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Göttingen Militaria bis unter die Decke
Die Region Göttingen Militaria bis unter die Decke
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15:16 18.05.2017
Quelle: dpa
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Hann. Münden

Nach 25 Jahren hatte Ralf K. (Name geändert) sich endlich jemanden anvertraut, hatte Mitarbeitern einer Klinik erzählt, was er zuhause in seiner Wohnung hortet. Nicht ganz freiwillig, denn sein Vermieter hatte angekündigt, dass Rauchmelder installiert werden. Spätestens dann wäre K. aufgeflogen. Er entschloss sich also  zur Selbstanzeige. Was die Mitarbeiter der Stadt Hann. Münden dann aber vorfanden, verschlug ihnen kurzzeitig die Sprache. Wohnzimmer, Schlafzimmer und die Küche waren vollgestopft mit Militaria. In wandhohen Regalen stapelten sich Uniformen, Helme, Tornister, Zelte, Ausrüstung aller Art und jede Menge Waffen.

Ein Maschinengewehr war feinsäuberlich demontiert auf ein Brett geschraubt, ein anderes aus dem Bestand der Bundeswehr lag zusammengebaut inklusive reichlich Munition daneben. Dazu besaß der Mann eine Maschinenpsitole des isrealischen Militärs Typ Uzi und eine selbstgebastelte Pumpgun. Für beide lagen ebenfalls Patronen in der Wohnung. Mit diesen Waffen machten die Gutachter des Landeskriminalamts mittlerweile erfolgreich Schießtests. Kurz: Das Arsenal aus K.s Wohnung war funktionstüchtig - der 52-Jährige also bewaffnet bis an die Zähne. Aber er wollte ja gar nicht schießen, er wollte sich seine Schätze nur ansehen, sagt er.

Wann er all das angeschafft hatte, weiß K. nicht mehr. Ist zum einen schon lange her, zum anderen fehlt ihm für vieles die Erinnerung seit dem Schlaganfall vor zwei Jahren. Ein Gutachter berichtet wenig später aus dem Leben von Ralf K. Mit zehn Jahren begeht seine Mutter Selbstmord, mit 15 zieht er zuhause aus. Noch in der Pubertät stellen Ärzte fest, dass K. nicht mehr wachsen werde. Er hat Schwierigkeiten in der Schule, findet keinen Beruf, zieht sich zurück, lebt bis zum heutigen Tag allein. Er ist schwer depressiv, versucht sich mehrfach das Leben zu nehmen.

Als Kompensation dient ihm sein Hobby. Im Stadtbild taucht er in Uniform auf, fährt privat einen Kübelwagen, hat Kontakt zur rechten Szene. Immer wieder wird er stationär und ambulant behandelt. 2015 dann der Schlaganfall. Aber trotz dieser mehrfach belastenden Lebensumstände sei seine Schuldfähigkeit nicht eingeschränkt, schließt der Gutachter. Dennoch sind sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht einig, dass es sich hier um einen minder schweren Fall handelt, der mit einer Geldstrafe zu ahnden ist: 60 Tagessätze zu 20 Euro. Und auf seine Waffen wird Ralf K. verzichten müssen.

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