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Göttingen Klavier im Wald, nackter Mann im Baum
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20:27 28.12.2012
Ein Klavier, ein Klavier: Dieses steht 2012 im Wald bei Barterode und gibt viele Rätsel auf. Quelle: Polizei
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Göttingen

Das skurrile Jahr 2012 begann eigentlich schon am Abend des 1. Weihnachtstages des Jahres 2011. Was war geschehen? In einem exklusiven Restaurant an der Geismar Landstraße vertauschte eine Dame versehentlich ihren Samtnerzmantel mit dem einer 48 Jahre alten Frau. Nach rund zwei Wochen wandte sich die 48-Jährige schließlich hilfesuchend an die Polizei. Die Geschichte sollte gut ausgehen. Eine Presseveröffentlichung führte zum Erfolg: beide Mantelträgerinnen fanden doch noch zueinander und konnten ihre wertvollen Mäntel wieder zurücktauschen.

Nicht so glücklich startete das Jahr 2012 für einen 17 Jahre alten Trickbetrüger aus Polen. Der Jugendliche, der sich als vermeintlicher "Neffe" ein wenig Geld dazuverdienen wollte, wurde selbst überrumpelt. Eine pfiffige 85-Jährige aus Herberhausen drehte am Telefon den Spieß einfach um, spielte dem jungen Betrüger die "reiche Tante" vor und legte ihm schließlich zusammen mit der Polizei das Handwerk. Kurz nach der verabredeten Geldübergabe war der Spaß nämlich vorbei: die ebenfalls zum Treffen "eingeladenen" Beamten kannten kein Pardon. Stattdessen klickten die Handschellen.

Ihr schwer beladener Fluchtwagen wurde im Februar drei mutmaßlichen Tankstelleneinbrechern aus Bremen auf der Kasseler Landstraße zum Verhängnis. Weil das Heck ihres Volvo tief herunter hängte, wurde eine Funkstreife auf das Trio aufmerksam. Im Kofferraum des Wagens stießen die Polizisten bei der Kontrolle auf einen mit einem Tuch abgedeckten Wertschrank. Woher die Männer das Behältnis hatten, war schnell geklärt: aus einer Tankstelle in der Gotthelf-Leimbach-Straße. In die waren sie nur kurz zuvor eingebrochen.

"Ein Klavier, ein Klavier....!" - Für eine besondere Überraschung sollte im April das mittlerweile "berühmte Klavier im Wald" bei Barterode (Foto) sorgen. Wie das antike Piano dort hinkam, wer es dort abstellte und....überhaupt warum? All dies wurde leider nie geklärt. Erstmals in ihrer Geschichte fahndete die Polizei Göttingen im Juni mit einem Phantombild nach einem Hundedieb, einem Mann, der die fünf Monate alte Bulldogge "Frieda" am späten Nachmittag des 16. Aprils aus dem Vorgarten eines Wohnhauses in Benniehausen stahl. Das Tier wurde zum Glück später bei einer Frau in Gerblingerode aufgefunden. Die weiteren Ermittlungen dauern an.

Für Aufregung bei der Autobahnpolizei sorgte Ende Juni der Anruf eines besorgten Verkehrsteilnehmers, der auf der Rastanlage Göttingen-Ost an der A 7 eine "mit einem Gewehr bewaffnete männliche Person im Tarnanzug" gesehen hatte. Vor Ort angekommen, bot sich der alarmierten Streife ein überraschendes Bild: nicht nur ein Mann mit Gewehr im Tarnanzug lief hier herum - nein rund 40 Männer waren hier unterwegs. Die Entwarnung kam dann schnell: es handelte sich um Angehörige der Bundeswehr.

An ausgelöster Aufregung kaum zu überbieten war jedoch die Meldung vom "splitternackten Mann im Ahornbaum". An einem Verbindungsweg in Göttingen hatte eine Spaziergängerin am Morgen des 15. Juli die Hilferufe des 29 Jahre alten Rosdorfers gehört und die Polizei verständigt. Zur Rettung des hilflosen Nackedeis musste die Göttinger Berufsfeuerwehr mit einer Drehleiter anrücken. Der Mann wurde anschließend in ein Krankenhaus eingeliefert.

Vermutlich ebenfalls nicht ganz Herr seiner Sinne war im August ein 19 Jahre alter Göttinger, der es sich in einer Wohnanlage an der Groner Landstraße kurzerhand in einer fremden Wohnung auf einem ebenso fremden Sessel bequem machte und dort einschlief. Die 62 Jahre alte "rechtmäßige Nutzerin" der Wohnung wusste sich keinen anderen Rat mehr, als die Polizei zu rufen. Wie die Frau gegenüber den Beamten angab, hatte der 19-Jährige gegen 3.10 Uhr an ihre Tür geklopft und geklingelt. Als sie öffnete, betrat der für sie vollkommen Fremde sofort ihre Wohnung, legte sich zielstrebig auf einen Sessel, nahm sich eine Decke und schlief ein. Die Funkstreife der Polizei weckte den alkoholisierten Eindringling und brachte ihn anschließend eine Etage höher in seine eigene Wohnung.

