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Göttingen Gemeinsam lesen lernen
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00:17 28.04.2017
Quelle: HW
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Göttingen

Immer montags von 17 bis 18 Uhr trifft sich die Groner Gruppe an der Heinrich-Warnecke-Straße 6a. Gäste sind immer willkommen. Die Teilnehmer sitzen gleich rechts beim Eingang um einen großen Tisch herum. Durch die großen Fenster fällt viel Licht herein. In den umliegenden Regalen stehen Kinderbücher, Garten-Ratgeber und Rezeptsammlungen. Derzeit liest die Gruppe Marion Döberts Roman Papierkind, der in einfacher Sprache verfasst ist.

Buchstabe für Buchstabe, Silbe für Silbe, Wort für Wort arbeiten sich die Teilnehmer voran. Häufig raten sie. Dann sind die Moderatorinnen gefragt: Sie korrigieren. Jeder aus der Gruppe liest jeweils einen der kurzen Sätze. Ist ein Absatz geschafft, wird über den Inhalt gesprochen. Gerade hat die Buchheldin, die in einem Internat lebt, Gras gesammelt. Damit füttert sie die Schnecke in ihrer Nachttischschublade.

„Meine Katze, die ich Nummer Sieben nenne, liegt auch am liebsten im Schrank“, berichtet Frührentner Jörg. Er kommt seit zwei Jahren regelmäßgig in den Klub. Zudem besucht er Karnicks Alphabetisierungskurs an der Göttinger Volkshochschule, die Lese- und Schreibwerkstatt. „Ich will mich nicht länger über den Tisch ziehen lassen“, erklärt der ehemalige Lagerist. Behinderte bekämen oft nicht ihr Recht. Er wolle die Briefe verstehen, die er erhalte.

„Ich beginne demnächst eine Ausbildung zur Beiköchin“, sagt Thien An, die eine Leseschwäche hat. Alleine lesen zu üben, falle ihr schwer. Zu groß sei die Versuchung, den Fernseher anzustellen. In der Gruppe mache das Üben mehr Spaß. Ihr Freund Niko arbeitet bereits als Beikoch. In Karnicks VHS-Kurs hilft er als Assistent. Im Klub vertieft er seine Kenntnisse. Er liest auch das Blatt Durchblick, das in einfacher Sprache verfasst ist und einmal im Monat der Göttinger Wochenzeitung Blick beiliegt.

Nur zum Zuhören kommt Jürgen in die Stadtbibliothek. Die Gruppe liest zwar sehr langsam, aber dem Senior ist das Tempo immer noch zu hoch. Ihm gefällt aber das Zusammensein mit anderen. So ist das auch bei Randi, die das Down-Syndrom hat. Sie liest flüssig. Es fällt ihr aber schwer, das Gelesene zu verstehen.

Die Gruppe im Weltladen an der Nikolaistraße 10 trifft sich immer freitags von 16 bis 17.30 Uhr. Die Klubs sind ein Projekt des Kölner Vereins zur Förderung der Kultur, Bildung und sozialer Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung.

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