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Göttingen Neuer Medizincampus auf dem Klinikum-Gelände
Die Region Göttingen Neuer Medizincampus auf dem Klinikum-Gelände
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00:18 21.09.2017
v.l.: UMG-Vorstand Prof. Dr. Heyo K. Kroemer und Ministerin Gabriele Heinen-Kljajić Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Es ist das größte, teuerste und ehrgeizigste Bauprojekt in Südniedersachsen für die nächsten knapp 20 Jahre. Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne), Niedersächsische Wissenschaftsministerin, hat gemeinsam mit den Vorständen der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) am Montag ihren Masterplan 2.0 vorgestellt. Das Ziel: 2035 steht von den heutigen Gebäuden kaum noch eines.

2,1 Milliarden Euro Sondervermögen des Landes Niedersachsen sind für die Modernisierung der beiden Universitätskliniken in Göttingen und Hannover vorgesehen. Der neue Medizincampus, den der Masterplan enthält, ist größer als die heutige UMG. Die alten Gebäude werden abgerissen. Die baulichen Einheiten sind später nicht mehr primär in Bettenhaus und Poliklinik unterteilt, sondern auch nach Disziplinen geordnet. Beispielsweise soll voraussichtlich als einer der frühen Bauabschnitte ein Eltern-Kind-Zentrum gebaut werden, in dem alle kindermedizinischen Einheiten zusammen unter einem Dach arbeiten.

Modernisierung in zahlreichen Bauschritten

“Wir haben den künftigen Raumbedarf für die UMG genau ermittelt”, sagt Martin Siess, Vorstand für die Krankenversorgung der UMG. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben sich Sieß zufolge die medizinischen Leistungen des Klinikums um 85 Prozent erhöht - und das bei gleichem Personalbestand. Konzipiert war das Klinikum vor 50 Jahren für etwa 3000 Beschäftigte, heute sind es doppelt so viele. Ausgehend von einer konservativen Berechnung haben die Planer für die UMG bis 2035 beispielsweise einen Bettenmehrbedarf von 200 errechnet. “Das sind belastbare Zahlen”, sagt Vorstandssprecher Heyo Kroemer. “Die Planung umfasst alle heute geltenden Standards”, so Freytag. Das Klinikum sei heute nur noch in Betrieb, weil ein Bestandsschutz gelte. Arbeitsplätze ohne Tageslicht, von denen es in der UMG zahlreiche gibt, seien beispielsweise nicht mehr zulässig. “Hätten wir nicht die Feuerwache auf dem Gelände, wäre der Betrieb der UMG wegen der Brandschutzauflagen gar nicht mehr zulässig”.

Bauabschnitt 2019 Quelle: umg

Der monumentale Masterplan verdeutlicht, dass die Modernisierung in zahlreichen Bauabschnitten vollzogen werden soll. Der erste, der bereits mit Vorbereitungsarbeiten in den Startlöchern steht, ist noch der alte und bereits angeschobene Abschnitt 1A, der Bau eines neuen Bettenhauses. Die komplette Erneuerung bis 2050 soll, so die drei Vorstände, ohne Interims-Gebäude auskommen. Das heißt, es wird erst abgerissen, wenn das neue Gebäude bereits bezogen und in Betrieb ist.

Kaum ein Gebäude bleibt bestehen

Zentraler Punkt des Masterplans ist, dass auch das sogenannte UBFT, das Gebäude für Untersuchung, Behandlung, Forschungs und Therapie, abgerissen wird. “Das Gebäude ist definitiv nicht mehr sanierbar”, so Kroemer. Eine Sanierung wäre rund 300 Millionen Euro teurer als ein Neubau.

Die Visualisierung des mehrstufigen Plan zeigt, dass kaum eines der heutigen Gebäude im Jahr 2035 noch steht (Ausnahme: das neue Herzforschungszentrum, das vor kurzem eröffnet wurde). Die Neuordnung des neuen Campus nach Disziplinen sieht neben dem Eltern-Kind-Zentrum unter anderem auch ein Herz-, ein Neuro-, ein Onko- ,ein Trauma-, ein Muskoskeletales und ein Kopfzentrum vor. Forschung und Lehre werden ebenfalls jeweils örtlich zusammengefasst - in acht Gebäuden, davon zwei für die Lehre. Ein neues Versorgungsgebäude ist ebenfalls vorgesehen.

Bauabschnitt 2025 Quelle: umg

Der baulichen Masterplanung liegen zwei “Spangen” zugrunde. Eine Krankenversorgungsspange auf dem südlichen Gelände, mit Bettenhaus und Kliniken und eine mit Forschungs- Lehre und Versorgungsgebäuden im nördlichen Bereich. Für die Krankenversorgung sind acht Baufelder auf knapp 300 000 Quadratmetern geplant, für die Forschung vier (73 000 Quadratmeter), zwei für die Lehre (54 000), drei fürs Parken und je ein Baufeld für Verwaltung und Infrastruktur (je gut 30 000 Quadratmeter). Die komplette Umgestaltung erfolgt in etlichen Schritten bis zum Jahr 2035.

