Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen „Missmanagement“ bei Schweinegrippe
Die Region Göttingen „Missmanagement“ bei Schweinegrippe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:18 09.12.2009
Im Klinikum: Podiumsdiskussion mit Experten. Quelle: Theodora da Silva
Anzeige

„Bund und Länder haben sich über den Tisch ziehen lassen.“ Das sagt Michael Kochen, Professor für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Göttingen. Er kritisiert das „Missmanagement“ der Verantwortlichen mit dem neuen H1/N1-Virus scharf. In Deutschland werde nur der Impfstoff Pandemrix von der Firma GlaxoSmithKline verabreicht. Der besteht aus Antigen und einem Wirkverstärker, dem sogenannten Adjuvans. Andere Länder hätten besser reagiert. Dort würde das Adjuvans separat gelagert und bei Bedarf genutzt. Dem Staat drohen schwerwiegende Abhängigkeiten von der Pharmaindustrie, kritisiert er. Denn: In Gremien wie der ständigen Impfkommission säßen Interessensvertreter, nur vier Mitglieder seien unabhängig.
Der Präsident des Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz verteidigte das Vorgehen. Man habe sich für den Impfstoff entschieden, weil man einen Verteilungskampf verhindern wollte. „Jetzt haben wir einen besseren Überblick“, sagt er. Niemand müsse sich impfen lassen, jeder könne das selbst entscheiden.

Wechselnde Empfehlungen

„Impfung oder Erkrankung?“, das sei laut Cornelius Frömmel, Vorstandssprecher des Klinikums, die Frage. Doch die Entscheidung ist schwer. Die Empfehlungen – auch der Experten – sind vielfältig, täglich gibt es neue Meldungen. Helmut Eiffert, Professor für Mikrobilogie am Uniklinikum, sieht in der Impfung eine gute Prophylaxe-Möglichkeit. Auch das Adjuvans sei bereits millionenfach angewendet worden. „Wir haben Glück gehabt. Es gab weniger schwere Krankheitsverläufe und weniger Impfkomplikationen als befürchtet“, sagt der Wissenschaftler. Thomas Suermann, Internist in Göttingen, bestätigt das. In seiner Praxis habe er kaum heftige Nebenwirkungen beobachtet. Er empfiehlt die Impfung für Risikopatienten.

Die Frage von Moderator und Tageblatt-Redakteur Jürgen Gückel, wie man denn Abhängigkeiten verhindern könnte, beantwortete Kochen: „Die Beratergremien müssen unabhängig von der Industrie sein“.

bib

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Schweinegrippe - Fragen zu H1/N1

Schweinegrippe: Noch immer gibt es viele Fragen zu dem neuen Virus – auch wenn H1N1 auf dem Rückzug ist.

09.12.2009

Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Vollversammlung der Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“. Die Organisation Amnesty International will deren Inhalte im kommenden Frühjahr in Erinnerung rufen – mit einem von der Plesse ausgehenden Pfad der Menschenrechte.

09.12.2009

Mehr als zwei Jahre alt ist die Idee. Nun ist der Wohnmobilhafen der Stadt Hardegsen in der Steinbreite eröffnet worden. Im März 2010 soll die erste Saison auf dem modernen Standplatz für die Reiseunterkünfte auf Rädern beginnen.

09.12.2009
Anzeige