Halterungen im Bad etwa für den Fön befänden sich in 1,50 Meter Höhe außer Reichweite von Rollstuhlfahrern. Ärgerlich sei es, wenn sich Toiletten weder von links, noch von rechts mit dem Rollstuhl anfahren ließen.

Abweichungen von der Bauvorschrift möglich

In „begründeten Einzelfällen“, so Leuthen vom Bauministerium, seien bei Neubauten Abweichungen von der Technischen Bauvorschrift möglich. Bei Problemen sollten sich Betroffene direkt an die Krankenhäuser wenden, rät Helge Engelke, Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, in der alle niedersächsischen Kliniken organisiert.

„Eingeschränkte finanzielle Ressourcen“

In einer Stellungnahme der Deutschen Krankenhausgesellschaft heißt es, dass die neun Prozent Schwerbehinderten in Deutschland überdurchschnittlich häufig in der Klinik seien. Aufgrund „eingeschränkter finanzieller Ressourcen“ seien die „Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt“. Wenn Betroffene Verstöße gegen das Baurecht vermuteten, so Leuthen, könnten sie sich an die Untere Bauaufsichtsbehörde wenden.

Von Michael Caspar

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