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Göttingen Mitbewohner im Wahn erstochen?
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00:22 02.12.2018
Der Angeklagte soll sein Opfer mit mehreren Messerstichen getötet haben. Quelle: dpa
Göttingen

Weil er einen Mitbewohner mit mehreren Messerstichen getötet haben soll, muss sich seit Donnerstag ein 31-jähriger Mann aus dem Sudan vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Anfang Juni einen 28-jährigen Wohnungsnachbarn im Hausflur eines Gebäudes im Göttinger Hagenweg mit einem Messer angegriffen und diesem unter anderem eine mehr als 13 Zentimeter tiefe Stichwunde in die linke Brustvorderseite zugefügt zu haben. Der Schwerverletzte hatte sich noch von der zweiten Etage ins Erdgeschoss geschleppt, wo er auf dem Treppenabsatz zusammenbrach und verstarb.

Verwirrung um Personalien

Der 31-Jährige war anschließend aus dem Haus geflüchtet und hatte sich dann zu einer Polizeistation begeben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er zur Tatzeit aufgrund einer wahnhaften Störung schuldunfähig war. Sie will deshalb im so genannten Sicherungsverfahren erreichen, dass er dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht wird.

Zu Beginn des Prozesses gab es einige Irritationen wegen der Personalien. Der Beschuldigte hatte bis dahin angegeben, dass er aus Eritrea stamme und 25 Jahre alt sei. Dies korrigierte er nun. Demnach stammt er aus dem Sudan und ist bereits 31 Jahre alt. Er begründete die Abweichung damit, dass er in seinem Asylantrag Eritrea als Herkunftsland angegeben habe. Tatsächlich stammten seine Eltern aus Eritrea und seien später in den Sudan geflohen. Er selbst sei im sudanesischen Kassala geboren.

„Hohe Intensität“

Der Antragsschrift zufolge leidet der Beschuldigte an einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie. Aufgrund dieser wahnhaften Störung habe er sich permanent verfolgt und missbraucht gefühlt. Er habe auch bereits diverse Auseinandersetzungen mit seinem 28-jährigen Nachbarn gehabt, der in dem auch als Asylbewerberunterkunft genutzten Gebäude neben ihm ein Zimmer bewohnte. Als der ebenfalls aus dem Sudan stammende 28-Jährige Anfang Juni spätabends von einer Feier zum Fastenbrechen zurückkehrte, begegnete ihm der 31-Jährige auf dem Flur und beschuldigte den Nachbarn, ihn gemeinsam mit anderen überfallen und sexuell genötigt zu haben. Der 31-Jährige soll ihm dann mit Tötungsabsicht mit einem Messer zahlreiche Schnitt- und Stichverletzungen zugefügt haben. Er durchstach unter anderem die linke Herzkammer, durchtrennte eine Rippe und stach mehrfach in die Stirn und in den Oberarm. Alle Stiche seien „mit hoher Intensität“ ausgeführt worden, sagte die Staatsanwältin.

Mitbewohner hatten den 28-Jährigen im Bereich des Hauseingangs liegend entdeckt und die Rettungsdienste alarmiert. Trotz sofortiger notärztlicher Behandlung verstarb er noch am Tatort.

Der Beschuldigte hatte sich nach der Messerattacke zur Polizei begeben, wo er um kurz nach Mitternacht festgenommen wurde. Er hatte dann zunächst rund drei Monate in der JVA Rosdorf in Untersuchungshaft gesessen. Mitte September hob das Amtsgericht den Haftbefehl auf und ordnete die einstweilige Unterbringung in der Psychiatrie an. Der Prozess wird sich voraussichtlich bis zum März hinziehen.

Von Heidi Niemann

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