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Göttingen Dank dieser Schäfer überleben die Leinelämmer
Die Region Göttingen Dank dieser Schäfer überleben die Leinelämmer
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16:40 16.10.2018
Schäfer Dirk Pieper (rechts) gibt seine Herde an Nachfolger Alexander Günther ab. Quelle: Hartwig
Göttingen/Deiderode

Bis in die 1940er-Jahre hinein lebten in der Region noch bis zu 80.000 Leineschafe. In den 1980er-Jahren galt diese alte Nutztierrasse in Südniedersachsen als ausgestorben. Heute leben wieder rund 650 Zucht-Leineschafe in der Region.

„Das ist schon erfreulich, aber es könnte auch noch besser sein”, sagt Klaus König vom Landschaftspflegeverband im Landkreis Göttingen. Der Verband kümmert sich seit 1998 darum, das Leineschaf wieder in der Region zu verbreiten. Überlebt hat die Rasse seinerzeit hinter dem Eisernen Vorhang – in Polen und Ostdeutschland. Mit einigen wenigen Exemplaren begann die Wiederansiedlung rund um Göttingen. Mittlerweile, so Verena Hammes vom Projekt Weidetierhaltung im Landschaftspflegeverband, gebe es wieder 13 Züchter. Einer, der sich von Anfang an für die Re-Etablierung der alten Rasse eingesetzt hat, ist Schäfer Dirk Pieper. Er gibt seine rund 80 Muttertiere umfassende Leineschaf-Herde nach 20 Jahren nun ab. Piepers Hede ist neben den Herden der Bodmanns in Seeburg und die er Universität Göttingen auf dem Versuchsgut Relliehausen im Solling eine der größten in Südniedersachsen. Die Tiere, die Pieper bislang hegte und pflegte, übernimmt jetzt der junge Nebenerwerbslandwirt Alexander Günther aus Elkershausen. Er wird den Stall der Leineschafe des Verbandes in Deiderode künftig betreuen. „Ich bin mit Tieren und der Landwirtschaft aufgewachsen”, sagt der 25-Jährige. Leben könne man von der Schäferei nicht. „Ich habe noch einen Teilzeitjob in der Küche des Göttinger Klinikums”, so Günther.

Schäfer: Ein Job an 365 Tagen im Jahr

Urlaub, Wochenenden oder geregelte Arbeitszeiten, die gibt es bei Schäfern nicht, so Pieper. „Das ist ein Job an 365 Tagen im Jahr”, sagt er. Dennoch kann es der passionierte Schäfer nicht ganz lassen. „Hobbymäßig behalte ich noch ein paar ungarische Zackelschafe”, erzählt er. Pieper ist bereits Schäfer in dritter Generation, schon Vater und Großvater hielten Schafe im Leinetal.

Leineschafe auf der Weide bei Stockhausen. Quelle: Hartwig

König, Hammes, Pieper und Günther wünschen sich eines: eine größere Akzeptanz nebst besserer Nachfrage und Vermarktung des Leinelamm-Fleisches. Eine alte, an das Leinebergland angepasste Rasse, kurze Wege, Schlachtung in Göttingen: Ein absolut regionales Produkt, auf das die Erzeuger stolz sind.

„Das Leineschaf ist perfekt an die Bedingungen hier angepasst”, erklärt König. Es sei eine „mittelschwere Rasse” und habe einen „guten Schlachtkörper”. Dennoch komme es gut mit den kargen Böden auf den Kalkmagerrasenflächen und in den nassen Leineauen klar. Auch den trockenen Sommer habe es gut überstanden. Die Schafe werden auch in der Landschaftspflege eingesetzt, um die Kulturlandschaft mit ihren Magerrasen, Obstwiesen und Weiden zu erhalten. Der heutige Bestand an Leineschafen ist seit den späten 1990er Jahren aus einigen weiblichen Thüringer Zuchttieren und einigen sächsischen und polnische Importböcken hervorgegangen. Die Lämmer, die zu Beginn des Jahres geboren wurden, sind jetzt schlachtreif. In Göttingen ist es die Fleischerei Sebert in Geismar, die die Leinelämmer schlachtet und das Fleisch vermarktet.

Leinelammwochen in Göttingen ab 17. Oktober

Derzeit gibt es nach Angaben des Landschaftspflegeverbandes deutschlandweit nur etwa 3000 Leineschafe. Um sie zu erhalten und das Lammfleisch zu verkaufen, organisiert der Landschaftspflegeverband auch in diesem Jahr wieder die Leinelammwochen in Göttingen. Diese Aktion wurde bereits im Jahr 2006 erstmals auf den Weg gebracht, um die Vermarktung des Leineschafes zu fördern und somit deren Erhaltung zu sichern. Ab Mittwoch, 17. Oktober, bietet die Fleischerei Sebert in ihren Filialen in Geismar, Weende und Rosdorf wieder frisches Leinelamm aus der Region an. Alle Lämmer für die Aktion kommen von Dirk Pieper von der „Schäferei Obere Leine“ in Deiderode. TV-Köchin Jacqueline Amirfallah bietet ganzjährig Leinelamm-Gerichte im Apex für ihre Gäste an, während der Leinelammwochen stehen zwei verschiedene auf der Karte.

Von Britta Bielefeld

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