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Göttingen Kontroverse Diskussion um Dorfzentrum
Die Region Göttingen Kontroverse Diskussion um Dorfzentrum
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21:11 13.02.2012
Was wird aus dem Gelände der alten Gärtnerei? Der Ortsrat könnte sich ein Zentrum mit altengerechtem Wohnen vorstellen. Quelle: Pförtner
Niedernjesa

Dennoch möchten die Politiker für den Fall der Fälle gerüstet sein und überlegen, wie das Grundstück am besten zu nutzen wäre. Die Grünen haben vorgeschlagen, dort in Zusammenarbeit mit einem Investor eine Art Dorfzentrum bauen zu lassen (Tageblatt berichtete). Das Ansinnen – wie auch die Intervention einer Geschäftsinhaberin – wurde vor mehr als 30 Zuhörern kontrovers diskutiert.

Von einer „großen Chance“ sprach Wolfgang Meier-Andres (Grüne). Seine Idee: Einen Investor zu suchen, der in der Mitte des Dorfes ein neues Zentrum gestalten könnte mit altengerechten Wohnungen, Café, Weinstube oder anderen Treffpunkten und Dienstleistern. Auf diesem Weg könne man Niedernjesa „von einem Schlafdorf in ein attraktives, lebenswertes Dorf verwandeln“.

Was das altengerechte Wohnen angehe, „da bin ich bei Ihnen“, sagte Ortsbürgermeister Jürgen Rozeck (SPD). Doch dafür sei das Grundstück zu schade. Hier könnten vielmehr weitere Bauplätze für junge Familien geschaffen werden. Mit der Einrichtung einer Weinstube oder eines Cafés habe er Schwierigkeiten. Im Dorf halte sich ja noch nicht einmal eine Kneipe, sagte Rozeck. Außerdem habe sich Katja Thiele-Hann, Inhaberin der Bäckerei Thiele, die eine Filiale an der Hauptstraße betreibt, in einem Brief an den Ortsrat gewandt.

In dem Schreiben, das dem Tageblatt vorliegt, teilt Thiele-Hann mit, dass sie die Überlegungen zur „Steigerung der Attraktivität des Ortskerns“ zwar ausdrücklich begrüße. „Wir möchten Sie jedoch bitten, bei der Prüfung des Vorhabens auch unsere Belange als Anlieger zu berücksichtigen. Sollte es in Folge der Verwirklichung des Cafés zu einem Umsatzrückgang in unserer Filiale kommen, müssten wir uns leider aus wirtschaftlichen Gründen aus Niedernjesa zurückziehen.“

„Wenn Frau Thiele-Hann das nicht passt, soll sie gehen“, sagte Steffen Seliger (Wählergemeinschaft). „So funktioniert Wirtschaft.“ Man habe ja dann ein anderes Café. Meier-Andres nannte den Brief gar eine „indirekte Drohung“. „Das sind Argumente – da kann ich nur drüber lächeln.“
Wieder angekommen beim eigentlichen Thema betonte Seliger, dass altengerechtes Wohnen für Niedernjesa in jedem Fall eine Bereicherung sei. „Daraus könnte etwas erwachsen. Aber nur dann, wenn wir ein attraktives Grundstück haben. Sonst kommt kein Investor.“

Jetzt müsse geprüft werden, ob es eine Nachfrage gebe. Die Idee eines Dorfzentrums findet auch Alexander Frey (SPD) vernünftig. „Alte und junge Leute könnten dort zusammen wohnen“, sagte er. Und wenn ein Interessent in eine solche Anlage investieren wolle, spreche nichts dagegen. „Wir müssen uns jetzt aber überlegen, was wir wollen.“ Altengerechtes Wohnen sei auf jeden Fall eine Option, da herrschte im Ortsrat letztlich Einigkeit. Zudem wollen sich die Politiker von einem Experten beraten lassen.

Die Bürger forderten, mit dem Thema sensibel umzugehen. „Was da gebaut wird, prägt dieses Dorf“, sagte ein Zuhörer. Einfamilienhäuser seien tabu. Eine Bürgerin schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Ein anderer mahnte hingegen zur Vorsicht: „Wird hier eine Hoffnung geweckt, die es gar nicht gibt?“ Die nächsten Wochen werden es zeigen.

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