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Göttingen Mogelpackung
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15:05 09.11.2018
Leuchtende Zeichnung wie ein Schmetterling. Quelle: Weber
Göttingen

Neulich habe ich einen schönen Schmetterling gesehen. Im November. Die Zeichnung seiner Flügel irritierte mich. Sie passte nicht ganz in das Muster mir vertrauter Schmetterlinge. Ich aktivierte den Foto-Modus auf meinem Handy und näherte mich vorsichtig, denn Schmetterlinge flattern oft davon, bevor man den Auslöser gedrückt hat. Dieser Schmetterling blieb. Während ich ihn fokussierte, erkannte ich den Grund. Er war quasi ein Fake-Schmetterling. Ein Laubblatt, das in seiner herbstlichen Färbung einem Falter glich und, einem lebendigen Wesen ähnlich, im leichten Wind ein wenig zitterte.

Anke Weber Quelle: R

Die Natur hat mir schon oft etwas vorgegaukelt. So entpuppte sich einmal ein stattlicher Dammhirsch im Nebel beim Näherkommen als abgebrochener Baum. Auch andere Menschen sind vor diesem Phänomen nicht gefeit. Ein Jäger hielt meinen Doggen-Rüden aus der Ferne für ein Wildschwein. Lediglich die athletischen Bewegungen des Hundes ließen den Mann den Unterschied bemerken. Seitdem meide ich Hundespaziergänge in der Dämmerung. Neben diesen absichtslosen Täuschungen hält die Natur aber auch raffinierte Tricks bereit, mit denen sie Tier und Mensch ganz gezielt in die Irre führt. Harmlose Schwebfliegen sehen Wespen zum Verwechseln ähnlich, um gefährlich zu wirken. Veränderliche Krabbenspinnen passen sich farblich der Blüte an, auf der sie ihrer Beute auflauern. Sie nehmen die Blütenfarbstoffe auf, um so – Hokuspokus – wahlweise gelb, weiß oder grün zu erscheinen. Eine effektive Tarnung. Täuschungs-Sieger ist jedoch der Kuckuck. Er produziert exakt die Eierfarbe, die dem Gelege der Vögel gleicht, denen er seine Mogelpackung ins Nest legt. Ein wahrer Fake-Meister, über dessen Opfer sich der Mensch gerne lustig macht.

Quelle: Reyer

Dabei fällt der Mensch doch selbst zuweilen auf Fälschungen herein. Besonders im Internet liegen falsche Infos wie Kuckucks-Eier herum. Sie tarnen sich als News. Sind aber nur Fake. Im Gegensatz zu den früher als Zeitungsenten bezeichneten und versehentlich veröffentlichten Meldungen, werden sie ganz absichtlich verfasst und gestreut, um ihre Empfänger zu bestimmten Schlussfolgerungen kommen zu lassen. Aber wieso nimmt der Mensch sie so leichtfertig hin? Wo die Natur ihre Bewohner doch seit jeher lehrt, dass nicht alles das ist, wonach es aussieht. Ein Stöckchen kann überraschend als Raupe davoneilen, aus dem vermeintlichen Ei einer Bachstelze ein Kuckuck schlüpfen. Und ein schillernder Schmetterling kann sich als gewöhnliches Blatt entpuppen. Man kann weitereilen und dem ersten füchtigen Eindruck Glauben schenken. Aber man kann auch ein paar Schritte nähertreten und richtig hinsehen. Dann zeigt sich die Wahrheit. Und nichts als die Wahrheit.

Info: Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author

facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin

Von Anke Weber

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