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Göttingen Kastanien-Liebe
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20:49 05.10.2018
Unerklärliche Freude beim Anblick frisch aufgeplatzter Kastanien. Quelle: Anke Weber
Göttingen

Im Herbst kann ich an keinem Kastanienbaum vorbeigehen, ohne eine seiner frisch auf die Erde gefallenen braunen Früchte aus ihrer stacheligen Hülle zu pulen. Dann befühle ich die glatte Oberfläche der Kastanie und finde es irgendwie toll. Es ist wie ein Reflex, den ich nicht unterdrücken kann. Bis heute rätsele ich, was es damit auf sich hat. Ist es die Handschmeichler-Wirkung? Oder eine Kindheits-Prägung? Dass Kastanien in der Hosentasche gesund sein sollen, fand ich früher lustig.

Heilende Wirkung der Kastanie

Inzwischen weiß ich, dass die heilende Wirkung der Kastanie nicht nur Gerede war. Denn die Samen, also das, was ich so gerne sammele, enthalten einen Wirkstoff, der die Venen stärkt und zum Beispiel bei Krampfadern angewendet wird. Außerdem sollen Kastanien gut gegen Rheuma sein. Sie in der Hand kreisen zu lassen, macht die Finger beweglicher, und die Reibungswärme wirkt schmerzlindernd. Durch meine Hände sind schon so viele Kastanien gegangen, dass ich vermutlich lebenslangen Rheuma-Schutz genieße. Krampfadern machen mir auch keine Probleme. Also was soll ich mit den Kastanien anfangen, die ich ständig aufhebe? In meiner Kindheit war der Nutzen von Kastanien klar definiert – die Früchte existierten ausschließlich, um Löcher in ihre Rundungen zu bohren und Streichhölzer hineinzustecken. Oder um sich Geld beim Förster zu verdienen, der die Kastanien zur Fütterung der Wald-tiere verwendete. Heute bin ich weder an schrumpelnden Kastanienmännchen noch an einer Existenzgründung durch Kastanienverkauf interessiert. Allerdings gehören Rosskastanien zu den Seifenbaumgewächsen. Schon dieses Wort beantwortet eigentlich sämtliche Fragen. Man kann aus Kastanien Seife machen und damit Wäsche waschen. Oder sich selbst. Das Rezept für ein Vollbad ist überschaubar: Ein Kilo Rosskastanien über Nacht in fünf Liter Wasser einweichen. Kurz vor der Anwendung alles aufkochen, eine halbe Stunde lang köcheln lassen und durch ein Sieb gießen. Fertig ist der Badezusatz. Etwas komplizierter ist die Zubereitung von Duschgel oder Zahnpasta.

Kastanien im Feuer

Sollte ich daran verzweifeln, gibt es noch die Möglichkeit, die Kastanien ins Feuer zu werfen. Das machen die Kinder in Bad Hersfeld in Hessen beim sogenannten Lullusfest. Einen echten Zweck hat dieser Brauch wohl kaum. Aber wenn die Kastanien in der Glut zerplatzen, erzeugen sie ein wunderbares Geräusch. Quasi Herbst-Ästhetik für die Ohren. Ein sinnbefreiter Akt, der mich wieder den wahren Nutzen der Kastanie erkennen lässt. Kastanien machen einfach Spaß. Und diesen Spaß kann man direkt vom Straßenrand sammeln.

Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de und unter Facebook: https//: www.facebook.com/ankeweber

Von Anke Weber

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