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Göttingen Wespen-Sommer
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20:00 31.08.2018
Harmloses Insekt oder stechendes Biest? Wespen sind in diesem Sommer überall. Quelle: Foto: Weber
Göttingen

Das war mir als Kind bereits sympathisch. Damals brachten mich Spinnen noch zum Schreien. Mittlerweile habe ich mir derartige Ausbrüche abgewöhnt. Schockversteift, stumm und heldenhaft fange ich diese ungeliebten Tiere heutzutage und trage sie in den Garten. Erwachsene, die beim Anblick einer Spinne in Panik ausbrechen, sind einfach uncool. Ebenso wie Erwachsene, die angesichts einer Wespe wild mit den Armen wedeln, vom Tisch aufspringen, Gläser umreißen und dabei in weinerlich-hysterische Stimmlagen verfallen. Erst kürzlich habe ich im Außenbereich eines Cafés eine junge Frau völlig ausrasten sehen. Ihr Geschrei und Herumgehüpfe wirkte wie absurdes Theater. Minutenlang stand sie im peinlichen Mittelpunkt. Allerdings war das Wespen-Aufkommen auch extrem hoch und für Menschen mit einer Aversion gegen diese Insekten definitiv die Wahrwerdung ihrer Kopf-Horror-Filme. Mein innerer Emotions-Katalog öffnete trotzdem nur seine schlechtesten Seiten. Mit der Verachtung einer nie zuvor Gestochenen, sah ich dem Schauspiel zu, wartete, bis eine Wespe mit dem Stück Kuchen, das ich mir gerade in den Mund schieben wollte, fertig war, legte einen Bierdeckel auf meine Kaffeetasse und dachte schlimme Sachen über die hysterische Frau.

Ähnliches konnte mir selbst natürlich nicht passieren. Auch nicht, als eine Wespe sekundenlang auf meiner Oberlippe verharrte. Unter den anerkennenden Blicken der Anwesenden ertrug ich ihren Aufenthalt auf meinem Mund ohne mit der Wimper zu zucken. In diesem Zusammenhang erwähnte ich gerne nochmals mein Unverständnis bezüglich der Wespen-Hysteriker. Auch auf einer Feier strahlte ich unerschütterliche Gelassenheit aus, obwohl Scharen von Wespen um mich und die anderen Gäste schwirrten. Na und? Die tun doch nichts. Nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Sagte ich noch, während ich in meiner weiten Hose an einem Stehtisch stand. Offenbar lange genug für eine Wespe, um sich in meinem Hosenbein zu verirren. Als ich mich in Bewegung setzte, spürte ich einen stechenden Schmerz am Oberschenkel. Die Ursache war mir sofort klar – eine Wespe hatte sich zwischen Stoff und Bein unwohl gefühlt. Es gab nur eine Möglichkeit, das Insekt aus dieser Drohkulisse zu befreien. Und deshalb stand ich im nächsten Moment mit heruntergelassener Hose zwischen all den anderen Gästen. Der unglücklichen Protagonistin in einer lächerlich peinlichen Film-Szene gleich. Das war sowas von uncool.

Info: Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author

facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin

Von Anke Weber

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