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Göttingen HipHop aus dem Sudan, Reggae aus dem Keller
Die Region Göttingen HipHop aus dem Sudan, Reggae aus dem Keller
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16:02 03.02.2019
Black Band Bi: Astedi rappt mit seinen Kollegen im Haus der Kulturen. Quelle: Scharf, Markus
Göttingen

Die Adresse Hagenweg 2e steht für alles Mögliche: Sie ist Anlaufstelle für Migranten, die hier Ansprechpartner und Beratung finden. Das Haus beherbergt zahlreiche internationale Vereine, es gibt eine Lehrwerkstatt, ein Café und Proberäume. Die Zukunfts-Werkstatt als Trägerin des Hauses hat es sich auf die Fahne geschrieben, ethnische Minderheiten bei ihrer Selbstorganisation zu unterstützen.

Außerdem engagiert sich der Verein neuerdings als Festivalveranstalter. Am Sonnabend wurde ein Programm mit Musikern aus dem Umfeld des HdK zusammengestellt. „Musik&Kreativ“, so der Titel des Abends, soll zum neuen Format aufgebaut werden. Wenn es denn gelingt, ausreichend Publikum in die entlegene Weststadt zu locken. Soviel sei vorweggenommen: Der Auftakt ist vielversprechend.

Livemusik im Haus der Kulturen

Mitinitiatorin Barbara Graf vom HdK-Team betont zu Beginn des Abends: „Wir wollen heute zeigen, was dieses wunderbare Haus zu bieten hat.“ Und so steht sie weite Teile des Abends auch gleich selbst auf der Bühne. Sie ist Teil des Trios Future City, das als Opener zu laufenden Bildern auf der Leinwand rhythmisch opulente Werke spielt. Und obwohl die Bandbesetzung mit Schlagzeug, Perkussion und Bass für mitteleuropäische Hörgewohnheiten ungewöhnlich anmutet, gehen ihre überwiegend experimentellen Stücke einigen Besuchern direkt in die Beine. Die Musik, der Tanz und das schummrige Ambiente lassen ein wenig 1970er-Jahre-Erinnerungen wach werden.

Für den zweiten Auftritt des Abends wechselt Graf das Genre. Jetzt begleitet die Bassistin drei junge afrikanische Musiker. Mahadi, Nasir und Astedi sind erst vor wenigen Monaten nach Deutschland gekommen. Ihr Griff zum Mikrofon wirkt anfangs noch etwas schüchtern. Dann aber rappen sie stimmstark und selbstbewusst auf Arabisch oder Englisch über ihre Heimat, ihre Erlebnisse, über Vorurteile und das Leben im Allgemeinen. Der Funke springt über – nicht nur bei ihren Landsleuten. Als schließlich Breakdancer die ohnehin gut gefüllte Tanzfläche erobern, geht ein Lächeln über die Gesichter der Musiker.

Den folgenden Headliner des Abends haben sich die Veranstalter einfach aus dem eigenen Keller geholt. In den dortigen Proberäumen musizieren seit Jahren Markus Schettler, Georg Willms, Christophe Dupire, Michael Seiff und Uwe Süssmeyer. „Jetzt haben wir uns gedacht, es reicht vielleicht für einen kleinen Auftritt“, sagt Willms bevor er die Bühne betritt.

Tatsächlich reicht es für weit mehr. Es wird im positivsten Sinne ein unterhaltsamer Tanzabend. Ihre in Teilen deutschsprachige Musik ist selbst komponiert und mischt Funk, Rock, Soul und Reggae. Sie ist vor allem darauf ausgelegt, dass die Leute tanzen, hatte Willms erklärt. Und das tun sie an diesem Abend – und zwar generationen- und kulturübergreifend.

Früher standen die fünf Musiker noch als M-Funk auf der Bühne. „Dann wollten wir uns aber nicht mehr musikalisch festlegen lassen“, so Dupire. Mit dem neuen Namen seien sie jetzt weit weniger gebunden. Zudem lässt er sich an diesem Abend ganz hervorragend auf die gesamte Veranstaltung übertragen: Irgendwie fabelhaft.

Es bleibt nun abzuwarten, ob künftig häufiger Livemusik auf dem Programm im Haus der Kulturen steht. Das Konzept von Musik&Kreativ macht jedenfalls Lust auf mehr.

Von Markus Scharf

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