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Göttingen Klingebiel-Zelle Thema im Landtag
Die Region Göttingen Klingebiel-Zelle Thema im Landtag
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21:00 14.01.2018
Die Kopie der Zelle. Quelle: Alciro Theodoro Da Silva
Göttingen

Die Zukunft der Klingebiel-Zelle ist weiter unklar. Jetzt macht die Göttinger SPD-Abgeordnete Gabriele Andretta das Kunstwerk zum Thema im niedersächsischen Landtag. Sie möchte wissen: „Welche Optionen mit welchem Ergebnis wurden geprüft, um den dauerhaften Erhalt der Klingebiel-Zelle in Göttingen sicherzustellen und sie öffentlich zugänglich zu machen?”

Die Klingebiel-Zelle oder auch „Zelle Nr. 117” befindet sich im sogenannten „Festen Haus“ auf dem Gelände des ehemaligen Landeskrankenhauses am Rosdorfer Weg. Das Gebäude steht seit mehr als zwei Jahren leer. Der Raum ist nach dem Insassen Julius Klingebiel benannt, der die Wände seiner Zelle in den 50er-Jahren komplett bemalt hat. Die Zelle steht seit 2012 unter Denkmalschutz, sie gilt als ein weltweit einzigartiges Kunstwerk der Outsider-art, der Kunst psychisch besonderer Menschen. Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren darüber diskutiert, was mit der Zelle geschieht, wenn das alte Gebäude aufgegeben wird.

„Seit Schließung des alten Festen Hauses im Jahr 2015 stellt sich die Frage nach dem Verbleib der Klingebiel-Zelle und der Nachnutzung des Festen Hauses”, so Andretta. Die Zelle ist bis heute öffentlich nicht zugänglich, lediglich eine Kopie ist von Zeit zu Zeit im Museum der Asklepios-Klinik auf dem Leineberg zu besichtigen (Anmeldungen unter poststelle.goettingen@asklepios.com). Vor Jahren gab es Diskussionen darüber, ob die Original-Zelle in Hannover, im Sprengelmuseum ausgestellt werden soll. Zuständig für die Zelle ist das Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften, da das Gebäude im Besitz des Landes Niedersachsens ist. „Zur Zeit wird der endgültige Verbleib der Klingebiel-Zelle in dem Gebäude geprüft“, sagt Antje Tiede, Pressesprecherin des Finanzministeriums. Das Gebäude werde aber im Hinblick auf den Erhalt der Klingebiel-Zelle gewartet und teilweise beheizt. Der Zustand der Zelle unterliege „einem regelmäßigen Monitoring durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege“.

Andretta fragt auch: „Welche Pläne verfolgt die Landesregierung bezogen auf die Nachnutzung des alten Festen Hauses?” und „Inwieweit werden die Pläne der Liegenschaftsverwaltung zur künftigen Verwendung des alten Festen Hauses und der Verbleib der Klingebiel-Zelle mit der Stadt Göttingen abgestimmt”.

Der Rat der Stadt Göttingen hatte im Juli 2015 einstimmig beschlossen, dass die Zelle in Göttingen bleiben soll. Andretta meint: „Wegen seiner Einzigartigkeit sollte dieses Kunstwerk für die Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar sein. Die Zelle ist zugleich ein beeindruckendes Zeitzeugnis der 150-jährigen Geschichte der Psychiatrie in Göttingen.” Denn es war der Göttinger Psychiater Gottfried Ewald, Leiter der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt, der den psychisch kranken Klingebiel vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten schützte. „Aufgrund der engen Verbindung zwischen dem Künstler, seinem Exponat und der Göttinger Psychiatriegeschichte sollte die Zelle auch in Göttingen verbleiben. Ich bin gespannt auf die Pläne der Landesregierung“, sagt Andretta. Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) bestätigte: „Unsere Ziele sind unverändert: Die Klingebiel-Zelle bleibt erhalten, in Göttingen und öffentlich zugänglich.“ Andrettas Anfrage begrüße er . Die Erörterung im Landtag sei eine gute Chance, die Gespräche zu dem Thema nun auch mit der neuen Landesregierung fortzusetzen.

„Verwahrungshaus für Geisteskranke der Provinz Hannover

Der Schlosser Julius Klingebiel (1904-1965) war von 1947 bis 1959 als Psychiatrie-Patient gefangen. 1950 begann er mit einfachen Materialien auf seiner Zellenwand künstlerisch zu arbeiten. Er galt als zeitweilig verwirrt und lebte ganz in seiner Bilderwelt. Dank der Aufmerksamkeit von Ärzten und Pflegern wurde die Zelle Nr. 117 nach Klingebiels Auszug nicht mehr dauerhaft belegt, so dass die Malereien vollständig erhalten blieben. Die beeindruckenden Bilder zeigen Tiere, Landschaften, Porträts, Phantasiegebilde aber auch ein Hakenkreuz. Das Gebäude mit der Klingebiel-Zelle wurde 1909 als „Verwahrungshaus für Geisteskranke der Provinz Hannover“ errichtet. Im Gegensatz zur Zelle steht es nicht unter Denkmalschutz.

Von Britta Bielefeld

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