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20:28 04.01.2019
Auf dem Weihnachtsmarkt in Osnabrück steht ein Kinderkarussell. Quelle: dpa
Göttingen

5. Januar – das Jahr zieht sich aber auch. Dabei haben wir dem neuen Jahr bereits wunderbare Geschichten zu verdanken:

Einen Aufschrei der Empörung gab’s in Osnabrück. Dort hieß es zu Wochenbeginn, dass bei Kinderkarussells in der Stadt künftig nur noch Modelle von Fahrrädern, Nutztieren, Kutschen und Fahrzeugen des öffentlichen Nahverkehrs zum Einsatz kommen sollten, aber keinesfalls mehr Miniaturen des „motorisierten Individualverkehrs“. Das sei ja schließlich ein Konzept von vorgestern. Das alles, hieß es in Osnabrück, habe der Fachbereich Umwelt und Klimaschutz der Kommunalverwaltung verfügt. Klingt gaga, wäre aber denkbar. In einem Land, das praktisch im Kernstadtbereich Hamburgs Mittelzentren in Form von Kreuzfahrtschiffen dampfen lässt und zwei Straßen weiter Haltern von Diesel-Pkw die Durchfahrt verbietet, hielte ich das nicht für ausgeschlossen.

Tatsächlich war die Geschichte ein Beispiel gelungener Irreführung. Erschienen war der Text auf der Satireseite einer Zeitung, und der richtige Ausriss – der das Ganze wirken ließ wie einen Nachrichtentext – im Internet veröffentlicht, hat zu wunderbaren Reaktionen geführt. Schönste Erkenntnis: Viele Menschen hätten solch eine Vorgabe zwar für bekloppt, aber realistisch gehalten. Denken wir im Stillen mal kurz darüber nach, was das über uns aussagt – und warten, wie lange es dauert, bis das Gefühl der Beklommenheit wieder weicht.

Stellvertretender Tageblatt-Chefredakteur, Christoph Oppermann. Quelle: Christina Hinzmann

Ähnlich aufrüttelnd war eine Geschichte der „Süddeutschen“ unter dem Titel „Das Pferd als Klimasünder“. Darin hieß es, dass ein Schweizer Unternehmen die Umweltbilanzen unterschiedlicher Haustiere ermittelt hat. Schlecht kommen dabei offenbar die Zossen weg, deren individuelle Jahresumweltbelastungen einer 21 500 Kilometer langen Autofahrt entsprechen. Was wollen mir die Ökochecker aus den Alpen damit sagen? Lieber die 21 500 Kilometer reiten und das Auto abschaffen? Sieht doch blöd aus, wenn ich zum Kippen kaufen am Kiosk erst mein Pferd anbinden muss. Bin ich John Wayne? Soll ich den eigenen Hund verspeisen, wie es der Buchtitel („Time to eat the dog?“), unter dem diese Erkenntnisse veröffentlicht sind, anregt? Als Hotdog?

Sie erreichen den Autor unter E-Mail:c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter:@tooppermann

Facebook: @christoph.oppermann

Von Christoph Oppermann

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