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Göttingen Knöllchen für Falschparker am Rosdorfer Baggersee
Die Region Göttingen Knöllchen für Falschparker am Rosdorfer Baggersee
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19:33 20.07.2014
Einsatz des Rosdorfer Ordnungsamtes am See: Jörg Kaufmann und Katharina Friedrichs verteilen Knöllchen an Falschparker. Quelle: Heller
Rosdorf/Friedland

So auch am vergangenen Hitze-Wochenende. Neben der Polizei Friedland kontrollierte erstmals auch die Gemeinde Rosdorf vor Ort.

Das Ergebnis: Allein die Polizei Friedland verteilte von Freitag bis Sonntag rund um den See 312 Knöllchen (zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2013 waren es rund 400). Ein gutes Dutzend steuerte die Gemeinde Rosdorf am Sonnabend bei. Jede Anzeige ist mit einem Verwarngeld von 15 bis 20 Euro verbunden.

Vor allem die Zufahrt zum See südöstlich von Rosdorf ist betroffen. Trotz absoluten Halteverbots wird dort geparkt, sogar beidseitig. Dabei gibt es 100 Meter weiter, am alten Bahnhof, durchaus Parkmöglichkeiten. Das interessiert aber anscheinend niemanden.

„Strafzettel durch drei geteilt“

Dieses Problem zeigte sich auch beim Einsatz des Rosdorfer Ordnungsamtes am Sonnabend. Chef Jörg Kaufmann und Mitarbeiterin Katharina Friedrichs verteilten daher einige Knöllchen. Zudem wiesen sie ankommende Autofahrer freundlich auf das Parkverbot hin – die dann auch woanders parkten.

So auch eine Gruppe junger Frauen. Sie wüssten wie wohl die meisten, dass es ein Parkverbot am See gebe. „Aber ob man nun Eintritt im Freibad zahlt oder den Strafzettel durch drei teilt, ist doch egal“, sagte eine der Frauen.

Auch die Friedländer Polizei gehe gegen Falschparker rund um den See „rigoros“ vor, sagt der Leiter der Polizeistation Friedland, Axel Kerschnitzki. „Die Verkehrszeichen sind alle eindeutig“, sie würden aber ständig ignoriert. „Da kommt kein Rettungswagen durch, das geht nicht.“ Die Polizei wolle niemandem den Badespaß verderben. „Aber es kommt immer wieder zu Behinderungen der Landwirtschaft und anderer.“

„Verboten ist verboten – aus gutem Grund“

Die Gemeinde Friedland hat ihre Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit erneuert. Insbesondere „das naturnahe Baden“ im Kiessee Rosdorf, so eine Vorlage in der jüngsten Ratssitzung, solle dadurch unterbunden werden. Jetzt heißt es kompromisslos: „Das Baden in öffentlichen Gewässern (...) im Gemeindegebiet Friedland ist verboten“.Zuwiderhandlungen werden als Ordnungswidrigkeit geahndet und mit Geldbußen von bis zu 5000 Euro belegt.

Die neue Verordnung zielt darauf ab, das Baden an den Rosdorfer Kiesteichen gänzlich zu verhindern. Die befinden sich nämlich noch auf Friedländer Gemeindegebiet.

Zu der neuen Satzung ist die Gemeinde regelrecht gedrängt worden. Den Anlass gab die Badegewässerverordnung der Europäischen Union. Danach müssen die zuständigen Landkreise bei Badegewässern regelmäßige Gewässergüte-Kontrollen vornehmen.

Baden verboten

Das niedersächsische Umweltministerium war auf einer Übersicht von Badegewässern auch auf den Rosdorfer Kiessee gestoßen, in dem es sich danach trefflich baden lasse. Die Ministeriellen fragten am 6. Juni beim Landkreis an, wo denn der Gewässergütebericht sei und ob das Baden in dem See wirklich erlaubt sei.

Darauf forderte das Umweltamt die Gemeinde auf, per Satzung das Baden zu verbieten. Parallel sollten Stadt und Gemeinde Rosdorf das Parken der Badenden unterbinden.

Im Gemeinderat dann sahen einige Politiker die Sache als Formalie an, sozusagen nur aus Haftungsgründen. Ansonsten könne man doch ein Auge zudrücken. Es sei doch immer dort gebadet worden. Dem widersprach Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) energisch: „Verboten ist verboten. Und das aus gutem Grund.“

„Nackt natürlich“

Denn der Kiesabbau werde noch betrieben, Abbaugeräte und Stahltrassen im Wasser sowie ein sich ständig ändernder Untergrund machten den See extrem gefährlich. Warum er denn dann nicht eingezäunt werde und der Eigentümer das Baden verhindert, wollten einige Ratsherren wissen.

Weil der See im Überschwemmungsgebiet der Leine liegt und jeder Bau, auch ein einfacher Zaun, bei Hochwasser die Leine stauen könnte. Zaunbau muss also unterbleiben. Es helfe nur das Verbot. Und was sei mit „naturnahem Baden“ gemeint? „Nackt natürlich“, lautete die Antwort.

Von Andreas Fuhrmann und Jürgen Gückel

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