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Göttingen Verliebte Tomaten und süße Äpfel
Die Region Göttingen Verliebte Tomaten und süße Äpfel
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17:00 28.09.2018
Dieses Jahr haben die Äpfel einen hohen Zuckergehalt. Quelle: Anke Weber
Region

Abgesehen von ein paar Tomaten habe ich dieses Jahr nichts angepflanzt. Trotzdem ernte ich schon seit Wochen pausenlos. Da sind zum Beispiel die Zwetschen. Um die musste ich mich gar nicht kümmern. Sie fallen mir einfach vor die Küchentür. Dort steht nämlich ein Zwetschenbaum. Er hat mich schon reich mit Früchten beschenkt. Jeden Vormittag, wenn ich ein paar Zwetschen für mein Obst-Frühstück sammle, frage ich mich, wer den Baum wohl gepflanzt hat und schicke ein dankbares Lächeln ins Irgendwo. Die gleiche Ernte-Freude spendet auch die nahegelegene Apfel-Allee. Dort sind aktuell viele Apfelbeißer unterwegs. Sie fahren meist Autos oder Fahrräder mit Anhängern und sind mit Obstpflückern und Teleskop-Stielen bewaffnet. Ich selbst habe mich im Laufe der Jahre schon zu meinem Lieblingsbaum durchgebissen. Andere Menschen scheinen noch auf der Suche zu sein. Bevor sie mit der Ernte und dem anschließenden Backen oder Mosten beginnen, machen sie sich per Biss mit dem Apfelbaum bekannt, um herauszufinden, ob seine Früchte nicht zu süß, sauer, mehlig oder hart sind.

Anke Weber Quelle: R

Bei so einer Apfelprobe am Straßenrand kommt man wunderbar ins Gespräch. Neulich habe ich eine Frau getroffen, die früher mal in der Nähe gewohnt hat und jetzt jedes Jahr ihren Lieblings-Apfelbaum besucht. Erstaunlich, wieviele Kilometer Menschen fahren, um einen Eimer Äpfel aus dem Gras zu sammeln. Bei einem anderen Gespräch unter Apfelbeißern habe ich erfahren, dass die Äpfel dieses Jahr Hitzestress hatten. Deshalb haben sie noch vor der Reife einen Teil ihrer Früchte abgeworfen. Süß waren die Äpfel trotzdem schon. Was wiederum an der dauerhaften Sonneneinstrahlung lag, die gleichzeitig für den blöden Hitzestress verantwortlich war. Jedenfalls enthält ein Liter Apfelsaft in diesem Jahr etwa zehn Gramm mehr Zucker. Wurde mir in der Mosterei erzählt. Geschmeckt habe ich es auch, als ich den ersten heißen Apfelsaft unserer eigenen Äpfel noch vor Ort direkt aus der Presse getrunken habe. Was für eine wunderbare Ernte.

Nur meine restlichen Tomaten sind noch grün. Ich lege sie jetzt neben reife Äpfel. Angeblich werden sie dann rot wie verliebte Teenager. Sollten sich meine Tomaten nicht in die Äpfel verlieben, mache ich sie zu Saatgut-Spendern und verwende ihre Kerne. Nach der Saison ist schließlich vor der Saison. Aber bis es nächstes Jahr soweit ist, genieße ich erstmal den Likör, den ich mit Zwetschenkernen angesetzt habe, die Tomatensoße, die meine Tochter eingekocht hat, und den Saft, den wir aus unseren Garten-Äpfeln gemostet haben. Und dann feiere ich den ganzen Winter lang Erntedankfest.

Info: Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author

facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin

Von Anke Weber

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