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Göttingen Bei Wärme erwachen die Fledermäuse
Die Region Göttingen Bei Wärme erwachen die Fledermäuse
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00:27 12.04.2018
So nah kommt man der Fledermaus eher selten: Blick in die Schnauze eines Großen Abendseglers. Quelle: dpa
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Göttingen

Allerdings sind geeignete Plätze immer schwerer zu finden. Höhlenreiches Altholz werde aus den Wäldern entfernt, Dachböden ausgebaut und gegen den Wärmeverlust isoliert. „Wichtige Lebensräume unter Dächern oder hinter Fassadenverkleidungen gehen so verloren“, so der Nabu-Experte Ralf Berkhan. Alle 19 der in Niedersachsen vorkommenden Fledermausarten seien heute in ihrem Bestand gefährdet. Vor allem die gebäudebewohnenden Arten fänden immer seltener Quartiere.

Hauptursache dafür ist, dass Einschlupfmöglichkeiten zwischen Dachziegeln, im Mauerwerk und hinter Verschalungen aus energetischen Gründen verschlossen werden. Dabei werde oftmals schlicht aus Unwissenheit nicht darauf geachtet, dass sich Artenschutz und Sanierung nicht ausschließen müssen, so Berkhan. Daher appellieren die Umweltschützer bereits seit 2004 alljährlich an Hausbesitzer und Verwalter öffentlicher Gebäude, den Fledermäusen Unterschlupf zu gewähren. Wer beispielsweise Kästen aufstellt oder beim Umbau des Hauses sogenannte Fledermausbotschafter zurate zieht, kann mit der Auszeichnung „Fledermausfreundliches Haus“ belohnt werden.

Unbegründete Angst

Und dennoch will nicht längst jeder Fledermäuse beherbergen. Die Angst vor möglicherweise krankheitsübertragenden Tieren, die in Massen den gesamten Dachstuhl besiedeln, verschmutzen und beschädigen, ist immer noch weit verbreitet. Zumal man die artengeschützten Kulturfolger nicht mehr vertreiben darf, wenn sie sich erst einmal niedergelassen haben. Doch diese Befürchtungen sind gleich in mehrfacher Hinsicht unbegründet.

Zunächst sind Fledermäuse rein anatomisch nicht in der Lage, Schäden an Gebäuden zu verursachen. Anders als ihre ungeflügelten Namensvettern können sie weder nagen, noch kratzen oder graben. Außerdem bilden längst nicht alle Arten große Kolonien, erklärt Rómulo Aramayo Schenk, Regionalbetreuer für Fledermäuse. Zwar bilde beispielsweise das Große Mausohr Kolonien mit mehreren hundert Tieren. Die meisten gebäudebewohnenden Fledermausarten leben einzeln oder in Kleingruppen. Und auch die Gefahr der Krankheitsübertragung ist denkbar gering. Keine Fledermaus würde einen Menschen anfliegen. Zu einem Biss kann es nur kommen, wenn das Tier in Bedrängnis gerät, weil der Mensch ihr zu nah kommt.

Standorttreue Tiere

Eine Befürchtung ist allerdings richtig: Ist eine Fledermaus erst einmal da, wird sie voraussichtlich bleiben. Da alle Fledermäuse in ihrem Bestand bedroht sind, stehen auch ihre Quartiere unter Schutz, so Schenk. Zudem sind viele Arten standorttreu und kehren alljährlich zurück – wenn ihre Ansprüche an Quartier, Lebensraum und Nahrung erfüllt sind.

Der Nabu hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Image der Fledermaus als potenzieller Untermieter aufzupolieren. Sie mag konstantes Raumklima und meidet Zugluft. Sie ist leise, schläft tagsüber und macht kaum Schmutz. Und selbst diese krümeligen Hinterlassenschaften seien nährstoffreich und hervorragend als Dünger im heimischen Garten geeignet. Noch mehr Argumente für die Beherbergung der Fledermaus bietet der Nabu im Internet.

Von Markus Scharf

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