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Göttingen Linke gegen Verkauf des Fridtjof-Nansen-Hauses
Die Region Göttingen Linke gegen Verkauf des Fridtjof-Nansen-Hauses
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00:19 11.09.2017
Im Besitz der Stadt Göttingen: das Fridtjof-Nansen-Haus im Ostviertel. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Für die Linke ist die ehemalige Tuchmacher-Villa, in dem derzeit noch das Goethe-Institut untergebracht ist, ein „Juwel unter den eher rar gesäten Göttinger Baudenkmälern im städtischen Besitz“. Sie spricht sich gegen einen von der Verwaltung geplanten Verkauf des 1900 fertiggestellten Gebäudes aus.

Grund für den Verkauf ist der Auszug des Goethe-Instituts, das das inzwischen sanierungsbedürftige Fridtjof-Nansen-Haus in der Merkelstraße seit 1973 angemietet hat. Das Institut wird kommendes Jahr umziehen, in ein moderneres Gebäude an der Güterbahnhofstraße. Die Zukunft der Ostviertel-Villa an der Schillerwiese ist noch ungewiss. Die Stadtverwaltung sucht derzeit einen Käufer. „Für uns ist das Gebäude wirtschaftlich nicht zu halten“, sagte Institutsleiterin Ulrike Hofmann-Steinmetz. „Wir haben unheimliche Kosten.“

„Vier bis fünf konkrete“ Nachfragen

Die Verwaltung geht nach Angaben von ihrem Sprecher Detlef Johannson derzeit davon aus, „dass der Rat mit einer sehr deutlichen Mehrheit an seiner Verkaufsabsicht festhält“. Das Verkaufsexposé, das die Verwaltung seit November 2016 erarbeitet hat, will sie nun im Bauausschuss am 21. September zunächst im nichtöffentlichen Teil vorstellen und anschließend veröffentlichen. Auch ein Verkehrswertgutachten liegt laut Johannson inzwischen vor. Bislang habe es „vier bis fünf konkrete“ Nachfragen gegeben. „Allerdings soll es ja ein öffentliches Angebotsverfahren geben. Darauf haben wir alle bisherigen Interessenten hingewiesen“, sagt Johannson.

Unterdessen lehnen die Linken einen „vorschnellen“ Verkauf ab. „Eine öffentliche Nutzung des Grundstücks und die Prüfung, von Wohnmöglichkeiten in den bestehenden Gebäuden sollte einer ernsthaften Prüfung unterzogen werden.“

„In keinster Weise marode Kernvilla“

Stattdessen könnten in den angebauten beiden Gästehäusern, „möglicherweise leicht renovierungsbedürftig“, mit seinen vielen Zimmern „eine größere Zahl von Wohneinheiten und Studentenzimmern, aber auch deutlich geeigneterer Wohnraum als in einer Lagerhalle für geflohene Menschen geschaffen werden“. Die aus Sicht der Linken „in keinster Weise marode Kernvilla“ könnte vielfältige Verwendung finden. „Ein Nutzungskonzept für kulturelle und oder soziale Zwecke dürfte zum Beispiel unschwer zu erstellen zu sein“, heißt es in dem Antrag. Ebenso dürften sich nach all den Bedarfsanmeldungen etliche Initiativen, Vereine und Organisationen aus dem soziokulturellen Bereich Göttingens für Räumlichkeiten im Fridtjof-Nansen-Haus finden. Aus Sicht der Verwaltung sind Dienstleistungen, Seminarnutzungen und Wohnnutzungen in dem Haus vorstellbar.

Bereits im Mai hatte die Linke im Rat den Antrag gestellt, keine weiteren städtischen Immobilien und Grundstücke mehr zu veräußern. Diesen lehnte die Ratsmehrheit aber ab. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) dementierte in der Sitzung auch die Behauptung von CDU-Ratsherr Hans Otto Arnold, die Sanierung des Fridtjof-Nansen-Hauses würde rund zehn Millionen Euro kosten. „Es bestehen nach Ansicht unserer Immobilienverwaltung übliche altersbedingte Instandhaltungsbedarfe“, erklärt Johannson. Ein grundlegender Sanierungsbedarf werde nicht gesehen. „Weil wir den Komplex verkaufen wollen, hat es allerdings auch nicht den Aufwand für eine systematische Erhebung des Sanierungsbedarfs gegeben, der in einer Eurozahl auf den Punkt zu bringen wäre.“

„Juwel unter den eher rar gesäten Göttinger Baudenkmälern“

Köhler vertrat die Ansicht, dass sich das „exponierte Gebäude in einer hervorragenden Lage“ wirtschaftlich gut nutzen lasse. Die Stadt sei mittlerweile auch verpflichtet, Ausschreibungen durchzuführen, bei denen – in gewissem Rahmen – nicht nur die Preise ausschlaggebend sein dürften. Vielmehr sollte die zukünftige Nutzungsabsicht eine große Rolle bei der Vergabe spielen.

Nach einem Bericht im Göttinger Tageblatt, der die Historie, die Besonderheit und die kulturelle Bedeutung des Fridtjof-Nansen-Hauses „gewürdigt, ja in hohen Tönen gelobt hat“, hat sich die Linke nun ermuntert und aufgerufen gefühlt, „einen erneuten, nun konkreten Versuch zu unternehmen, Rat und Verwaltung davon zu überzeugen dieses Juwel unter den eher rar gesäten Göttinger Baudenkmälern im städtischen Besitz zu behalten“.

Weitere Themen im Rat sind: die drei Bebauungspläne „Grüne Mitte Ebertal“, „Südlich Friedrich-Ebert-Straße“ und „Dauerkleingartenkolonie ‚Am Rohns’“, die Vorbereitende Untersuchungen (VU) „Nordstadt“ und das NDR2-Soundcheck-Festival. In einem weiteren Antrag befasst sich der Rat mit dem Fridtjof-Nansen-Haus. Die Göttinger Linke will erreichen, dass das Haus auch nach dem Auszug des Goethe-Instituts weiterhin im Besitz der Stadt bleibt oder ausschließlich der städtischen Wohnungsbaugesellschaft zum angeboten wird.

Die Sitzung beginnt am Freitag, 15. September, um 16 Uhr im Ratssaal des Neuen Rathauses, Hiroshimapplatz 1-4.

Von Michael Brakemeier

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