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Göttingen Ein emotionales Wechselbad
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11:55 13.02.2018
Großes und buntes Finale der Kunst-Gala 2018: Tanzformationen und Trommler bei ihrer „rhythmischen Verschmelzung“. Quelle: Foto: Heller
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Göttingen

Wenn ein Symphonie-Orchester „Heidi“ spielt, ein iranischer Student Texte von Heinrich Heine singt oder ein Sechstklässler souverän eine Jazzband am Schlagzeug begleitet, dann ist Kunst-Gala. Bei der 17. Auflage am Sonntagabend zeigte sich die Göttinger Kulturszene wieder von ihrer vielfältigen Seite.

Noch bevor die vorerst letzte Gala in der Göttinger Stadthalle überhaupt so richtig gestartet war, verkündete Mitorganisation Nils König, dass die Veranstaltung auch während der Sanierungsarbeiten im kommenden Jahr gesichert sei. Sie zieht ins Deutsche Theater um und soll an zwei Abenden, am 16. und 17. Februar 2019, über die Bühne gehen. Damit ging der erste anhaltende Applaus des Abends an ihn.

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Mehr als 120 Künstler bei der Kunst-Gala 2018 in der Göttinger Stadthalle.

Und es blieb zunächst ein Abend der Abschiede. Nachdem das Göttinger Symphonie-Orchester mit der Filmmusik aus „Star Wars“ gestartet war und sich anschließend dem russischen Komponisten Alexander Weprik gewidmet hatte, stand plötzlich der scheidende Generalmusikdirektor Christoph-Mathias Mueller im Scheinwerferlicht. Sowohl König als auch sein Orchester hatten eine Überraschung für den gebürtigen Schweizer vorbereitet. Und so saß der wenig später sichtlich gerührt auf der Bühne, während seine Musiker zusammen mit dem Publikum eine orchestrale Version von „Heidi“ intonierten. König gab Mueller mit auf den Weg: „Das war erst der Anfang Deiner langen Abschiedstournee in Göttingen.“

Um dann doch nicht zu viel Sentimentalität aufkommen zu lassen, bestieg umgehend DT-Schauspielerin Rebekka Kricheldorf alias „Fräulein Agnes“ die Bühne, um in aller Ehrlichkeit der Menschheit frei nach Molière ihre Verachtung entgegenzuschleudern. Ein verbales Erlebnis. Wem das noch nicht genug Wechselbad der Gefühle war, der konnte in der Folge drei jungen Männern aus dem Iran, dem Irak und Deutschland beim Vortrag von Liedern aus der Heimat der jeweils anderen lauschen. Das aktuelle Boat People Song Projekt erzählt von dem internationalen Zusammentreffen bei einem Vorstellungstermin – stimmstark.

Video zur Kunst-Gala 2018

Noch vor der Pause sorgten ein ungewöhnliches Trio, ein weibliches Duo und ein rot-weißes Ensemble für Abwechslung. So experimentierten der Butoh-Tänzer Tadashi Endo, der Saxofonist Ove Volquarts und Nils König an den Gongs mit dem Gedanken, ob Bewegung immer sichtbar sein muss. Mindestens ebenso ungewöhnlich sei das, was sie böten, moderierte Susanne Pauli ihren Auftritt an: „Frauen, die Musik machen.“ Mit Gitarre, Geige, Gesang und ein bisschen Elektronik boten die Göttingerinnen „ganz großes Tennis“. Das tun die KAZ-Akrobaten, die anschließend die Bühne übernahmen, schon traditionell. Ihre sich ständig verändernden Gebilde aus menschlichen Körpern waren ein wirkungsvolles Farbspiel. Sie entpuppten sich gemessen an der Lautstärke des Applauses als die Publikumslieblinge des Abends.

Pause. Die gibt es bei einer Kunst-Gala eigentlich nicht. Denn auch wenn man seinen angestammten Sitzplatz nach knapp zwei Stunden mal verlassen darf, sollte man sich die Programmpunkte im Foyer nicht entgehen lassen. Wer es doch tat, hat nicht nur die beeindruckenden Schlagzeugsoli der 17-jährigen Pauline Jung verpasst, sondern auch die intensiven Tanzdarbietungen von Vanadis, der Américarte Danza und der der African Culture Group des KAZ.

Cool ging es in die zweite Halbzeit. Mit Jazz aus dem Otto-Hahn-Gymnasium. Und weil man bei einer Schul-Bigband niemanden hervorheben sollte, gehen wir auf Leona Uhlendorffs schönen Gesang bei „The Lady is a Tramp“ einfach nicht weiter ein.

Eine große Leinwand dominierte die Bühne optisch in den folgenden Minuten. Zunächst erzählte dort die ungarische Autorin Orsolya Láng von ihren Erlebnissen in „Klein-Hogwarts“ – dem Göttinger Goethe-Institut. Anschließend zeigte und vertonte der Bremer Jazzpianist Björn Jentsch einen Auszug aus dem Buster-Keaton-Stummfilmklassiker „Seven Chances“. Die Verfolgungsjagd auf der Leinwand machte er mit seiner Jagd über die Klaviatur zu einem Spektakel.

Und noch ein Wechselbad: Kaum ist der rasende Lockenkopf samt Flügel hinter dem Vorhang verschwunden, zeigen dort die Tänzerinnen der Ballettschule Art La Danse Auszüge aus Judith Karas Stücks zum Thema Angst. Ebenso ruhige wie starke Bilder. Vor dem großen Finale gab das gesangsbegabte Ensemble des Jungen Theaters Einblicke in ihre Musikshow Satisfaction. Ein bisschen Queen, ein bisschen Joe Cocker und ganz viel Applaus. Und nachdem sich alle Künstler noch einmal auf der Bühne versammelt hatten, war ein abwechslungsreicher Abend nach mehr als drei Stunden zu Ende.

Kulturförderung unter dem Motto „Stadt der Zukunft“

Im Jahr 2000 wurde von Göttinger Kulturschaffenden der Verein Kunst (Kultur unterstützt Stadt) mit dem Ziel gegründet, die vom Rat der Stadt Göttingen beschlossenen Kürzungen im Haushalt um 100 000 Mark auszugleichen. Als dies gelang, beschlossen die im Rat vertretenen Parteien, die Kürzungen für die Folgejahre zurückzunehmen. Der Verein erhielt einen beratenden Sitz im Kulturausschuss. Seither organisiert der Verein alljährlich die Kunst-Gala, bei der alle Künstler ehrenamtlich auftreten. Mit dem Erlös aus Eintrittsgeld, Spenden und Sponsoring werden Göttinger Kulturprojekte unterstützt. Bei der Gala 2018 kam ein Erlös von etwa 16000 Euro zusammen, die Förderung steht unter der Überschrift „Stadt der Zukunft“. Angesprochen werden neben Kultureinrichtungen und Initiativen auch Schulen und Vereine. Im vergangenen Jahr standen die elf insgesamt mit 14500 Euro unterstützten Projekte unter dem Thema „Europa-Gedanken“.

Von Markus Scharf

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