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Göttingen Anlage mit Risiken
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14:00 09.11.2018
Quelle: imago/Eibner Europa
Göttingen/Bonn

Laut einer Digital-Studie der Postbank vom Sommer dieses Jahres kann sich jeder dritte erwachsene Deutsche zumindest vorstellen, sein Geld in Kryptowährungen anzulegen. Drei Prozent haben es bereits getan.

Kryptowährungen – die bekannteste von ihnen ist der Bitcoin – sind virtuelle Zahlungsmittel, die digital von Computern über zugewiesene Rechenoperationen erzeugt werden. Für Verbraucher sind Konzept und Werthaltigkeit erst einmal nur schwierig greifbar. Dafür sind die Renditechancen vielversprechend: Ende 2017 ging der Bitcoin-Kurs regelrecht durch die Decke. Von Januar bis November stieg der Kurs um das zehnfache, brach danach aber wieder massiv ein. Mehr als 1500 Kryptowährungen gibt es mittlerweile.

„Fatale Selbstüberschätzung“

20 Prozent der Teilnehmer der Postbank-Studie bescheinigten sich ein sehr gutes bis gutes Wissen, bei den 18- bis 34-Jährigen, den sogenannten Digital Natives, sind es sogar rund 30 Prozent. Für den Postbank-Experten Tim Rehkopf eine fatale Selbstüberschätzung: „Unserer Erfahrung nach besteht da eine reelle Gefahr, dass Menschen viel Geld verlieren können, wenn sie in Kryptowährungen investieren. Zum Beispiel wissen nur wenige, dass Gewinne vollständig versteuert werden müssen, wenn sie nicht mindestens ein Jahr lang gehalten werden. Vor allem aber auch das Risiko des Totalverlusts wird hier zu wenig berücksichtigt, was es eben bei klassischen Geldanlageformen so nicht gibt.“

Angesichts der teilweise hohen Renditechancen eine weitere psychologische Gefahr: die Angst, vermeintlich sichere Kursgewinne zu verpassen. Doch die Risiken sind hoch. In Deutschland unterliegen Kryptowährungen keiner staatlichen Regulierung, so dass es keine wirksamen Instrumente gegen Marktmanipulationen gibt. Und es gibt den Selbstverstärkungseffekt: Steigt der Kurs, springen wie beim echten Anlagemarkt auch mehr Kleinanleger in der Hoffnung auf weitere Gewinne auf den fahrenden Zug auf, der sich zunächst in der Regel auch tatsächlich beschleunigt. Doch wenn ein bestimmter Zielkurs erreicht ist, verkaufen Großanleger ihre Anlagen wieder. Die Kurse sinken, und die Kleinanleger haben in dieser Phase das Nachsehen. Wie tief der Kurs dann fallen wird, weiß niemand.

Push and sell

Das Schema ähnelt traditionellen Börsenanlagen: Von Profis Hier wird eine kleinere Kryptowährung mit anfangs niedrigem Volumen gepusht, bis sie zwei-oder dreistellige Wachstumsraten erzielt. Dann wartet der Drahtzieher, bis sich genügend Kleinanleger finden, die bei steigenden Kursen bis zum vorher definierten Höchstkurs einsteigen. Dann wird massiv verkauft und nicht selten parallel dazu noch auf fallende Kurse gewettet. Der Drahtzieher verdient dabei doppelt, der Kleinanleger ist sein Geld zum großen Teil los, weil er nicht schnell genug reagieren kann.

Ein weiteres Problem: Ein erheblicher Anteil der Kryptowährung-Interessenten gehört der Gruppe der sogenannten Digital Natives an. Deren weitverbreitete Social-Media-Gläubigkeit kann dazu führen, dass negative Kommentare nach auch kleineren Kursschwankungen nach unten die Kurse noch rasanter nach unten drücken als ohnehin schon bei einem hochspekulativen Finanzprodukt. Das entsprechende Gegenstück bei dem Streben nach höheren Kursen sind Auftritte von angeblichen Finanzexperten auf Videokanälen wie Youtube („Hier erfahren Sie, warum XY in den kommenden drei Wochen das 120-fache an Wert gewinnt“).

Anlage streuen

Wer das Risiko Investment in Kryptowährungen dennoch eingehen will, sollte nicht in eine einzige Währung investieren, sondern seine Anlage streuen – beispielsweise in reine Kryptowährungen wie den Bitcoin und in solche mit Anwendungen im Hintergrund wie Ethereum oder die Smart Contracts. Unverzichtbar sind dabei Informationen über die einzelnen Währungen – wie sie im einzelnen generiert werden, welchen Manipulationsrisiken sie unterliegen und noch viel mehr, was aber Expertenwissen erfordert. Fazit: Für Amateure sind Kryptowährungen als Geldanlage hochriskant.

Von Matthias Heinzel

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