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Göttingen Nach 55 Jahren Ehe verzweifelt gesucht
Die Region Göttingen Nach 55 Jahren Ehe verzweifelt gesucht
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20:17 02.12.2011
Göttingen

Eine 78 Jahre alte, mit Verdacht auf Schlaganfall eingelieferte Rentnerin, die spurlos aus dem Göttinger Klinikum verschwindet? Tatsächlich bestätigen erste Recherchen die Schilderung der Angehörigen.

Am 16. Oktober haben Ehemann und Tochter die 78-Jährige nach einem Arztbesuch ins Klinikum gebracht. Am 20. besuchte die Tochter sie zuletzt, wobei es mit der Mutter Streit gegeben habe. Am 21. wurde die Rentnerin entlassen, und die Klinikums-Ärzte sagten nicht, wohin. Anfragen bei allen Kliniken der Region blieben ohne Ergebnis, die Krankenkasse sagte nichts, der Hausarzt schwieg vielsagend.

Schon am Tag des Verschwindens, so berichtet Ehemann Albert, standen die Enkelkinder auf dem Hof und wollten Sachen der Oma abholen. „Die wollten den Schmuck, damit sie ihn versilbern können“, schimpft Uropa Albert. Seine Tochter vergisst nicht zu erwähnen, dass dem Vater  langsam das Geld knapp werde, weil er nicht an das Konto mit der Rente seiner Frau komme.

Doch die Enkel wissen, wo Oma ist. Sie, auch längst erwachsen und mehrfache Eltern, bestätigen auf Anfrage nur, dass Uroma Grete wohlauf und in Sicherheit sei. Sie hätten den Auftrag gehabt, ihr Kleidung zu holen. Weil Opa sie vom Hof jagte, lebt seine Frau in den paar Sachen, die sie mit ins Krankenhaus nahm. Ein Rechtsanwalt soll nun versuchen, das Eigentum der Seniorin von ihrem Ehemann ausgehändigt zu bekommen.

Denn Uroma Grete ist nicht verschwunden, sie ist freiwillig untergetaucht. Sie hat sich nach einem Zusammenbruch in Sicherheit gebracht und hat ihre Ärzte, die Krankenhäuser und die Polizei gebeten, ihren Aufenthaltsort nicht zu verraten. Einer von diesen sagt es so: „Stellen Sie sich das vor wie die Flucht ins Frauenhaus, aber da geht man mit 78 natürlich nicht mehr hin.“ Die Tageblatt-Recherchen ergaben nur so viel: Es geht ihr jetzt wirklich gut.

Dann der Anruf bei Uropa Albert, der begierig darauf ist, zu erfahren wo seine Frau steckt, damit „ich sie mir gleich herholen kann“. Der Mitteilung, seiner Frau gehe es gut, und der Tageblatt-Reporter werde ihren Wunsch respektieren und den Aufenthaltsort wie alle anderen ebenfalls nicht mitteilen, folgt ein fulminanter Wutausbruch mit wüsten Drohungen am Telefon, der für sich schon erklärt, warum Uroma Grete untergetaucht ist – nach 55 Jahren Ehe, fünf Jahre nach der goldenen Hochzeit.

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