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Göttingen Der Raps ist krank
Die Region Göttingen Der Raps ist krank
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00:23 12.05.2018
Rapsfelder bei Breitenberg mit Blick auf Duderstadt: rechts gesunder Raps, links geschädigter. Quelle: drauf-geblickt/Ulrich Dornieden
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Göttingen

Dem Raps geht es schlecht: zumindest auf vielen Flächen in Südniedersachsen. „Es gibt mehrere Faktoren, die als Ursache in Frage kommen”, sagt Markus Gerhardy, Landwirt aus Gieboldehausen und stellvertretender Vorsitzender des Landvolks Göttingen.

Rapsfeld bei Friedland in voller Blüte: Nicht überall wächst er zur Zeit so schön. Quelle: Britta_Bielefeld

Wer zur Zeit durch den Landkreis Göttingen fährt, kann das Phänomen überall beobachten. Ein Feld strahlt knallgelb in der Frühlingssonne, ein dichter Blütenteppich erfreut Landwirte und Spaziergänger. Nur wenig entfernt zeigt sich oft ein ganz anderes Bild: Das nächste Feld steht an manchen Orten nur in mickriger, heller Blüte. „Physiologische Knospenwelke”, so Gerhardy, nennt man dieses Phänomen. Das ist eine Pflanzenkrankheit, die dazu führt, dass die Knospen zu Beginn der Blüte abgeworfen werden. Die Pflanze kann somit später keine Schoten bilden, aus denen das Rapsöl gewonnen wird. „Eine Rapspflanze hat bis zu 200 Knospen”, erklärt Gerhardy. Nicht jede werde zur Schote, das sei normal. Wenn aus der Hälfte der Knospen Schoten werden, sei das noch in Ordnung. In diesem Jahr aber gebe es auf manchen Feldern „wenige oder gar keine Schoten”.

Temperaturwechsel in „brutal kurzer Zeit“

Ein weiterer Faktor sei das Wetter. Nach dem langen und kalten Winter sei das Wetter „in brutal kurzer Zeit” direkt auf Sommer gesprungen, es habe praktisch kaum einen Übergang zwischen Frost und sommerlichen Temperaturen gegeben. Das hätten viele Pflanzen nicht gut vertragen. Warum und wie einige Pflanzen darauf reagieren, die anderen weniger, dafür gebe es bislang nur „Erklärungsversuche”. Durch den abrupten Start in die Wachstums-Saison könne es zu Nährstoff-Unterversorgung und Störungen im Hormonhaushalt der Pflanze kommen.

Massives Aufkommen an Schädlingen

Die bereits angegriffenen Pflanzen leiden dann besonders unter den Schädlingen Rapsglanzkäfer und Rapsstängelrüssler. „Wir haben in diesem Jahr ein massives Aufkommen”, so Gerhardy. Das überprüfen die Landwirte mit gelben Plastikwannen, in denen die Tiere landen und gezählt werden können. Ab einer bestimmten Menge werden sie mit Insektiziden behandelt. „Ohne das hätten wir vermutlich einen Totalausfall”, sagt Gerhardy. Auf einigen Flächen sei das zu beobachten gewesen, zwei bis drei Prozent der Flächen in der Region mussten deshalb umgepflügt werden. Gerhardy rechnet alles in allem mit einer deutlich unterdurchschnittlichen Ernte in diesem Jahr.

So noch nie gesehen

Welche Regionen besonders betroffen sind, lasse sich kaum festmachen. „Eigentlich ist es über alle Standorte verteilt”, sagt Gerhardy. Neuerdings verdichten sich auch Hinweise darauf, dass nicht nur Südniedersachsen, sondern auch Standorte in vielen anderen Bundesländern betroffen sind. Sicher sei, dieses Phänomen habe es in den vergangenen Jahrzehnten in der Region so noch nie gegeben.

Von Britta Bielefeld

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