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Göttingen Mit Messer und Schraubenzieher zugestochen
Die Region Göttingen Mit Messer und Schraubenzieher zugestochen
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18:59 04.11.2009
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„Da sieht man, wie wertvoll eine Rechtsmedizin vor Ort ist“, kommentierte der vorsitzende Richter Dirk Amthauer das Ergebnis von Klintschars Versuchen. Der Leiter der Rechtsmedizin an der Uni Göttingen hat von einem Prozesstag zum anderen Licht ins Dunkel gebracht, was die lebensbedrohlichen Verletzungen des 62 Jahre alten Opfers verursacht hat. Der Angegriffene hatte ausgesagt, er sei von dem Angeklagten ohne Vorwarnung mit einem Messer in den Bauch gestochen worden. Der 75-Jährige hingegen hatte behauptet, er sei von dem Jüngeren mit der Faust angegriffen worden und habe sich mit dem zufällig in der Tasche gefundenen Werkzeug nur verteidigt.

Klintschar konnte nach Begutachtung der Verletzungen und der durchstochenen Kleidung sowie nach Vergleichsversuchen, ein Kleidungsstück mit verschiedenen Werkzeugen zu durchstechen, erklären: „Es passt nicht alles zu einem Messer, aber auch nicht alles zu einem Schraubenzieher.“

Dazu hatte der Rechtsmediziner „ein eigenes Kleidungsstück geopfert“, sagte er. Amthauer konterte: „Das haben Sie aber lange nicht getragen.“ Tatsächlich war es ein Babystrampler, der auf der Richterbank ausgebreitet wurde und der den Unterschied von Einstichen mit schmaler Klinge und denen eines Schraubendrehers zeigte.

Demnach ist dieser Sachverhalt so gut wie erwiesen: Der eifersüchtige Rentner hatte den vermuteten Nebenbuhler, der selbst jeden Kontakt zur Freundin des 75-Jährigen bestreitet, vor der Wohnungstür aufgelauert, ihn zur Rede gestellt, ihn mit einem Taschenmesser angegriffen und, als er dieses verlor, mit einem Schraubendreher erneut auf ihn eingestochen. Erst diese deutlich tieferen Stiche bewirkten lebensbedrohliche Verletzungen. Der Psychiater Georg Stolpmann ist zu Motiven des Angeklagten befragt worden.

Der frühe Verlust des Vaters (mit drei), nur drei Jahre Schule, einsame Arbeit als Hirte in einer Kolchose mit zwölf und zweimaliger Verlust von Ehepartnern haben aus dem Angeklagten eine „ängstlich vermeidende“ Persönlichkeit mit Minderwertigkeitsgefühl und Verlustangst gemacht. Seine Eifersucht war pathologisch. Verminderte Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit sei nicht ausgeschlossen.

Von Jürgen Gückel

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