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Göttingen Messerattacke in Göttinger Modemarkt: Täter muss in die Psychiatrie
Die Region Göttingen Messerattacke in Göttinger Modemarkt: Täter muss in die Psychiatrie
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17:29 05.12.2018
Im Prozess um die Messerattacke in einem Modemarkt in Göttingen ist ein Urteil gefallen. Quelle: picture alliance / dpa
Göttingen

Fünf Monate nach Beginn des Prozesses um eine Messerattacke in einem Bekleidungsgeschäft in der Göttinger Fußgängerzone hat das Landgericht Göttingen am Mittwochnachmittag das Urteil verkündet. Die Kammer verurteilte einen 41-jährigen Küchenhelfer aus Göttingen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Außerdem ordneten die Richter seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, weil der Angeklagte an einer wahnhaften Störung leide. Der aus der Türkei stammende Angeklagte habe Ende Januar in dem Modemarkt einen 27-jährigen Mann aus Göttingen unvermittelt angegriffen und mit acht Messerstichen schwer verletzt. Entgegen der ursprünglichen Anklage sei die Tat allerdings nicht als versuchter Mord, sondern als gefährliche Körperverletzung einzustufen.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten sowie Unterbringung in der Psychiatrie plädiert hatte. Die Verteidigung hatte eine Freiheitsstrafe von höchstens vier Jahren sowie ebenfalls die Unterbringung im Maßregelvollzug beantragt. Der Vertreter der Nebenklage hatte dagegen gefordert, den Angeklagten wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren zu verurteilen. Der 41-Jährige habe nicht krankhaft, sondern gezielt und berechnend gehandelt. Er habe sich dafür rächen wollen, dass er von einem Jüngeren geschlagen worden sei, was in seinem Kulturkreis verpönt sei.

Auseinandersetzung um eine Portion Pommes

Die Kammer beurteilte den Fall allerdings anders. Das Gericht habe an keiner Stelle Zweifel gehabt, dass die Angaben des Nebenklägers der Wahrheit entsprächen, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Demnach hatte es vor der Messerattacke zwei weitere Vorfälle gegeben. Beide Männer waren in einem Imbiss beschäftigt gewesen, wo es im Mai 2017 zu einer Auseinandersetzung um eine Portion Pommes gekommen sei. Der Angeklagte sei auf den 27-Jährigen losgegangen, habe ihn zu Boden gebracht und getreten. Dieser habe sich gewehrt und dabei dem 41-Jährigen einen Schlag ins Gesicht versetzt. Anschließend habe es eine Aussprache gegeben.

Der Nebenkläger sei davon ausgegangen, dass die Sache damit erledigt sei. Für den 41-Jährigen sei der Vorfall jedoch der Auftakt zu weiteren Auseinandersetzungen gewesen, sagte der Richter. Der Angeklagte habe zunehmend einen Wahn entwickelt. Einige Monate später habe er bei einer zufälligen Begegnung in Rosdorf dem 27-Jährigen die Hand gegeben, ihn zu sich herangezogen und ihm gesagt: „Ich hab dich nicht vergessen, ich krieg dich noch.“

Zufällige Begegnung in dem Modeladen

Im Januar sei es dann zu einer weiteren zufälligen Begegnung in dem Modeladen in Göttingen gekommen. Der 27-Jährige habe den Notruf gewählt, aber gleich wieder aufgelegt, weil er sich nicht sicher gewesen sei, ob er den 41-Jährigen tatsächlich gesehen hatte. Der Angeklagte habe sich durch den Griff zum Telefon bedroht gefühlt, weil er gedacht habe, dass der 27-Jährige Verstärkung herbeirufen wollte. Er habe diesem dann unvermittelt mit einem Messer acht Stiche in den Oberschenkel, die Hüfte und die linke Brustseite versetzt. Der 27-Jährige habe sich trotz der potenziell lebensbedrohlichen Verletzungen noch auf die Straße geschleppt. Der Angeklagte sei ihm „unter den Augen der Göttinger Bevölkerung“ in gleich bleibendem Abstand gefolgt, bis er festgenommen wurde.

Insbesondere die Verfolgung durch die Fußgängerzone brachte die Kammer zu der Überzeugung, dass der Angeklagte zur Tatzeit in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen sei, „Überall war Publikum, alle haben ihn gesehen“, sagte der Richter. Der Angeklagte habe keinen Versuch unternommen, erneut auf den 27-Jährigen einzustechen. Dies spreche dafür, dass er keinen Tötungsvorsatz gehabt habe.

Von Heidi Niemann

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