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Göttingen Pistorius besucht Taskforce Cybercrime
Die Region Göttingen Pistorius besucht Taskforce Cybercrime
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00:19 21.09.2017
Oliver Knabe und Boris Pistorius beim Pressegespräch am Montagnachmittag. Quelle: R
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Göttingen

Im Oktober 2016 wurde in Göttingen offiziell die Taskforce Cybercrime ins Leben gerufen. Seither hat das 16-köpfige Team mehrere tausend Straftaten aufgeklärt. Am Montag hat sich Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) vor Ort über die Arbeit der Spezialisten informiert.

Es sei immer effektiver, sich selbst ein Bild zu machen als Berichte zu lesen, erklärte Pistorius seinen Besuch in Südniedersachsen. In Göttingen sei die landesweit erste Einheit zur Bekämpfung von Straftaten im virtuellen Raum entstanden. Schon 2007 hätten sich Ermittler hier gezielt mit der fortschreitenden Digitalisierung befasst. Heute, zehn Jahre später setze Göttingen als eine von zwölf Taskforces im Land Maßstäbe in der digitalen Kriminalitätsbekämpfung.

18000 Einzelstraftaten

Erst kürzlich ist dem Team von Kriminalhauptkommissar Oliver Knabe ein Schlag gegen ein weitreichendes Betrugsnetzwerk gelungen. Durch die Überwachung eines Servers in Rumänien konnten die Ermittler 18 000 Einzelstraftaten aufklären, bei denen ein Schaden von zehn Millionen Euro entstanden ist. Mehr als tausend Täter konnten identifiziert werden, erläuterte Knabe am Montag.

Das Vorgehen der Hintermänner im „Ermittlungskomplex Assistent“ sind ohne moderne Technik und ohne die entsprechende Fachkenntnis weder nachzuvollziehen noch zu beweisen. So werden zunächst sogenannte Warenagenten angeworben. Geboten wird ein Job mit Arbeitsvertrag, einem Stundenlohn von über 20 Euro und der einfachen Anforderung, Pakete entgegenzunehmen und nach Finnland, Russland oder andere europäische Staaten weiterzuschicken. Wer sich bereiterklärt regelmäßig den Namen am heimischen Klingelschild zu tauschen, kann noch mehr verdienen.

Im Hintergrund arbeiten Männer, die mit gestohlenen Kreditkartendaten und den Adressen der Warenagenten im großen Stil im Internet einkaufen. Bestellt wird alles, was teuer und wertstabil weiterverkauft werden kann – von Lego bis Smartphone. Wenn der Betrug auffliegt, haben die Hintermänner in der Regel so gut wie keine Spuren hinterlassen. Die Warenagenten hingegen können identifiziert werden. So wie es jetzt den Göttinger Ermittlern gelungen ist.

Attraktive Verdienstmöglichkeit

Vor allem für Schüler, Studenten und Rentner sei die Verdienstmöglichkeit attraktiv. Dabei machen sie sich der fahrlässigen oder sogar der vorsätzlichen Geldwäsche schuldig, erklärte Knabe. Hinzu kämen zivilrechtliche Ansprüche der Geschädigten, so dass die oft ahnungslosen Zwischenhändler am Ende für etwas bezahlen müssen, was sie nicht bestellt haben. Knabe warnt davor, sich auf diese zwielichtigen Jobangebote einzulassen.

Diese Ermittlungen gegen Betrüger oder Händler seien nur ein Teilbereich der Zuständigkeit der Cyberkriminalisten. Neben den Straftaten, die sich die moderne Technik zunutze machten, gäbe es auch noch die Taten, die sich gegen die Technik selbst richteten, so Knabe. Zudem fungiere seine Einheit im Bereich „digitaler Spuren“ als Dienstleister für Ermittler aus anderen Bereichen.

Die Göttinger Taskforce bekommt dabei mittlerweile Unterstützung durch einen IT-Spezialisten, ein zweiter Technikexperte soll in den kommenden Wochen folgen. Weitere werden im Zuge eines landesweiten Einstellungsprogramms auf die Polizeidienststellen verteilt. „Wir arbeiten in ganz Niedersachsen daran, Strukturen weiter zu verbessern und qualifizierte Fachleute einzustellen, um auch künftig Cyberkriminalität entschlossen entgegenzutreten“, sagte Pistorius.

Und der Minister verließ das Gespräch mit einem Lob für die Göttinger Cybercrime-Einheit. Deren Erfolg sei kein Zufall, sondern „das Ergebnis einer weitsichtigen Entwicklung der Göttinger Polizei“. Sie seien Experten bei der Suche nach der „Datennadel im Informationsheuhaufen“.

Von Göttinger Tageblatt

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