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Göttingen Leerer Sockel als Denkmal für Göttinger Sieben am Bahnhof geplant
Die Region Göttingen Leerer Sockel als Denkmal für Göttinger Sieben am Bahnhof geplant
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18:54 13.05.2014
Ohne Ross und Reiter: Entwurf für das Göttinger-Sieben-Standbild vor dem Göttinger Bahnhof. Es spielt auf das Reiterstandbild König Ernst Augusts in Hannover an. Quelle: EF
Göttingen

Das Werk der Künstlerin Christiane Möbus ist der Stadt von mehreren in Göttingen und Südniedersachsen lebenden Personen als Schenkung angeboten worden, darunter der Aufsichtsratsvorsitzende der Einbecker KWS  Saat AG, Andreas Büchting.

Bei dem Denkmal handelt es sich um einen leeren, 2,5 mal 4,1 mal vier Meter leeren Granitsockel. Dieser ist in Form, Farbe, Material und Größe identisch mit dem Sockel des Ernst-August-Standbildes vor dem Bahnhof in Hannover. Ross und Reiter fehlen aber bei dem Göttinger Denkmal.

Entlassen und teilweise verbannt

Ernst August

Auf einer Seite steht der Schriftzug „Dem Landesvater seine Göttinger Sieben“, auf der gegenüberliegenden Seite sind die Namen der Göttinger Sieben zu lesen, jener Professoren, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover protestierten und daraufhin von König Ernst August I. entlassen und teilweise verbannt wurden. Ergänzt hat Möbus diese Aufzählung mit ihrem eigenen Namen.

Büchting hat eine Expertise für das Werk bei Philip Ursprung, Professor für Kunst- und Architekturgeschichte in Zürich, in Auftrag gegeben. Möbus‘ Werk sei ein „formal ausgezeichnet gelungener, inspirierender, kritischer und zugleich für eine breite Öffentlichkeit gut zugänglicher Beitrag zur Diskussion des Mahnmals in der heutigen Gesellschaft.“

Dass Möbus ihren eigenen Namen einreiht, sei eine Geste, „die aus dem Projekt mehr macht als eine neutrale Erinnerung an oder einen distanzierten Kommentar über ein abgeschlossenes Ereignis“, schreibt Ursprung. Dieser achte Name sei der „eigentliche Schlüssel“ zur Bedeutung des Kunstwerkes.

Annahme der Schenkung befürwortet

Büchting

„Es ist keine Signatur, die auch anderswo stehen könnte. Indem sie sich den Göttinger Sieben anschließt, verankert die Künstlerin gleichsam das Kunstwerk im Hier und Jetzt unserer eigenen Gegenwart. Erst damit wird ersichtlich, dass mittels des Kunstwerks in Göttingen nicht eines ein für alle Mal abgeschlossenen historischen Falles gedacht werden soll, sondern dass der Mut der damaligen Gelehrten bis heute eine Aufforderung für Zivilcourage ist.“

Und weiter: „Jeder von uns, so demonstriert das Kunstwerk, hat die Wahl, sich mit dem Handeln der Göttinger Sieben zu solidarisieren.“

Die Göttinger Verwaltung befürwortet eine Annahme der Schenkung. Damit werde die Erinnerung an die „demokratischen und kritischen Traditionen in Göttingen“ durch ein „außergewöhnliches Kunstwerk von hohem ästhetischen Reiz gepflegt“, heißt es in einer Verwaltungsvorlage.

Noch in diesem Jahr?

S.Beck

Es erfülle die Voraussetzungen für ein „markantes, ironisches und identitätsstiftendes Denkmal“. Die Stadt übernehme die Kosten für Fundament und Unterhaltungskosten.

Der genaue Standort, nahe der Pergola, links oder rechts der Bahnhofmittelachse, soll noch mit Hilfe von Holzmodellen ermittelt werden, erläutert Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck. Sie glaubt, dass das „ästhetisch befriedigende“ Kunstwerk zum Image der Stadt passt.

Noch in diesem Jahr könnte das Denkmal aufgestellt werden. Hilmar Beck, Leiter des Fachbereiches Kultur, hofft derweil auf ein „einstimmiges Votum“ der Politik für die Annahme der Schenkung. Gleichwohl: „Denkmale in Göttingen sind immer strittig“, sagt Beck.

Schwanz und Sockel

Kunst liegt im Auge des Betrachters und der Sockel gefällt sicher nicht Jedem. Zudem fordert er doch irgendwie dazu auf, Schabernack zu treiben.

Was wird wohl als erstes oben drauf gestellt? Ein altes Fahrrad – immerhin steht der Klotz am Bahnhof? Zudem kann das Denkmal als sportliche Herausforderung betrachtet werden, vier Meter müssen erklettert werden, um sich mal wie König Ernst-August zu fühlen.

Das wird ein Spaß. Und Kunst darf doch auch mal Spaß machen. Diskussionswürdig ist allerdings, dass sich die Künstlerin ganz selbstbewusst in die Reihe der Göttinger Sieben meißelt. G8 also statt G7 – große Politik allemal.

Oder doch Anmaßung von Christiane Möbus? Die Hannoveraner verabreden sich gerne am Denkmal und nennen das dann „unterm Schwanz“. Aber was in Göttingen? Ich freu mich schon auf den Sockel und die Diskussionen über das Ding. Gefällt mir!

Von Britta Bielefeld

Das Denkmal ist am Donnerstag, 22. Mai, Thema im Kulturausschuss. Beginn ist um 16.30 Uhr im Studio des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11.

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