Es gibt viel zu wenige hilfsbereite Mitmenschen wird oftmals behauptet - aber stimmt das auch wirklich? In Göttingen jedenfalls scheint das offenbar nicht der Fall zu sein, was das nachfolgende Beispiel wieder einmal belegt. Es war das Portmonee eines 55 Jahre alten Mannes aus der Gemeinde Gleichen, das im September gründlich mit diesem Vorurteil aufräumen sollte. Seine alte Geldbörse hatte ihm wirklich treue Dienste geleistet, doch jetzt hatte sie ausgedient und war es Zeit für einen Abschied. Ein Mülleimer am Markt schien hierfür bestens geeignet. Doch die geplante Trennung "für immer" währte nicht lange. Ein hilfsbereiter Göttinger Bürger fand die schwarze Börse, nahm sie aus dem Mülleimer und klemmte sie an einen Funkstreifenwagen der benachbarten Innenstadtwache. Hier wurde sie von einem der Beamten gefunden. In der Annahme es handele sich um eine "Fundsache", nahm der Polizist natürlich sofort die intensiven Ermittlungen nach dem Eigentümer auf - mit Erfolg. Auch schön: obwohl sich der Gleichener gedanklich bestimmt schon endgültig von seiner "alten" verabschiedet hatte, kehrte er doch noch einmal nach Göttingen zurück, um die Geldbörse bei der Innenstadtwache abzuholen. Ob er es ein zweites Mal versucht hat, sie loszuwerden?

Geld allein macht nicht glücklich - zumindest nicht, wenn es nicht "echt" ist. Schmerzlich erfahren musste das im September ein 37 Jahre alter Göttinger. Auf einem Bürgersteig an der Kasseler Landstraße fand der Mann zwei zerrissene Hunderteuroscheine und hob sie auf. Er klebte die beiden Geldscheine wieder gründlich zusammen und ging damit zu einer Bankfiliale in der Prinzenstraße. Eintauschen gegen zwei "unversehrte 100er" wollte man ihm die beiden Blüten hier aber nicht. Stattdessen informierte eine Angestellte die Polizei. Die Beamten beschlagnahmten die beiden Scheine und leiteten ein Ermittlungsverfahren gegen den 37-Jährigen ein.

Irgendwie "sich selbst überführt" hat sich im November ein 44 Jahre alter mutmaßlicher Einbrecher in der Güterbahnhofstraße. Beim Versuch, in ein Geschäft einzusteigen, blieb der alkoholisierte Mann genau in dem Loch stecken, das er selbst zuvor in die Glastür geschlagen hatte und ihn eigentlich ins Ladeninnere bringen sollte. Ein Lastwagen-Fahrer beobachtete das Treiben des Mannes und rief die Polizei. Die konnte den 44-Jährigen - auch dank seiner guten "Mitarbeit" - noch am Tatort festnehmen.

Mit einem internationalen Fall musste sich die Göttinger Autobahnpolizei im November beschäftigen. Wegen unerlaubten Überholens und überhöhter Geschwindigkeit stoppte eine Streife auf der A 7 bei Göttingen einen in Dänemark zugelassenen Sprinter mit Anhänger. Im Fahrzeug  saßen ein türkischer Staatsbürger und sein vierjähriger Sohn. Beide waren auf dem Heimweg von der Türkei nach Dänemark. Als die Polizei das Fahrzeug anhielt, waren Vater und Sohn bereits seit vier Tagen unterwegs. Während der anschließenden Kontrolle stellte sich heraus, dass der Mann rund drei Tonnen Lebensmittel, darunter Zitrusfrüchte (Foto), Oliven, Granatäpfel, Käse, Fleisch und mehrere hundert Liter Oliven- und Kastanienöl unverzollt aus der Türkei in die EU eingeführt hatte. Sein Gespann war zudem um 23 Prozent überladen.

Das alles sollte für den Familienvater leider nicht gut ausgehen. Die lebensmittelrechtliche Kontrolle durch Beamte des Landkreises Göttingen ergab außerdem, dass der Käse und das Fleisch aus seuchenrechtlichen Bestimmungen nicht auf diesem Wege hätten eingeführt werden dürfen. Käse, Fleisch sowie die über 600 Liter Öle mussten der Vernichtung zugeführt werden. Die mobile Kontrollgruppe des Zolls erhob außerdem nachträglich Zollgebühren von über 980 Euro.

Den vermutlich letzten kuriosen Einsatz des Jahres 2012 gab es in der Nacht zum 27. Dezember. Aus der Geldkassette einer Autovermietung an der Kasseler Landstraße haben Unbekannte in dieser Nacht bei einem Einbruch Bargeld in noch unbekannter Höhe gestohlen - zumindest gehen die Diebe davon aus. Vielleicht hätten sie doch besser das Licht im Büro einschalten sollen, denn bei der gestohlenen "Knete" handelt es sich leider nur Kopien von echten Geldscheinen.

ots

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