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Göttingen Förderschule kämpft um Verlängerung
Die Region Göttingen Förderschule kämpft um Verlängerung
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00:23 10.04.2018
Kleine Klassen und viel Zeit für eine individuelle Betreuung der Schüler zeichnen die Martin-Luther-King-Schule aus – auch im Unterricht der 6. Klasse mit Lehrerin Inga Sobieraj-Zec. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Eigentlich sollten alle Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen im Sekundarbereich I (ab Klasse 5) schon bald auslaufen und geschlossen werden. Die Kinder sollen künftig inklusiv in Regelschulen unterrichtet werden. Im Februar aber hat der Landtag unter neuer CDU-SPD-Regierung das Schulgesetz geändert. Danach können Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen eine Bestandsverlängerung bis zum Schuljahr 2027/28 beantragen. Darüber entscheiden müssen die Kommunen als Schulträger. Das Land muss den Antrag dann aber bewilligen.

Die Schule beruft sich in ihrem Antrag vor allem auf eine „konstante Nachfrage“ bei Schülern und Eltern. Die meisten neuen Schüler kämen aus anderen großen Schulen und sind dort „mit den derzeit bestehenden Rahmenbedingungen nicht zurechtgekommen“. Darüber hinaus gebe es immer wieder Anfragen, von Eltern, Erziehern und Lehrern von Grundschulen nach einer „umfassenden sonderpädagogischen Förderung“ der in ihrer Lernfähigkeit eingeschränkten Kinder. Für die fünfte Klasse dürfe die MLK zurzeit aber keine Kinder mehr aufnehmen.

Die Martin-Luther-King-(Förder-)Schule. Quelle: Niklas Richter

Trotz der landesweit angestrebten Inklusion sehen manche Eltern ihre Kinder an einer Förderschule besser aufgehoben. Die Hauptargumente: kleinere Klassen, weniger Druck, mehr Zeit seitens der Lehrer für die Schüler. „Es gibt Kinder, die gehen an großen Schulen - auch Gesamtschulen - unter“, sagt Elternvertreter Daniel Kuckuk und fügt an: „Sie brauchen diesen kleinen heimischen Bereich mit einer ganz individuellen Unterstützung.“ Dabei gehe es oft um Kinder, „die nicht behindert genug sind für die Schule am Tannenberg oder Brüder-Grimm-Schule“ für Schüler mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, „aber an einer Regelschule völlig überfordert sind“.

Unterstützung bekommt die MLK von den Elternvertretern von sieben weiteren Förderschulen in der Region. Sie haben einen Unterstützerbrief an die Stadt geschickt. Auch Politiker sprechen sich für einen Bestandsschutz der MLK aus. Die Ratsgruppe von Piraten und Die Partei „bevorzugen“ zwar „klar“ die Inklusion als Ziel. Allerdings seien die bislang geschaffenen Strukturen dafür an den Regelschulen noch „mangelhaft“, heißt es in einem Schreiben. „Diese Kinder brauchen eine ganz besondere und individuelle Förderung, sie können nicht in eine Regelschule gehen“, erklärt Ratsfrau Wibke Güntzler für die CDU. Die SPD will ihre Position am Mittwoch während ihrer Fraktionssitzung festlegen.

Die Grünen lehnen den MLK-Wunsch ab. Sie sehen in der Inklusion den besten Weg, Menschen vollständig in die Gesellschaft zu integrieren. „Es ist nicht sinnvoll, den begonnenen Prozess jetzt wieder zurückzudrehen oder aufzuschieben“, sagt ihr Fraktionsvorsitzender Rolf Becker. Er räumt aber auch ein, „dass wir überlegen müssen, wie wir in den bestehenden Systemen in kleineren Gruppen besser auf die Bedürfnisse bestimmter Kinde eingehen können“.

Fast familiär ist der Unterricht in kleinen Lerngruppen an der MLK . Quelle: Niklas Richter

Das sagt auch Göttingens Schuldezernent Siegfried Lieske und äußert zugleich Verständnis für den Wunsch der MLK und Eltern. „Dabei muss es muss vor allem um die Kinder gehen und darum, dass für sie gute Schule möglich wird“, so der frühere Förderschullehrer. Das könne die MLK sein, „vielleicht aber auch ein anderes Modell“.

Damit das Land eine Verlängerung bewilligt, müssten allerdings Voraussetzungen erfüllt werden, erklärt Lieske. Unter anderem müsse die Stadt nachweisen, dass in den kommenden Schuljahren (prognostiziert) mindestens 13 Schüler je Jahrgang die Schule besuchen werden. Zurzeit erreiche die MLK die vorgegebene Mindestzahl nicht in allen Jahrgängen - teilweise seien es nur neun Kinder. „Daran sollte es aber wohl nicht scheitern“, so Lieske. us

Von Ulrich Schubert

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