Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Koordinationsprobleme schon mit wenig Promille
Die Region Göttingen Koordinationsprobleme schon mit wenig Promille
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:56 17.05.2017
Beim Trinken von Alkohol wird in unserer Gesellschaft, auch in Göttingen, oftmals vergessen, dass es sich bei Alkohol um eine Droge handelt. Quelle: DPA
Anzeige
Göttingen

Bei den diesjährigen Veranstaltungen stand hierbei besonders das Thema Alkohol im Straßenverkehr im Vordergrund. Unter dem Motto "Darf es ein Glas weniger sein?" gab es am Mittwoch, 17. Mai, auch in der Osthalle des Göttinger Uniklinikums eine Aktion zu dem Thema. Ilona Carl, die Suchtbeauftragte der Uni, hatte sich hierfür erstmals mit der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonieverbandes Göttingen zusammengetan. "Wir möchten die Menschen auf einen bewussten und kritischen Umgang mit Alkohol hinweisen", erklärte Ilona Carl. Denn noch immer sterben in Deutschland 40 000 Menschen aufgrund ihrer Alkoholsucht. Außerdem führe Alkohol am Steuer oftmals zu Unfällen mit Todesfällen. "Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, sollte am besten ganz auf Alkohol verzichtet werden", so Angelika Gläser-Kreis von der Suchtberatungsstelle.

Um die Folgen des Alkoholkonsums für den Körper zu veranschaulichen hatte sie sogenannte Rauschbrillen mitgebracht, die die Interessierten sich aufsetzen konnten um damit einen Parcours zurückzulegen. Hierbei wurde auch aufgezeigt, welcher Promillewert sich wie auf den Körper auswirkt, so waren die Auswirkungen bei der "Restalkohol-Brille" deutlich geringer als bei der 1,3 Promille Rauschbrille. Denn hier sind Koordinationsstörungen so stark, dass die Testpersonen es nicht schafften ein Stück geradeaus zu gehen, sondern dabei immer wieder nach links und rechts schwankten. Und auch nicht in der Lage waren Hütchen aufeinander zu stapeln.

"Das Denken in der Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren verändert, so dass es mittlerweile auch bei Feiern akzeptiert wird, wenn man aufgrund des Autos auf den Verzehr von alkoholischen Getränken verzichtet", so Gläser-Kreis. Die Besucher der Aktion konnte auch gleich selbst ausprobieren, dass zum Beispiel ein Cocktail nicht immer Alkohol enthalten muss um zu schmecken, denn Angelika Gläser-Kreis bereitete für sie verschiedene Cocktails zu, die allen gut schmeckten. "Wichtig ist es den Menschen zu zeigen, dass Alkohol nicht notwendig ist, um Spaß zu haben", sind Ilona Carl und Angelika Gläser-Kreis sich einig. Beim Alkohol im Straßenverkehr sei nicht nur die Eigengefährdung problematisch, sondern vor allem die Fremdgefährdung,  denn wenn ein Autofahrer aufgrund eines Alkoholkonsums zum Beispiel ein Menschenleben auf dem Gewissen habe, dann sei dies eine Schuld, die er nie wieder los werden würde.

Laut Statistik sind etwa fünf Prozent aller Beschäftigen abhängig, dies sei ein Wert, der nicht unterschätzt werden dürfe. Deshalb sei es notwendig, dass Betriebe über eine Suchtvereinbarung verfügen würden. In dieser Vereinbarung solte geregelt sein, dass beim Verdacht auf ein Suchtproblem der entsprechende Mitarbeiter nicht einfach entlasse werde, sondern von der Führungskraft mit ihm das Gespräch gesucht werden soll. Denn der Verlust der Arbeitsstelle sei für den Betroffenen eher ein Grund sich in seine Sucht zu flüchten. "Wenn er aber zunächst einmal hört, dass wenn er sein Problem nicht in den Griff bekommt er seinen Job verliert, ist bei ihm die Motivation sich Hilfe zu holen deutlich größer", so Gläser-Kreis.

Sobald der erste Schritt zur Bekämpfung des Problems erst einmal getan sei, dann sei es für die Süchtigen nach ihrer Erfahrung aus der Beratungsstelle, einfacher wenn sie ihrer Probleme in einer Gruppe besprechen können, als mit ihnen allein zu sein. "Wenn man sieht, dass die Betroffenen es schaffen sich auf ein Leben ohne Alkohol einzustellen, dann lohnt sich unsere Mühle", so die Sozialpädagogin.

Von Vera Wölk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige