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Göttingen Briefe an politische Gefangene in der Türkei
Die Region Göttingen Briefe an politische Gefangene in der Türkei
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20:48 08.08.2018
Die Leiterin der Aktionsgruppe Eytan Celik (Mitte) am Aktionsstand. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Eine besondere Menschenrechts-Aktion hat die Türkei-Arbeitsgemeinschaft der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Mittwochnachmittag vor den Alten Rathaus abgehalten: Göttinger Bürger konnten persönlich gehaltene Briefe an Menschen schicken, die aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen schmoren.

Verfasst hatten die Briefe Mitarbeiter der GfbV. Als Adressaten hatte sich die Menschenrechtsorganisation stellvertretetend vier Inhaftierte ausgesucht: Selehattin Demirtas und Figen Yükseldag, den Chef der türkischen Oppositionspartei HDP und seine Stellvertreterin, Gültan Kisanak, Bürgermeisterin der Stadt Diyarbakir, und den Journalisten Nedim Türfent. Dessen Verbrechen: Fotos von prügelnden Staatsbediensteten angefertigt zu haben.

Mehr als 50 Unterschriften

Mehr als 50 Passanten nutzten die Gelegenheit, ihre Unterschrift unter einen der Briefe zu setzen. Das Ziel: den Inhaftierte Mut zuzusprechen und ihre Leistungen für eine offene und liberale Türkei zu würdigen, sagten die Organisatoren und Begleiter der Aktion, die Leiterin der Türkei-AG der GfbV Eytan Celik und Kamal Sido, Nahostreferent der Menschenrechtsorganisation. „Alle Menschen auf der ganzen Welt“, heißt es beispielsweise in dem Brief an Demirtas, „verfolgen Ihr Schicksal und fühlen sich besonders durch Ihr Engagement motiviert, für ein offene und gleichberechtigte Gesellschaft zu kämpfen.“ Es sei sichergestellt, sagte Celik, dass die Schreiben ihre Adressaten erreichten. Zwar werde in der Türkei nicht gefoltert, die Lage der Gefangenen sei aber unerträglich.

Die GfbV setzt sich für die Freiheit für Journalisten und alle politischen Gefangenen in der Türkei ein. Gegen Oppositionelle werde in der Edogan-Türkei immer derselbe Standard-Vorwurf erhoben: Nähe und Kontakt zu Terroristen und der als solche eingestuften Kurden-Organisation PKK. Nahost-Referent Sido erklärte, Staatschef Erdogan wolle die Türkei seiner islamisch-nationalistischen Ideologie unterwerfen, das Parlament habe er „faktisch entmachtet“. Homogen sei die Bevölkerung in der Türkei auf keinen Fall, „Viele Menschen wollen Vielfalt und weg vom radikalen und politischen Islam“.

Minderheiten besonders diskriminiert

Minderheiten wie die Jesiden oder Armenier würden diskriminiert, meinte Sido. Wenn nach offiziellen Veranstaltungen mittlerweile regelmäßig der islamische Ruf „Allahu akbar“ (Allah ist groß“) ertöne, „bekommen diese Leute Angst“, sagte Sido, selbst Muslim.

Erfreulich sei, dass die deutsche Öffentlichkeit das Machtsystem Erdogans kritisch betrachte: „Nicht alle denken wie Steinmeier und Merkel, nicht alle sind Freunde von Erdogan.“ Der Despoten-Kollege Vladimir Putin beispielsweise verhalte sich gegenüber Erdogan bei weitem nicht so servil wie die Kanzlerin.

Die einstündige Aktion am Gänseliesel sei gut angenommen worden, meinte Celik. Die Bevölkerung scheine gut informiert zu sein über die Situation in der Türkei. Die GfbV habe eine etwas andere Menschenrechtsaktion umsetzen wollen, sagte Sido, „nämlich etwas Sanftes. Das bedeutet den Inhaftierten viel, wenn ein Brief aus dem fernen Deutschland kommt. Das gibt Kraft, durchzuhalten.“ Und vielleicht auch Schutz vor Misshandlungen, hofft die GfbV.

Von Matthias Heinzel

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