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Göttingen Nach Razzia in Göttingen: Welche Gefahr geht von den Känguru-Chroniken aus?
Die Region Göttingen Nach Razzia in Göttingen: Welche Gefahr geht von den Känguru-Chroniken aus?
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16:35 05.04.2019
„Die Känguru-Chroniken“: Eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung? Quelle: Paul Bower (Illustration)
Göttingen / Hannover

Julia Willie Hamburg, Imke Byl, Helge Limburg und Belit Onay wollen es genau wissen: „Welche Gefahr geht von Marc-Uwe Klings Werken für die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung aus?“, fragen die Landtagsabgeordneten der Grünen die niedersächsische Landesregierung zu Klings Erfolgsbüchern und -hörspielen „Die Känguru-Chroniken: Ansichten eines vorlauten Beuteltiers“. Die Anfrage haben die Grünen am 1. April eingereicht. Sie liege derzeit zur Korrektur bei der Landtagsverwaltung und gehe anschließend der Landesregierung zu, erläuterte Hamburg.

Haus des Kängurus: Hausdurchsuchungen am 28. Juni 2018 in Göttingen nach dem G20-Gifpel in Hamburg. Quelle: Swen Pförtner

Hintergrund der Grünen-Anfrage sind Hausdurchsuchungen in Göttingen durch Ermittler des Staatsschutzkommissariats der Polizeiinspektion Göttingen und Beamte der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen im Juni 2018 Jahr. Durchsucht wurden die Wohnungen eines 29-jährigen Studenten und einer gleichaltrigen Frau im Hainholzweg und in der Bürgerstraße. Dabei waren nach Polizeiauskunft von damals „umfangreiches Beweismaterial, darunter auch Speichermedien“ gefunden worden. Die Gegenstände wurden beschlagnahmt.

Gefährlichen Körperverletzung

Dem Mann war vorgeworfen worden, einen mutmaßlichen „Spitzel“ während der Proteste gegen den G20-Gipfel 2017 in Hamburg tätlich angegriffen zu haben, fassen die Grünen den Vorfall zusammen. Zudem steht er gemeinsam mit einer gleichaltrigen Frau im Verdacht, im Frühjahr 2018 an einem Angriff auf den niedersächsischen Landeschef der AfD-Jugendorganisation Lars Steinke beteiligt gewesen sein. Gegen die Frau und den Mann wurde daher wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung der Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung ermittelt.

Auf der Suche nach Speichermedien „Speichermedien jeglicher Art“

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Mannes wurden nicht nur diverse Speichermedien wie USB-Sticks, Speicherkarten und Cassetten, Computer, Laptops, Mobiltelefone und Tablets sowie ein Glas mit der Beschriftung „Oregano“ beschlagnahmt, sondern auch rund 30 CDs, darunter CDs mit den Hörspielen „Die Känguru Chroniken“ und das „Känguru-Manifest“.

Der Durchsuchungsbeschluss galt „Speichermedien jeglicher Art“, sagt Andreas Buick, Sprecher der Göttinger Staatsanwaltschaft. Die Frage, warum auch die Känguru-Chroniken von den Ermittlern mitgenommen wurden, erläutert Buick: Die Aufschrift auf einer CD besage nicht immer, was auf der CD tatsächlich drauf ist. Nach Auskunft von Sven Adam, Anwalt des Beschuldigten, sei aber keineswegs die komplette CD-Sammlung des Mannes beschlagnahmt worden.

Verfahren wegen Angriff auf Steinke läuft noch

Die Vorwürfe in Bezug auf den G20-Gipfel gegen den Studenten haben sich inzwischen als falsch erwiesen. Er war während des Gipfels nachweislich in Japan. Die Ermittlungen dazu wurden inzwischen eingestellt. Das Verfahren wegen des Angriffs auf den ehemaligen JA-Funktionär Steinke läuft allerdings noch.

Die CDs hat der Mann nach Angaben von Anwalt Adam inzwischen wieder. Andere beschlagnahmte Dinge würden weiterhin ausgewertet, so Buick.

Julia Willie Hamburg auf Twitter

Die Abgeordnete Hamburg schreibt zu der Anfrage auf Twitter: „Es klingt wie ein schlechter #Aprilscherz und doch war es keiner: letztes Jahr hat die @Polizei_GOE bei einer Hausdurchsuchung die Känguru-Chroniken von @KlingMarcUwe beschlagnahmt. Wir fragen nun nach der abstrakten Gefahr durch @realMarcUwe sowie geplanten Gegenmaßnahmen #ltnds“.

V-Leute im „Asozialen Netzwerk“?

So wollen die Grünen unter anderem wissen, auf welcher Rechtsgrundlage die Känguru-Chroniken beschlagnahmt wurden und ob es Inhalte gibt, die nach Ansicht der Landesregierung gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen? „Wenn ja, wie viele Menschen in Niedersachsen besitzen die Känguru-Chroniken und geht von den Besitzern ein erhöhtes Potenzial aus, gegen die FdGO zu agieren? Wenn ja, wie will die Landesregierung dieser Gefahr begegnen? Wenn ja, plant die Landesregierung ein Amnestie-Programm für die Besitzer*innen der Werke des Klings und wann bringt es diese auf den Weg?“

Weitere Fragen zielen auf das Gefahrenpotenzial von „kommunistischen/linksextremistischen Kängurus“ oder den Einsatz von V-Leuten im Umfeld der „linksextremistischen Organisation ,Das Asoziale Netzwerk’ ab.

Julia Willie Hamburg Quelle: dpa

 

Gegenüber dem Tageblatt erklärte Hamburg: „Wir haben sie [die Anfrage] uns für den 1. April aufgehoben, weil der Vorgang so absurd ist. Die Fragen, die einem dazu in den Kopf kommen, wirken alle nur skurril. Nichtsdestotrotz ist das ein ernsthaft skandalöser Vorfall, wie so mancher in Göttingen. Die passen ja in eine ganze Reihe komischer Aktionen, die wir versuchen aufzuarbeiten.“

Autor Marc-Uwe Kling Quelle: dpa

Nach der Berichterstattung über die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens gegen Studenten bekam dieser „bemerkenswerte Unterstützung“, wie sein Anwalt Adam berichtet. So habe Autor Kling ihm sämtliche von ihm produzierten Hörbücher aus der Känguru-Reihe übersandt. „Das Paket sei als Ausgleich für die beschlagnahmten Gegenstände gedacht, heißt es in einer Mitteilung von Marc-Uwe Kling“, erklärt Adam.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib 

Facebook: michael.brakemeier

Der Artikel wurde am Freitag, 5. April, mit Details zu den Hausdurchsuchungen, den Anschuldigungen, den beschlagnahmten Gegenständen und der Auskunft der Staatsanwaltschaft ergänzt.

Von Michael Brakemeier

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