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Göttingen Letzte Trickserei der Göttinger-Gruppe strafbar
Die Region Göttingen Letzte Trickserei der Göttinger-Gruppe strafbar
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17:27 04.06.2012
Braunschweig / Göttingen

Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts an der Oker müssen sich zunächst die beiden letzten Vorstandsmitglieder der Gruppe, Jürgen Rinnewitz (59) und Marina Götz (51), wegen gemeinschaftlichen Kapitalanlagebetruges und gewerbsmäßiger Untreue verantworten.

Mitangeklagt sind Hans H. (57), Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft der Securenta AG, der Invictum GmbH aus Braunschweig, sowie der in der Schweiz lebende Michael T. (43), Chef des größten deutschen Strukturvertriebs. Sie sind der Untreue beziehungsweise der Beihilfe zum Kapitalanlagenbetrug angeklagt.

Es geht um zehn bis 15 Millionen Euro Schaden, die einer eigens dafür gegründeten Tochtergesellschaft der Göttinger Gruppe durch unberechtigte Provisionszahlungen (Untreue) an die Vermittler entstanden sein soll, sowie um die Folgen für den Fonds, der bis zu 200 Millionen Euro eingesammelt haben soll und zahlungsunfähig wurde.

Hinter allem, so unterstellt die Anklage, standen mit Rinnewitz und Götz von vornherein die Köpfe der Göttinger Gruppe, die bereits durch falsche Angaben im Prospekt des Master Star Fonds (MSF) Kapitalangabebetrug verübt haben sollen. Auf dem Papier allerdings war die Verantwortlichkeit für die schließlich vom Bundesamt für das Finanzdienstleistungswesen (Bafin) verbotenen Geschäfte kaum mehr nachzuvollziehen. Mit mehr als drei Dutzend Firmen wurde verschleiert, dass der MSF letztlich ein Konstrukt aus Göttingen war.

Das war offenbar auch nötig. Gestern sagte ein damaliger Assistent des Vorstandes, der heute als Insolvenzverwalter arbeitet, es war 2004 „letztlich allen hinreichend bekannt, dass man mit Göttinger Gruppe keinen geschäftlichen Erfolg mehr haben konnte.“ Und der Zeuge weiter: „Organschaftlich zuständig waren bei der Göttinger Gruppe viele Leute, entschieden wurde nur von zwei Leuten.“ Damit meinte er Rinnewitz und Götz.

Provisionen in Millionenhöhe

Die beiden anderen Angeklagten sollen geholfen haben, zehn bis 15 Millionen Euro an Provisionen aus den Einlagen der Fonds-Anleger ohne reale Gegenleistung weitergeleitet zu haben. Mehr als acht Millionen landeten in der Schweiz. Denn der Vertrieb T.s, der zeitweise bis zu 2500 Versicherungsvertreter führte, verkaufte sowohl den Fonds, als auch Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen der Gutingia, einer weiteren Securenta-Tochter. Was von Anlegern an Geld für  den Fonds einging, wurde von der Braunschweiger Agentur für Gutingia-Provisionen überwiesen.  Diese Zahlungen seien von H. angewiesen, von Götz aber „angefordert“ worden, so der Zeuge.

Dabei hatte es mit dem MS-Fonds noch eine besonders pikante Note: Es sollte eine Anlage „für exklusive Persönlichkeiten mit exklusiven Produkten und für die Vertreter mit exklusiven Verdienstmöglichkeiten“ sein, sagte Vertriebschef T. Dafür warben prominente Persönlichkeiten: Politiker aus FDP und CDU wie der einstige Verteidigungsminister Rupert Scholz und der ehemalige Berliner Senator Walter Rasch. Der Fonds platzte, als das Bafin am 16. Juni 2005 den Initiatoren derartige Finanzkommissionsgeschäfte, also unerlaubte Bankgeschäfte, verbot.

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