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Göttingen Rasante Landwirtschaft
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00:33 26.02.2018
Die Schweinehaltung in Niedersachsen ist in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gewachsen. Quelle: dpa
Landolfshausen

Einiges an dem Gesetz sei schlichtweg „nicht praktikabel“, erklärte Otte-Kinast vor den etwa 300 Gästen in der Halle des Dorfgemeinschaftshauses in Landolfshausen. In einigen Teilen Niedersachsens gebe es weiterhin Probleme mit dem Nährstoffüberschuss, die zu einem erheblichen Teil „aus der Vergangenheit stammen“. Die Verteilung des Wirtschaftsdüngers müsse besser werden.

Die vielfach zu hörende Kritik, die Landwirtschaft müsse nachhaltiger werden, verkenne, dass dieser Prozess längst begonnen habe, erklärte die Ministerin. Dennoch sehe sie sich in der Verantwortung, dafür zu sorgen, Ökologie und Ökonomie noch besser in Einklang zu bringen.

Ein weiteres Ziel Otte-Kinasts: der Landflucht entgegenzuwirken, beispielsweise durch die Versorgung mit besseren Internetverbindungen: „Der ländliche Raum ist nicht digital, sondern unterversorgt“, sagte die Ministerin. Ein leistungsfähigeres Internet sei die zentrale Voraussetzung dafür, die wirtschaftliche Aktivitäten in den Dörfern zu fördern. Ohne dies würden auf dem Land keine neuen Arbeitsplätze geschaffen.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten, erklärte die Ministerin, habe sich die Landwirtschaft in Niedersachsen „ganz rasant“ entwickelt. Allein in den vergangenen zehn Jahren sei die Schweinehaltung um 30, die Geflügelhaltung sogar um 60 Prozent gestiegen. Die Produktion von Milch sei im gleichen Zeitraum um 25 Prozent angestiegen.

Ein weiteres Problem, das den Landwirten derzeit zu schaffen mache, wolle sie in den nächsten Jahren angehen: die ausufernde Bürokratie: „Früher hatten die Bauern Rückenschmerzen vom Säckeschleppen, heute von der Schreibtischarbeit.“ Hier berichtete Otte-Kinast von Bestrebungen auf EU-Ebene, das Agrar-Förderwesen auf EU-Ebene antragslos zu gestalten. Die Europäische Union bereite sich darauf vor, sich vom „Durchregieren bis auf den Hof“ zu verabschieden. Dann würden den Landwirten die Anträge entsprechend der bisherigen Förderlage elektronisch ins Haus geschickt, der Landwirt müsse den antrag dann nur noch bestätigen.

Vor Otte-Kinasts Rede hatte der Göttinger Landrat Bernhard Reuter (SPD) davor gewarnt, Stadt und Land „zu weit auseinanderzutreiben“. Die Stadt Göttingen und das Umland müssten zusammengehalten werden, alles andere sei „extrem ungesund und extrem gefährlich“. Aber: „Jammern füllt keine Kammern“, zitierte Reuter eine alte Bauernweisheit. Die Versprechen auf schnelles Internet im ländlichen Raum müssten endlich umgesetzt und die überbordende Bürokratie in diesem Bereich über Bord geworfen werden. Reuter: „Wenn das so weitergeht wie bisher, wird keiner der Gäste hier im Saal das schnelle Internet erleben.“ Und: „Man muss auch den Netzbetreibern mal sagen, hier geht’s lang.“

Die Bauern und die Landwirtschaft, kritisierte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Hubert Kellner, werde „immer wieder an den Pranger gestellt, beispielsweise für den Einsatz von Pestiziden. „Dabei“, so Kellner, „ist Glyphosat ein ganz wichtiger Baustein für pfluglose Bodenbearbeitung und damit für die Verhinderung von Erosion.“ Statt einer sachlichen Debatte würden Ängste geschürt, und die Bürokratie, der die Landwirte unterworfen seien, erinnere ihn „an die DDR-Planwirtschaft“.

Von Matthias Heinzel

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