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Göttingen Mündener Fischer gegen Hessen
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14:16 04.06.2018
Schmackhaft und räuberisch: Zander (Sander lucioperca) Quelle: Piet Spaans
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Hann. Münden

Es geht um den Zander – welche Schonfristen für den als Speisefisch sehr geschätzten Raubfisch gelten sollen, und welche Rolle er künftig in den Gewässer-Ökosystemen der beiden Länder spielen soll. Anlass des aktuellen Streits ist die neue Fischereiverordnung in Hessen, die seit dem 15. Dezember 2016 neue Schonzeiten und Mindestmaße vorgibt. So wird die Zanderschonzeit komplett aufgehoben und dafür ein Mindestmaß von 50 Zentimeter angesetzt. Zuvor unterlag der Zander in der Zeit vom 15. März bis 31. Mai einem Angelverbot, und er musste ein Mindestmaß von 45 Zentimeter aufweisen.

Außerdem dürfen Zander seitdem nicht mehr in offenen Gewässern gesetzt werden. Der Raubfisch, so eine der Begründungen, sei in den großen Fließ- und Stillgewässern des Landes „eine invasive Art“, da Zander ursprünglich nur vom Elbesystem ostwärts heimisch waren. Als nicht-heimische Art sei eine Schonung der Zander vor dem Hintergrund des Schutzes der einheimischen Arten und zur Erreichung der Ziele nach Wasserrahmenrichtlinie nicht erwünscht.

Auch in Hessen viel Kritik

In Niedersachsen gelten hingegen die alten Regelungen - Schonzeit vom 15. März bis 31. Mai und ein Mindestmaß von 45 Zentimetern. Nicht nur niedersächsische, sondern auch viele hessische Fischereiverbände halten den niedersächsischen Modus für den vernünftigeren und haben bei der hessischen Landesregierung protestiert.

In den Streit hat sich jetzt die Fischereigenossenschaft Hann. Münden (FGM) aktiv eingemischt. Unter ihrem neuen Vorsitzenden Ronald Schminke, der bereits als SPD-Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag Auseinandersetzungen nur schwer aus dem Weg gehen wollte, macht die FGM mobil gegen die hessische Verordnung. Und nicht nur das: Schminke und die FGM haben beim Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium beantragt, Anglern an den hessischen Gewässern, die von der FGM betreut werden, das Fischen von Zandern in der in Niedersachsen geltenden Schonzeit zu verbieten, obwohl das in Hessen erlaubt ist.

Zander gegen Schwarzmeergrundel

Anlass: Ein hessischer Verein, der von der FGM eine hessische Wasserstrecke gepachtet hatte, erlaubte seinen Mitgliedern mit Blick auf die hessische Rechtslage das gezielte Fischen auf Zander. Schminke will das verhindern: Die Schonzeit sei notwendig. Der Zander sei „ein schmackhafter Raubfisch“ und zudem „sehr hilfreich bei der Eindämmung der Schwarzmeergrundel, denn er gilt als Hauptfressfeind dieses Laich- und Bruträubers.“ Die Folge: Die FGM wolle die niedersächsische Regelung auch in ihren hessischen Gewässern durchsetzen.

Mit seiner neuen Fischereiverordnung stehe Hessen unter allen Bundesländern allein auf weiter Flur. „Wir brauchen jetzt Rechtssicherheit“, schrieb Schminke an das Landwirtschaftsministerium, „um noch größeren Zorn am Wasser zu vermeiden.“ Gegenüber dem Tageblatt wird Schminke noch deutlicher: „Hessen will den Zander ausrotten. Aber nicht mit mir.“

Von der niedersächsischen Landesregierung hat Schminke jetzt grünes Licht für seinen harten Kurs gegenüber der hessischen Fischereiverordnung bekommen. „In jedem Fall“, antwortete das Landwirtschaftsministerium auf Schminkes Schreiben, „haben die Fischereigenossenschaften ihr jeweiliges Landesrecht zu beachten“ - die Mündener Fischereigenossenschaft also das niedersächsische. Änderungen dürften nur in Richtung einer Ausweitung des Schutzes erfolgen – also beispielsweise durch eine längere Schonzeit.

„Ja nicht auf die hessische Seite schwimmen“

Darüber hinaus will es der FGM-Chef nicht dabei belassen, die Zander-Schonzeit in allen von seiner Genossenschaft kontrollierten Gebieten – einschließlich der hessischen – durchzusetzen. Um das hessische Verbot des Aussetzens von Jung-Zandern will er sich ebenfalls nicht kümmern. Das Aussetzen helfe ebenso wie die Einhaltung der Schonzeit, die Schwarzmeergrundel in Schach zu halten. Das hessische Landesrecht wolle er nur insofern beachten, „als ich beim Aussetzen jeden einzelnen Fisch anweisen werden, ja nicht auf die hessische Seite zu schwimmen“.

Von Matthias Heinzel

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