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Göttingen Mit Austausch „Eltern geschenkt bekommen“
Die Region Göttingen Mit Austausch „Eltern geschenkt bekommen“
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00:16 02.01.2013
Im Theodor-Heuss-Gymnasium: Allef-Vorsitzender Lorenz Flatt (r.) begrüßt die erfahrenen Austausch-Familien und Interessenten. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Jüngere Kinder integrierten sich viel leichter als Teenager, ist die Überzeugung, die dahinter steht. Im Theodor-Heuss-Gymnasium in Göttingen haben sich deutsche Familien beworben, die dieses Abenteuer wagen möchten. Auch Familien, die das Abenteuer hinter sich haben, sind dabei, um darüber zu berichten.

Udo Reil ist mit seinen Kindern aus Gelnhausen gekommen. Frederike (15) hat mit neun Jahren einen Austausch nach England mitgemacht. Vor drei Jahren war sie in Frankreich. „Ich bin nicht so gut in Englisch“, sagt ihr Bruder Victor (13). Deshalb möchte er jetzt nach England. In der vierten Klasse war er schon einmal auf Austausch, in Vichy in Frankreich.

Bei Allef könne man sich nicht aussuchen, in welchen Ort man möchte, erklären die drei. Die Familien würden danach ausgewählt, ob sie zusammen passen könnten. Einmal im Leben „bekommt man Eltern geschenkt“, sagt Udo Reil. Anfangs sei ihm der Gedanke, seine Kinder in die Ferne zu entlassen, fremd gewesen, gibt er zu. „Ich war eher der Bremser“, sagt er.

„Ich hatte Glück, dass ich einen netten Austauschpartner gefunden habe“, erzählt Frederike. Bis heute fliegt sie einmal im Jahr nach England, um ihre Gastfamilie zu besuchen. Mit den Freunden in Gelnhausen habe sich in dem halben Jahr nichts verändert. Auch Victor hat keine Probleme mit seinen Freunden zu Hause bekommen. Jedes Jahr fährt er zu Besuch nach Frankreich. Nun möchte er nochmal länger weg von der Familie. Denn wer schon in der Grundschule ins Ausland kommt, der ist oft schwer zu Hause zu halten, ist eine Erfahrung im Verein.

An diesem Sonnabend werden bei vielen die Wurzeln für neue Erfahrungen gelegt. Der Allef-Vorsitzende Lorenz Flatt erklärt, es gebe zwei Treffen im Jahr, wo sich neue Familien für den Austausch vorstellten und „alte“ über ihre Erfahrungen berichteten. Ein Treffen wird im Vereinssitz Ulm ausgerichtet, das andere in Göttingen. Mit den Familien, die sich für den Austausch bewerben, werden umfangreiche Vorstellungsgespräche geführt.

Danach werden die Partnerfamilien gefunden. Das deutsche Kind wird für ein halbes Jahr dort Gastkind. Dann kommt das Kind aus dem Austauschland für ein halbes Jahr in die deutsche Familie. Angeboten wird der Austausch mit England und Frankreich. Eng sei stets auch der Kontakt zu den Schulen.

Etwa 20 Austausche organisiert der Verein mit rund 100 Mitgliedern im Jahr. Drei Familienbetreuer kümmern sich um die Austauschfamilien. Meist seien es Familien mit zwei und mehr Kindern, schildert Betreuerin Sabine Frech-Dörner aus Göttingen. Sie hat das Treffen hier organisiert. In einer größeren Familie seien die Eltern eher in der Lage, ein Kind für ein halbes Jahr loszulassen. Doch es habe auch schon eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Kind bei dem Programm mitgemacht.

Der Austausch sei keine Initiative für Eltern, die wollten, dass ihre Kinder die Sprache schnell lernten, betont Frech-Dörner. Wichtig sei, dass es der Wunsch des Kindes sei, für sechs Monate fern von zu Hause zu leben. Sind die Familien  einander zugeordnet, können sie sich vor dem Austausch besuchen. „Man hat immer die Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen“, betont Frech-Dörner. Wegen der sorgfältigen Vorbereitung sei ein Abbruch aber sehr selten. 

Von Ute Lawrenz

Allef für Austausch

1978 hat Allef den ersten Austausch organisiert. Seitdem haben mehr als 800 Kinder diese Erfahrung machen können. Der Verein ist in Frankreich, Deutschland und Großbritannien vertreten. In jedem Land gibt es Beauftragte, die sich für diesen Austausch einsetzen. Die Kosten dafür werden von den Familien getragen. Infos und Kontakt im Internet: allef. eu

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