Einige Bauschritte bis 2035

  • 2018: Bau des neuen Bettenhauses, Erweiterung der Parkflächen (Schotterparkplatz im Osten als Vorbereitung für Parkhaus Neubau)
  • 2019: Abriss Vorstandsgebäude, dort Bau des Heart-and Brain-Centers, Bau Parkhauses-Ost
  • 2020: Bau Verwaltungsgebäude auf jetzigem Mitarbeiter-Parkplatz, Bau Parkhaus West für Mitarbeiter, Bau des neuen Versorgungsgebäudes
  • 2021: Neubau Eltern-Kind-Zentrum und OP-Zentrum-West
  • 2022: Fertigstellung Heart-and-Brain-Gebäude, Fertigstellung Verwaltungsgebäude
  • 2023: Fertigstellung Bettenhaus, Fertigstellung Versorgungsgebäude, Rückbaus/Abriss altes Bettenhaus 1
  • 2024/25: Baubeginn Gebäude Diagnostik und Neurozentrum, Baubeginn Laborgebäude. Inbetriebnahme OP-Zentrum, Eltern-Kind-Zentrum und neuer Hubschrauberlandeplatz.
  • 2026: Baubeginn Lehrgebäude/Zahnzentrum, Abriss altes MRT-Gebäude nach Fertigstellung Diagnostik-Bau.
  • 2027/28: Bau Kopfzentrums und Onkologisches Zentrum, Baubeginn onkologisches Forschungsgebäude, Inbetriebnahme Diagnostikzentrum
  • 2029: Inbetriebnahme Lehrzentrum
  • 2030: Baubeginn zweites Lehrzentrum, Fertigstellung Kopfzentrum, Onkologisches Zentrum, Forschungsgebäude, Abriss Bettenhaus 2
  • 2031/32: Baubeginn Ambulanzzentrum, Baubeginn Forschung (Vorklinik)
  • 2033: Fertigstellung Lehrgebäude und Forschungsgebäude
  • 2034: Fertigstellung Ambulanzzentrum, Forschungsgebäude (Vorklinik) und Neurologie/Kardiologie. Beginn Rückbau UBFT und Versorgungsgebäude. Baubeginn Tiefgarage unter UBFT.
  • Vision nach 2035: Freie Flächen auf dem Campus nach UBFT-Abriss. Dort könnte der Platz für neue Wirtschafts- und Forschungskooperationen genutzt werden.

Wissenschaftsministerin und UMG-Vorstand präsentieren Masterplan

Abriss statt Sanierung ist der Inhalt des neuen UMG-Masterplans. Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) bekannte sich am Montag klar dazu. Heinen-Kljajic der Vorstand der UMG und Fachleute aus Gutachterfirmen stellten die Pläne am Montag öffentlich vor. „Die beiden Unikliniken in Niedersachsen stehen vor einem hohen Sanierungsstau, wenn wir nur schrittweise sanieren, verbraucht das Unsummen”, so die Ministerin. Die Landesregierung hat ein Sondervermögen in Höhe von je 1,1 Milliarden Euro pro Klinik für die Krankenversorgung verankert, 600 Millionen Euro stünden bereits zur Verfügung. „Der Masterplan ist auch eine Chance, die Unimedizin im Land neu aufzustellen”, sagte sie. Der Masterplan sieht den Neubau nahezu aller UMG-Einrichtungen vor. Das 300 Seiten starke Werk zeigt auf, welche Bauten in den nächsten 15 Jahren wo auf dem Gelände an der Robert-Koch-Straße entstehen. „Ein Startschuss”, so die Ministerin. Den geplanten Abriss des zentralen UBFT-Gebäudes, der bislang noch diskutiert wurde, sei auf Grundlage aller Gutachten ein „konsequenter Schritt”.

150 Millionen Euro für die erste Baustufe (1A) stehen, noch unabhängig von dem Sondervermögen, bereits für den Bau eines neuen Bettenhauses im südlichen Bereich zur Verfügung. „Unsere Infrastruktur ist völlig veraltet”, so UMG-Vorstandssprecher Heyo Kroemer. Unter heutigen Auflagen müsste die Fläche der Räume 16 Prozent größer ausfallen. Und: Es kommen immer mehr Patienten.

Geplanter Fortschritt bis 2035 Quelle: umg

„Unser Ziel ist es, die UMG so aufzustellen, dass sie auch in Zukunft eine exzellente, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung sicherstellen kann”, so Heinen-Kljajic. Dafür sei ein Neubau die beste Variante. Und das ist laut Kroemer dringend und möglichst schnell nötig. Ein Beispiel: Die vom Gewerbeaufsichtsamt festgelegte „Restlaufzeit” des derzeitigen OP-Traktes laufe 2012/22 ab. Als nächster Schritt, so Heinen-Kljajić, folge nun eine „wirtschaftliche Bewertung der Umsetzungsvarianten, damit bis Ende des Jahres der weitere Fahrplan für das Vorhaben steht.” Den Vorschlag der CDU, die Kompetenzen für die Uni-Kliniken in Hannover und Göttingen auf zwei Ministerien aufzuteilen, nannte sie „abenteuerlich”. Beide Häuser sollen mit eigenen Gesellschaften bauen, bis Anfang 2018 werde das auch für die MHH Hannover geklärt. „In Göttingen sind wir schneller”, sagte Kroemer. Die UMG, so Vorstand Martin Siess, habe den Masterplan jetzt vorgelegt. Man warte nun auf die Zusage für die GmbH und die Freigabe der Mittel aus dem Sondervermögen für den OP-Neubau zu Beginn des nächsten Jahres. „Wir sehen dazu im intensiven Austausch mit dem Land.”

Von Britta Bielefeld

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