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Göttingen Neues Sorgentelefon für Verbindungsstudenten
Die Region Göttingen Neues Sorgentelefon für Verbindungsstudenten
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21:05 23.05.2011
Initiatoren des Projekts: Angermann, von Jan und Michaelis. Quelle: Breitenbach

Damit möchte sich der AStA der „individuellen Probleme von betroffenen Verbindungsstudenten“ annehmen. „Das ist schon ernst gemeint“, sagt der AStA-Referent für Öffentlichkeit Patrick Michaelis (Basisdemokratisches Bündnis).

Studentenverbindungen seien in Göttingen sehr stark vertreten. Studenten, die in diese Kreise „hineingeraten“ sind, soll mit dem Sorgentelefon der Ausstieg erleichtert werden. „Das Beratungstelefon ist eine erste Anlaufstelle bei Konflikten, die ein männerbündisches und hierarchisches Gemeinschaftsleben mit sich bringen kann“, informiert der AStA. Etwa elitärer Leistungsdruck, Homophobie, antiquiertes Rollenverständnis, Alkoholkonsum und Rituale der Unterordnung hätten laut AStA häufig psychische und physische Belastungen zur Folge.

Von einem „niedrigschwelligen Angebot“, das einem Projekt aus Leipzig nachempfunden ist, spricht Erik Angermann, Sachbearbeiter beim AStA. 2007 habe es dort eine ähnliche Aktion gegeben – mit mäßigem Erfolg: Echte Beratungsfälle seien „selten, aber es gibt sie“.

Die Fachleute dahinter seien vier Studierende, die sich mit dem Verbindungswesen ausein-andergesetzt hätten, so Michaelis. Mitinitiatorin Svenja von Jan erklärt, dass die Vier eine psychologische Schulung absolviert hätten. In Härtefällen soll eine Weitervermittlung an die Psychosoziale Beratungsstelle (PSB) des Studentenwerks stattfinden. Dort weiß man von der angeblichen Kooperation aber nichts. Geschäftsführer Jörg Magull: „Ich habe von dem Projekt noch nichts gehört.“ Erst vor einigen Tagen habe ein obligatorisches Semestergespräch mit dem AStA stattgefunden. „Auch hier wurde das nicht thematisiert.“ Grundsätzlich stehe die PSB jedem Studenten mit jeder Art von Problemen offen.

Auf eine Zusammenarbeit mit den Göttinger Studentenverbindungen wurde verzichtet. Entsprechend überrascht zeigen sich Vertreter verschiedener Verbindungen auf Tageblatt-Anfrage. In einer gemeinsamen Erklärung wird das Angebot als Versuch, das Bild von Studentenverbindungen weiter zu beschädigen, kritisiert: „Immerhin werden Mittel aller Studenten verbraucht für eine Maßnahme, die selbst Nicht-Verbindungsstudenten als unnötige Meinungsmache des AStAs gegen die Verbindungsstudenten erscheinen muss.“ Die Äußerungen des AStA, dass die Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung „häufig psychische und physische Belastungen zur Folge“ habe, werfe die Frage auf, auf welchen wissenschaftlichen Grundlagen selbige beruhe.
Das Beratungsteam ist montags von 11 bis 12 Uhr unter 05 51 / 39 22 26 8 zu erreichen.

Von Lukas Breitenbach

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