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Göttingen Braucht Göttingen mehr verkaufsoffene Sonntage?
Die Region Göttingen Braucht Göttingen mehr verkaufsoffene Sonntage?
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14:40 20.02.2019
Im April 2018 stöbern viele Göttinger beim verkaufsoffenen Sonntag mit dem Thema „Göttingen zieht an“ in den Läden der Innenstadt. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Am Sonntag durch die Stadt bummeln – für viele scheint das reizvoll zu sein, gerade weil sie an diesem Tag frei haben. Mit einer Änderung des Ladenöffnungs- und Verkaufszeitengesetzes will die Regierung des Landes Niedersachsen diese Shoppingmöglichkeit nun ausweiten: Statt wie an bislang vier könnten die Südniedersachsen künftig an bis zu sechs verkaufsoffenen Sonntagen einkaufen.

„Wir sind gegen eine Aufstockung“, sagt Sebastian Wertmüller von Verdi in Göttingen. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Begeisterung über die geplante Reform bei den Verkäufern im Einzelhandel groß ist. „Der Sonntag ist grundsätzlich als freier Tag garantiert.“

„Künstlich geschaffene Anlässe“

In dem Gesetzesentwurf ist vorgesehen, weiterhin vier Sonntagsöffnungen für ein gesamtes Gemeindegebiet zuzulassen. Zusätzlich sollen mit der Änderung aber zwei Sonntagsöffnungen für einzelne Ortsteile möglich werden. Diese extra Sonntage müssen einen besonderen Anlass haben. Das sollten zum Beispiel traditionelle Anlässe wie ein Stadtfest sein, meint Wertmüller. „Das sehe ich in Göttingen nicht gegeben. Es sind künstlich geschaffene Anlässe.“

Für die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann ist die geplante Gesetzesänderung dagegen ein ausgewogener Kompromiss zwischen Arbeitnehmer- und Händlerinteressen. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Schutz der Beschäftigten und ihrer Familien“, sagte sie im Dezember. Dies habe für sie Priorität, weshalb die Sonntagsöffnungszeiten nicht ausgeweitet und die Sonntagsruhe gewahrt würde. „Gleichzeitig haben wir die Interessen des Handels und den Wunsch nach Gestaltungsspielraum, aber auch nach eindeutigen rechtlichen Regelungen im Blick.“

Verständnis für Einzelhändler

Im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Göttingen sieht man das anders. „Unsere Haltung dazu ist ganz unverändert“, sagt Superintendent Friedrich Selter. „Wir sind dagegen, dass der Sonntagsschutz noch weiter aufgeweicht wird.“

Es gebe viele gute Gründe, den Sonntag zu schützen. Es sei ein Tag für die freie Religionsausübung und der Standardtag für Kirchen, um ihre Gottesdienste abzuhalten. An dem Tag könnten sie von allen besucht werden. Aber der Tag sei auch wichtig für Menschen, die nichts mit Religion zu tun haben, um sich gemeinsam mit Familie und Freunden zu erholen und die Freizeit zu genießen.

Im vergangenen April präsentieren Pro-City und der Göttinger Einzelhandel ein ausgewähltes Programm, bestehend aus vielen Aktionen rund um den Frühling. Quelle: Peter Heller

„Wir haben Verständnis dafür, dass die Einzelhändler über die Runden kommen müssen“, sagt Selter, auch wenn dafür verkaufsoffene Sonntage nötig seien. „Die Einzelhändler prägen die Stadt.“ Aber vier Sonntage seien ein guter Kompromiss gewesen, bei dem alle Interessen in Balance waren.

Bereicherung statt Beeinträchtigung

Bei einer Anhörung zu dem Gesetzesentwurf im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Niedersächsischen Landtages am Donnerstag unterstrichen Vertreter der Kommunalverbände, dass zusätzliche Sonntagsöffnungszeiten Orts- und Stadtteile beleben könnten. „Die verkaufsoffenen Sonntag werden von Teilen der Bevölkerung als Bereicherung und nicht als unzulässige Beeinträchtigung der Sonn- und Feiertagsruhe gesehen“, sagte Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Das Gesetz stelle eine ausgewogene Lösung dar.

Der Dechant der katholischen Kirche im Dekanat Göttingen, Wigbert Schwarze, betont dagegen den Schutz des Sonntags für alle Menschen. Dabei habe die Kirche besonders jene im Blick, die einen freien Tag verdient haben, aber an verkaufsoffenen Sonntagen arbeiten müssen. „Die Kommerzialisierung des Sonntags ist der Würde des Tages nicht angemessen“, meint Schwarze. „Verkaufsoffene Sonntage müssen immer Ausnahmen bleiben, daher sollten weiterhin vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr reichen.“

Bei der Anhörung am Donnerstag wurden Vertreter der Kirchen, der Gewerkschaften und der Unternehmerverbände angehört. Den Gesetzesentwurf verwiesen die Ausschussmitglieder weiter in den Wirtschaftsausschuss, wie ein Sprecher des Landtages mitteilte. Wann mit einer Abstimmung im Plenum zu rechnen ist, ist noch nicht abzusehen.

Verkaufsoffene Sonntage in Göttingen

Für Göttingen sind nach Angaben des Sprechers der Stadtverwaltung, Dominik Kimyon, vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr 2019 geplant. Am Sonntag, 7. April, können die Göttinger unter dem Motto „Göttingen zieht an“ shoppen. Am Sonntag, 29. September, sind die Geschäfte in der Innenstadt zum Gänselieselfest geöffnet. Am Sonntag, 6. Oktober, ist der „Kauf Park“ verkaufsoffen. Am Sonntag, 27. Oktober, kann am Lutteranger eingekauft werden.

Von Norma Jean Böger

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