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Göttingen Plumsklos und Zeitungspapier
Die Region Göttingen Plumsklos und Zeitungspapier
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16:17 12.10.2018
Anke Weber Quelle: R
Göttingen

Kaum eine andere Sache, abgesehen vom Essen, beeindruckt so sehr, wie tröpfelnde Toilettenspülungen, die von ihrer Bestimmung, etwas wegzuspülen, absurd weit entfernt sind. Manchmal muss eine Landbewohnerin wie ich aber gar nicht weit reisen, um ins Staunen zu geraten. In einer Stadt-Kneipe, die ich gerne besuche, gibt es auf der Damen-Toilette eine Kabine mit zwei Toilettenschüsseln. Warum? Weil Mädchen angeblich immer zu zweit aufs Klo gehen? Der Anblick dieser Doppel-Toilette ist genau einmal witzig. Spätestens wenn man zum zweiten Mal mit Fremden vor der Kabinentür Schlange steht und an der kompletten Egal-Stimmung noch drei bis fünf Bier fehlen, möchte man den lustigen Planer dieser Räumlichkeit umbringen. Die meisten Menschen haben, und ich gehöre unbedingt dazu, gerne Ruhe auf dem wohl deshalb auch so benannten stillen Örtchen.

Insofern werde ich auch niemals meinen Ski-Urlaub auf einem abgelegenen Einsiedler-Bauernhof in Österreich vergessen. Die Toilette war eine gefühlte Steigerung des Plumsklos. Der Fallschacht endete nicht in einer Grube, sondern offen über dem Misthaufen im darunter liegenden Kuhstall. Der Bauer war immer vor uns wach. Und während man so dasaß, an der Wand diverse Zeitungsausschnitte über die Aktivitäten des damaligen Papstes vor Augen, konnte man niemals den Bauern, der ein paar Meter tiefer den Stall mistete, überhören. Woraus sich eine nicht wegzudenkende Gegenseitigkeit ergab. Im Vergleich war das ländliche Plumsklo meiner Großeltern geradezu ein Wohlfühlort. Weitab von den anderen Wohnräumen war es tatsächlich ein stiller Ort, den man sich lediglich mit ein paar Spinnen teilen musste. Hatte man diese erfolgreich ausgeblendet, konnte man das Toilettenpapier studieren. Diese sorgsam zerschnittenen Zeitungs-Blätter – Tageszeitungen waren funktional, Magazine nicht saugfähig – lagen entweder neben der Toilette oder hingen, gelocht und aufgefädelt, wie ein Abreißkalender an der Wand. Sie boten vielerlei Informationen. Vielleicht machten sie mich sogar zu einer Zeitungsleserin. Nur eine Theorie. Ebenso wie die These, dass ältere Männer nicht mit dieser Gewohnheit aus Kindheitstagen brechen können und deshalb immer noch Zeitungen mit auf die Toilette nehmen.

Für die Errungenschaft des mehrlagigen weichen Toilettenpapiers bin ich wirklich dankbar. Aber vielleicht sollte man es wieder bedrucken. Als Lese-Förderung für den Nachwuchs.

Info: Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author

facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin

Von Anke Weber

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