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Göttingen 19-Jähriger sitzt in U-Haft – drei Verdächtige wieder frei
Die Region Göttingen 19-Jähriger sitzt in U-Haft – drei Verdächtige wieder frei
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09:15 04.12.2018
Trauer an der Unteren Karspüle: Göttinger haben Blumen und Kerzen abgelegt. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Nach der Festnahme von vier 19 Jahre alten Männern am Wochenende im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt in der Unteren Karspüle hat die Staatsanwaltschaft Göttingen am Montagnachmittag Haftbefehl gegen einen der jungen Männer beantragt. Der zuständige Richter stimmte dem zu und erließ den Haftbefehl wegen Totschlags. Die anderen beiden zunächst noch festgehaltenen Männer wurden am Montagnachmittag frei gelassen. Alle drei Männer schweigen zu den Vorwürfen. Bereits zuvor war der vierte verdächtige 19-Jährige auf freien Fuß gesetzt worden. Wie Andreas Buick, Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, weiter sagt, kannten sich vier 19-jährigen Göttinger. Mit dem Opfer waren sie nicht bekannt. „Vermutlich handelte es sich um ein spontanes Treffen.“

Die Aussagen von Zeugen, so der Jurist weiter, habe zu dem „dringenden“ Schluss geführt, dass der jetzt in Untersuchungshaft überführte 19-Jährige die Tat begangenen haben könnte. Ob eine Waffe benutzt wurde, wollte Buick derzeit noch nicht mitteilen.

Mord an der Karspüle? Am frühen Sonnabendmorgen ist ein 28-jähriger Göttinger getötet worden. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus.

Die Göttinger Polizei hatte auch am Montag mit etwa 15 Kräften weitere Spuren und Hinweise gesammelt – im Bereich Waageplatz und Robert-Gernhardt-Platz. Einem „neuralgischen Treffpunkt“, so Polizeisprecherin Jasmin Kaatz. Auch im und am Rosdorfer Baggersee wurden Spuren gesucht, Tauchern der Northeimer Feuerwehr waren im Einsatz. Die vier Männer waren am Sonntag festgenommen worden, nur einer hatte sich zur Sache geäußert und durfte am Sonntagabend die Polizeiwache wieder verlassen. „Er hat Angaben gemacht, und wir sehen derzeit keinen dringenden Tatverdacht“, so Buick.

Jetzt 20 Ermittler in der Göttinger Moko

Die Polizei Göttingen hat die Mordkommission „MoKo Garten“ personell aufgestockt. Die Arbeit der im Zentralen Kriminaldienst zur Klärung des Gewaltverbrechens geht mit Hochdruck weiter. Für die laut Polizei „komplexen Ermittlungen“ wurde die Zahl der Beamten von 15 auf 20 erhöht. Zum Tatmotiv und auch zum Anlass des vermutlich vorausgegangenen Streites gibt es noch keine weiteren Erkenntnisse. Die Ermittlungen dauern an.

Der getötete 28-jährige berufstätige Göttinger war am frühen Sonnabendmorgen gegen 0.15 Uhr hilflos auf den Boden liegend von Passanten in der Unteren Karspüle gefunden worden. Zunächst, so bestätigt die Polizei, haben die Helfer die schweren Verletzungen gar nicht bemerkt. Der Rettungsdienst brachte den Mann in die Universitätsmedizin. „Erst während des Transports fielen die schweren Verletzungen auf“, so Kaatz. Die Ärzte konnten ihn aber nicht mehr retten, der ledige Deutsche erlag wenig später im Klinikum seinen Verletzungen.

Göttinger haben seit Sonntag Blumen, Kerzen und ein Bild am Fundort abgelegt um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. Auch im Internet trauern viele Göttinger um das Opfer.

Interview mit Kripo-Chef Thomas Breyer: Stündlich neue Hinweise im Fall Karspüle

Ihr erster Tötungsfall in Göttingen: Wie kam es zu dem schnellen Fahndungserfolg?

Polizeiliche Ermittlungen sind ja nahezu immer eilbedürftig. Dies gilt aber in einem ganz besonderem Maße für Tötungsdelikte, bei denen es auf jede Minute ankommen kann. Das Zusammenspiel zwischen unseren Streifendienstkräften, die zuerst am Tatort waren und den Ermittlern des Zentralen Kriminaldienstes klappte ganz hervorragend. Professionell wurden entscheidende Spuren an der richtigen Stelle gesucht und auch gefunden. Dabei wurden wir in vorbildlich von Rettungsdiensten, THW und der Bereitschaftspolizei unterstützt. Nun gilt es, im Team alle Ermittlungsansätze zu bewerten.

Arbeitet die Polizei derzeit rund um die Uhr an dem Fall?

Ein Erfolgsgarant aus meiner Sicht ist die hohe Einsatzmotivation aller Beteiligten. Grundsätzlich ist kein Ermittler am Wochenende in einer Art Rufbereitschaft eingebunden. Nächtliche Tatzeit und wieder einmal an einem Wochenende – dennoch gelang es uns, sehr viele Kollegen zu alarmieren. Diese strömten von zu Hause oder von privaten Feierlichkeiten direkt zum Dienst. Danach wurde bis heute fast rund um die Uhr ermittelt. Schlaf und Privates treten bei solchen Einsätzen erst einmal in den Hintergrund. Derartige Ermittlungen können sich schon mal über Wochen hinstrecken und das Privatleben extrem tangieren. Das eine oder andere Weihnachtsfest verlief schon mal ohne Geschenke, weil für diese Einkäufe keine Zeit blieb.

Es gibt eine 20-köpfige Moko. Wie vielen Hinweisen und Spuren gehen Sie nach?

Die Mordkommission wurde durch den neuen MOKO-Chef, Andreas Stöbener, sehr professionell koordiniert. Die Spuren- und Hinweislage war riesig und die Abarbeitung dieser Spuren wurde bestens priorisiert. So konnte schnell eine heiße Spur aufgenommen werden, die dann schließlich zur Festnahme der Tatverdächtigen führte. Damit sind wir aber noch lange nicht am Ende unserer Ermittlungen. Es ergeben sich stündlich weitere Ermittlungshinweise und Spuren, die es abzuarbeiten gilt.

Von Britta Bielefeld

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