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Göttingen Krach aus Verbindungshaus verärgert Anwohner der Leonard-Nelson-Straße
Die Region Göttingen Krach aus Verbindungshaus verärgert Anwohner der Leonard-Nelson-Straße
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00:17 15.12.2013
Bereiten den Anwohnern oft schlaflose Nächte: Veranstaltungen im Haus der Studentenverbindung Lunaburgia. Quelle: Hinzmann
Göttingen

„Ich weiß kaum noch weiter und werde über diese Situation krank. Umziehen will ich nicht mehr in meinem Alter. Die häufigen nächtlichen Auswüchse sind schwer auszuhalten“, beschreibt I.

Gerade zu Beginn des Semesters gebe es in dem Haus, das laut Internetauftritt der Verbindung von drei Männern bewohnt wird, oft lautstarke Veranstaltungen.

Zuletzt sei das Anfang Dezember gewesen: Feuerzangenbowle stand auf dem Programm der Lunaburgia. I.s Vermieterin Brigitte A., die selbst in dem Haus wohnt und ähnlich schlaflose Nächte hat, hat in einem Schreiben an das Ordnungsamt Anfang November sechs Lärmbelästigungen zwischen dem 25. Oktober und 6. November aufgelistet.

Zwischen 23 und 5 Uhr morgens habe es in den Nächten „lauten Gesang und lautes Gegröle“ gegeben, von „Trinkgelagen“ ist die Rede, von „erheblichem Lärm“, „herüber schallenden Bässen“, „umgeworfenen Mülltonnen“, Getöse, „unerträglichen und unhaltbaren Zuständen“, „Gehämmer“ gegen die Eingangstür.

Fahrräder und Möbelstücke herumgeworfen

Auch seien in einer Nacht Fahrräder und Möbelstücke herumgeworfen worden. Das Beweisfoto liefert A. gleich mit. Besucher hätten mit „Gib’ was zu saufen“ lautstark Getränke gefordert. Hinzu kommen weitere Störungen Mitte November und Anfang Dezember.

Für die Juristin A. ist der Fall klar. Wegen Häufung und Dauer der Störungen sei die Stadt zum Handeln verpflichtet. Diese Probleme mit den studentischen Nachbarn sind nicht neu. Seit fast 20 Jahren gehe das in ähnlicher Weise so, sagt A. Immer wieder hat sie sich an Polizei und Ordnungsamt gewandt, hat das persönliche Gespräch mit den Verbindungsstudenten gesucht.

Geändert habe sich nie etwas. Wenn die Polizei nach einiger Zeit eintreffe, sei der Lärm oft schon verebbt. Die Stadt indes verweist darauf, dass sie erst tätig werden kann, wenn die Personalien der Ruhestörer vorliegen. A. wirft der Stadt Untätigkeit vor. „Es ist unbefriedigend immer wieder auf diese Missstände hinzuweisen und nichts passiert“, ergänzt I.

30 Beschwerden im Jahr

Bei Polizei und Stadtverwaltung sind in diesem Jahr rund 30 Beschwerden gegen Studentenverbindungen eingegangen. Anlässe für Beschwerden seien hauptsächlich Ruhestörungen, verursacht durch laute Musik oder Gespräche feiernder Verbindungsangehöriger oder auch lautstarke Besuche von Angehörigen anderer Studentenverbindungen gewesen“, sagt Polizeisprecherin Jasmin Kaatz.

Die Zahlen entsprechen nach Auskunft von Verwaltungssprecher Hartmut Kaiser in etwa den Zahlen der Vorjahre. Für die Leonard-Nelson-Straße liegen für 2013 fünf Beschwerden vor – zusätzlich zu A.s jüngster Beschwerde, in der sie mehrere Vorfälle zusammengefasst hat. Es gebe Verbindungen, die besonders auffällig seien, sagt  Kaiser.

Es habe in der Vergangenheit „zahlreiche Gespräche“ mit den Bewohnern der Verbindungshäusern gegeben. „In einigen Fällen sind Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden“, so Kaiser weiter. Bei Ruhestörungen drohe ein Bußgeld, das bis zu 5000 Euro betragen könne.

Zunächst eine Ermahnung

In der Regel, so erläutert Kaatz, erfolge zunächst eine Ermahnung. Führe das nicht zum Erfolg, werde beim zweiten Einsatz Ordnungswidrigkeitenanzeige gestellt. „Darüber hinaus kommt die vorübergehende Sicherstellung der Geräuschquelle, etwa der Unterhaltungselektronik in Betracht.“

Im Fall der Lunaburgia sei die Stadt „mit  einem Vorstandsmitglied“ des Vereins in Verbindung getreten. Die Stadt habe auf die Einhaltung der Nachtruhe hingewiesen und bei Nichteinhaltung Konsequenzen angekündigt.  Der Vorsitzende des Vereins, Bernd Frittrang aus Coburg, erklärt auf Anfrage gegenüber dem Tageblatt, von den Vorwürfen nichts zu wissen.

Die Verbindungsstudenten der Lunaburgia selbst hüllen sich in Schweigen. Eine Stellungnahme gibt es auf Anfrage nicht. Man werde das „intern“ regeln, sagt Lunaburgia-Student Florian Büker.

„Nicht gewillt, diese permanenten Störungen so hinzunehmen“

Stadt und Polizei arbeiten nach Kaatz’ Angaben eng zusammen. Polizeiliche Feststellungen würden unmittelbar dem Ordnungsamt mitgeteilt. Kaatz führt aus, dass „in bestimmten Einzelfällen Studentenverbindungen von zuständigen Kontaktbeamten aufgesucht wurden, um zur Rücksichtnahme auf Anwohner zu appellieren“.

Inzwischen hat sich auch Manfred Kuhlmann, Leiter des Ordnungsamtes, an I. und A. gewandt. Die Stadt sei „nicht gewillt, diese permanenten Störungen so hinzunehmen“, schreibt Kuhlmann Anfang Dezember an I. Auch ihn ärgere es „ein Stück weit“, dass sich die Situation noch nicht geändert habe – trotz zahlreicher Gespräche mit Vertretern der Verbindung.

Der Eigentümer des Hauses sei auf seine Verantwortung und Pflichten hingewiesen worden. Kuhlmann fordert I. auf, weitere Störungen mitzuteilen und in „Extremfällen“ die Polizei zu rufen, um Personalien feststellen zu können.

Das Thema lärmende Studentenverbindungen steht heute (13.12.2013) auch auf der Tagesordnung des Rates.

Auf Antrag der Linken soll die Verwaltung aufgefordert werden, gemeinsam mit der Polizei, „Rechtsverletzungen wie etwa wiederholte nächtliche Ruhe­störung und die Missachtung von Privateigentum mit allen ­gebotenen Mitteln zu unterbinden“, heißt es darin.

Beginn der Sitzung ist um 16 Uhr im Neuen Rathaus.

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