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Göttingen Kritik an Asklepios-Kurs geht weiter
Die Region Göttingen Kritik an Asklepios-Kurs geht weiter
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18:55 22.03.2013
Hier hängt der Haussegen ebenso schief wie in Tiefenbrunn: Asklepios-Klinik am Rosdorfer Weg. Quelle: Hinzmann
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Göttingen/Hannover

Dies sei nicht nur in den ehemaligen Göttinger Landeskrankenhäusern zu beobachten, „sondern markiert eines der Grundprobleme des Privatisierungsfurors im Gesundheitswesen“.

Streeck kritisiert darüber hinaus den Umgang des Konzerns mit seinen Beschäftigten: „Therapeutische Mitarbeiter, die sich dem Diktat der Ökonomie nicht klaglos beugen, gehen ein hohes Risiko ein.“ Die Schließung der Bewegungsbäder in den Göttinger Kliniken sieht Streeck als äußerst problematisch an:

„Zumindest das Bewegungsbad in der Klinik Tiefenbrunn wurde bislang gezielt als spezialisierte bewegungstherapeutische Einrichtung für spezifische Patientengruppen genutzt, in der die Patienten in der Zusammenarbeit mit und unter Anleitung von qualifiziert ausgebildetem therapeutischen Personal in einem vertrauten, öffentlichen Blicken entzogenen Rahmen mit besonderen, anders nicht zu realisierenden psychosomatisch effektiven Mitteln behandelt werden konnten.“

Die Schließung damit zu rechtfertigen, „diese therapeutisch reflektierte und gezielte Arbeit“ werde durch organisierte Besuche im Badeparadies Eiswiese ersetzt, sei „entweder zynisch oder ahnungslos“.

Auch von externen Therapeuten, die mit den Asklepios-Kliniken zusammenarbeiten, kommt Kritik. Die Heiligenstädter Psychotherapeuten Jasmin Höch, Doris Janssen und Dieter Ruck kritisieren in einem Brief ans Tageblatt, sie verfolgten „mit großer Besorgnis die Verschlechterungen der stationären psychiatrischen Versorgung der Patienten seit Übernahme der Landeskrankenhäuser durch die Asklepios-Gruppe“.

Insgesamt werde „zu Lasten einer angemessenen und qualitativ den Leitlinien entsprechenden Patientenversorgung eine nicht mehr zu verantwortende Profitmaximierung betrieben“, im vergangenen Jahr „vorwiegend auf dem Rücken des Pflegepersonals“. Würden auch die befürchteten Entlassungen oder der Verzicht auf die Weiterbeschäftigung befristet tätiger Psychologen und weiteren Personals umgesetzt, „droht aus unserer Sicht die Rückkehr zu einer Verwahr-Psychiatrie, in der die Patienten zwar medikamentös versorgt, aber nicht mehr therapeutisch behandelt werden“.

Eine angemessene therapeutische Behandlung sei durch dafür nicht qualifizierte Kräfte nicht zu leisten. Die Heiligenstädter Psychotherapeuten hoffen nun „auf ein Umdenken der Geschäftsführung von Asklepios“, um das stationäre Angebot der Kliniken weiter nutzen zu können.

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